Geldgier, Egoismus und Größenwahn

Von: Stephan Johnen
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Ein Klassiker, der stets aufs Neue fasziniert: Die „Strippkes Trekker” brachten im Kloster-Kultur-Keller Patrick Heiliger als Antoine de Saint-Exupéry und „Kleinen Prinzen” auf die Bühne. Foto: Johnen

Vossenack. Wenn draußen der Schnee droht, die Straßen unpassierbar zu machen, ist es im Kloster-Kultur-Keller Zeit, auf Reisen zu gehen.

Das Marionettentheater „De Strippkes Trekker” nahm seine Zuschauer am Freitagabend mit auf den Weg von Planet zu Planet, immer auf den Spur des „Kleinen Prinzen” von Antoine de Saint-Exupéry.

Die Ausflüge durch die nur auf den ersten Blick unbekannten Galaxien sind eine Reise durch die Beschaffenheit der menschlichen Gesellschaft.

Von seinem Planeten aufgebrochen, um einen Freund zu suchen, reist der Prinz umher und trifft auf zahlreichen Kleinsternen auf skurrile Gestalten. Der Geograph, der die Welt beschreibt, aber keinen Fuß aus seinem Arbeitszimmer setzt, kann ebenso ein Freund sein wie der Säufer, der sich täglich aufs Neue zuschüttet, um zu vergessen, dass er sich seiner Sauferei schämt.

Geldgier, Egoismus, Depression, Oberflächlichkeit und Größenwahn: Die Gestalten, die der Prinz während seiner Reise trifft, sind allesamt Spiegelbilder einer Gesellschaft. Was damals aus Sicht von Antoine de Saint-Exupéry aus dem Ruder lief, hat sich auch Jahrzehnte später kaum grundlegend verändert. Oder verbessert...

Einzig in einem Tier, eine Fuchs, erkennt der Prinz einen Freund. „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar”, verrät das schlaue Tier dem geneigten Zuhörer.

Das Tier weiß, was die Menschen vergessen oder verdrängt haben: Es geht im Leben um Verantwortung, nicht um Konsum. Nur wer hinter die Dinge schaut, wird sie verstehen. Nur wer sich wirklich auf Menschen einlässt, wird nicht einsam enden.

„Der kleine Prinz” gehört schon seit vielen Jahren zum Repertoire der „Strippkes Trekker”. Ihren Reiz hat die moderne Fabel dabei nicht verloren, sie gehört vielleicht sogar zu den intensivsten Stücken der Marionettenspieler. Die gelungene Interaktion von Mensch und Marionette lässt den Zuschauer vergessen, dass einer der Schauspieler nur an Strippen hängt.

Die Stärke des aus der Jugendarbeit im Franziskus-Internat erwachsenen Theaters ist es, immer aufs Neue junge Menschen für diese Kunst zu gewinnen - und gleichzeitig seit Jahrzehnten Ensemblemitglieder zu binden.

Als Schüler einst zu den „Strippkes Trekkern” gestoßen, verkörpert Patrick Heiliger beispielsweise seit 16 Jahren im „Kleinen Prinzen” die Figur des Antoine de Saint-Exupry.

Vertraut unterhält er sich auf der Bühne mit der Marionette, liebevoll ist der Umgang. Ja, in ihm hat der Prinz einen weiteren Freund auf Erden gefunden. Zusammen erkennen sie das Wesentliche. Nachahmung empfohlen.
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