Düren - Geistig Behinderte ausgezogen: Mann wird freigesprochen

Geistig Behinderte ausgezogen: Mann wird freigesprochen

Von: hp
Letzte Aktualisierung:

Düren. Von einer „ausgesprochen unschönen Situation“ hat die Vorsitzende Richterin Verena Neft bei einem Prozess vor dem Dürener Schöffengericht gesprochen. Dort musste sich laut Anklage ein 59 Jahre alter Dürener wegen sexueller Nötigung beziehungsweise Vergewaltigung verantworten.

Bei dem vermeintlichen Opfer handelt es sich um eine 46-Jährige, die geistig behindert ist und in einer Heilpädagogischen Einrichtung lebt. Der Mann und die Frau beziehungsweise deren Familie kannten sich bereits seit mehreren Jahren. Seinen Schilderungen nach hatte er die geistig Behinderte, die unter anderem nicht sprechen kann, in Begleitung einer Betreuerin irgendwann im Jahr 2016 in der Innenstadt wiedergetroffen. Bei dieser Gelegenheit will er der 46-Jährigen auch versprochen haben, sie mal zu besuchen.

Dies geschah am 1. Januar 2017. Gegen 13 Uhr besuchte er sie in der Einrichtung, in der sie wohnte. Als Geschenk hatte er Süßigkeiten und Körperlotion mitgebracht. Laut Anklageschrift soll er die Frau auf Wange und Mund geküsst haben und danach vollständig entkleidet haben. Dies alles geschah offenbar unter dem Vorwand, die Frau mit der Lotion einzucremen.

Der Angeklagte war vor Gericht geständig, leugnete jedoch, mit den Fingern im Intimbereich zudringlich geworden zu sein. Als die 46-Jährige mit unverständlichen Lauten und Handbewegungen zu dem Geschehen ihren Unmut geäußert haben soll, habe er von der Frau abgelassen. Eine Mitarbeiterin wurde auf die Schreie aufmerksam, kam hinzu und verwies den Besucher des Zimmers.

Angesichts der erheblichen Einschränkungen des vermeintlichen Opfers gestaltete sich die juristische Bewertung als nicht ganz einfach: Geistig Behinderte seien einem Kind nicht gleichzustellen. Vor dem Hintergrund, dass die 46-Jährige damals eine Drei-Monats-Spritze zur Schwangerschaftsvermeidung erhalten hatte, räumte das Gericht ein, dass nach Ansicht des Gesetzgebers „auch Behinderte ein Recht auf Sexualleben haben“.

In den Befragungen zweier Betreuerinnen wollte das Gericht klären, ob die 46-Jährige in der Lage sei, ihren Unwillen in Alltagssituationen kundzutun. An jenem Neujahrstag habe sie dies offensichtlich auch getan, woraufhin der Angeklagte sein Handeln beendete. Diese Umstände führten zum Freispruch des 59-Jährigen. Das Urteil entsprach nach der Beweisaufnahme übereinstimmend den Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Nebenklage-Vertreterin und Verteidiger.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert