Gelebte Liebe zur Musik des Mittelalters

Von: Beate Weiler-Pranter
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Virtuos an der Drehleier und an anderen mittelalterlichen Instrumenten: Alexandra Prinz. Foto: Weiler-Pranter

Großhau. Farbenprächtige Kostüme, fröhliche Stimmung, mitreißende Musik - mit diesen Schlagworten verbinden die meisten oft nur eins: Karneval. Für Alexandra Prinz aus Großhau bedeutet all das aber gelebte Liebe zur Musik, denn seit über 20 Jahren arbeitet sie daran, die Musiktraditionen der vergangenen Jahrhunderte aufleben zu lassen.

Ein historischer Umzug zum Nideggener Stadtjubiläum entfachte ihre Begeisterung für mittelalterliche Spektakel. Teenager Alexandra, die seit ihrem fünften Lebensjahr Blockflötenunterricht erhalten und sich eher der alten Renaissance- und Barockmusik gewidmet hatte, nahm damals allen Mut zusammen und sprach den urigen „Musikanten Konrad” aus Nürnberg an, der mit Drehleier und Dudelsack in Nideggen aufspielte.

Kurzerhand nahm „Konrad” das musikalische Mädchen aus der Eifel unter seine Fittiche. Egal, ob als Flötistin bei einem lukullischen Ritter-Bankett oder als „Trommelbub” vor 40.000 Gästen der historischen Ritter-Turniere in Kaltenberg bei Prinz Luitpold von Bayern - während ihrer Schulferien schlüpfte Alexandra in immer andere Rollen. Bei diesen Auftritten lernte sie immer mehr historische Musikinstrumente kennen, lieben und vor allem: spielen!

Von diesen Ferien-Eindrücken inspiriert, kaufte sie 1990 das erste eigene historische Instrument, „eine kleine, knuffige Kastenleier für 1280 Mark, sponsored by Papa”, erinnert sich die inzwischen 38-Jährige schelmisch lachend. Im selbst geschneiderten Kostüm aus Mamas samtenen Wohnzimmervorhängen wagte sie wenig später ihre ersten Soloauftritte auf Burg Satzvey.

„Damals habe ich noch auf einem Mühlstein sitzend allein vor mich hin geleiert”, amüsiert sich die Vollblutmusikerin und lässt ihre erste gotische Drehleier erklingen. Bald darauf wurden Mittelaltergruppen wie „Saltarello” oder „Schelmish” auf Alexandra Prinz aufmerksam, die mittlerweile auch die Kunst des Dudelsackspielens virtuos beherrschte. Mit ihnen musizierte die gebürtige Aachenerin auf Festivals in ganz Europa.

Auch ein Dozent der Kölner Musikhochschule lud die junge Frau ein, in seinem Ensemble für alte Musik mitzuspielen. Fast drei Jahre lang fuhr sie jeden Mittwoch aus der Eifel nach Köln, um Theorie und Praxis zu perfektionieren.

Als die Harfenistin dieses Ensembles einen Instrumenten-Baukurs anbot, war Alexandra Prinz Feuer und Flamme. Nachdem sie bereits einen Flötenbaukurs absolviert hatte, fertigte die Eifelerin nun eine kleine, 21-saitige Harfe: „Das muss man ja schließlich einmal gemacht haben, oder?!”

Alexandra Prinz hat viele Facetten. Neben ihrer Leidenschaft für historische Musik rekonstruiert sie zurzeit eine originalgetreue Ritterrüstung: Bis auf Kettenhemd und „Gambeson”, die wattierte Jacke unter der Plattenrüstung, hat sie die damals übliche Ausstattung eines Ritters zusammengetragen, Stück für Stück.

„Das Schwert habe ich mir zum letzten Geburtstag geschenkt”, schmunzelt der Mittelalter-Fan.

Besonders bei Grundschulen in der Region ist das fundierte Fachwissen der pfiffigen Frau gefragt, denn sie kann - quasi in Personalunion - eine ganze Ära auferstehen lassen. Fachübergreifend für Musik und Sachkunde. Selbstverständlich ist dann auch ihr „unerschrockener Ritter” mit dabei. „Auf diese Weise können die Kinder in ein völlig fremdes Jahrhundert eintauchen und erleben, wie schwer es damals war, Ritter zu sein”, sagt Alexandra Prinz. „Im wahrsten Sinne des Wortes!”

Zunächst geht´s aber auf große Reise: Nach Studioaufnahmen für eine CD-Produktion fliegt Alexandra Prinz Anfang Februar nach Spanien. Dort spielt sie mit der Gruppe „Filia irata” beim historischen Stadtfest von Orihuela auf.
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