Gehörlose Mitarbeiterin: Beruflicher Neustart mit 58 Jahren

Von: Stephan Johnen
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„Frau Golombek ist gut integriert“, sagt Geschäftsführer Michael Thomas. Seit August arbeitet Claudia Golombek, die als Kind bei einem Unfall ihr Gehör verlor, beim Dürener Unternehmen Delta T. Foto: Stephan Johnen
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Pascal Devos (links) und Franz Joisten helfen Menschen mit Handicap bei der Arbeitsplatzsuche. Foto: Stephan Johnen

Düren. Die Einladung zum Vorstellungsgespräch kam per SMS, direkt aufs Mobiltelefon. „Ich war überrascht“, sagt Claudia Golombek. Unzählige Bewerbungen habe sie geschrieben – und gewartet. „Ich dachte schon, ich hätte Papier verschwendet“, sagt sie. Wer stellt schließlich eine 58-Jährige ein? Doch dann kam die Kurzmitteilung – und Claudia Golombek antwortete, per SMS. Eine ungewöhnliche Art der Kommunikation zwischen Arbeitgeber und potenziellen Arbeitnehmer?

Claudia Golombek schüttelt den Kopf. Sie ist gehörlos, seit Kindertagen. Wo andere zum Telefon greifen, schickt sie ein Fax oder eine SMS. Die Nachricht des Dürener Unternehmens Delta T Hitzeschutz und Isolation jedenfalls erwies sich als frohe Botschaft.

Seit August arbeitet die 58-Jährige nun bei der Firma im Großen Tal, die Hitzeschutzteile für die Automobilindustrie herstellt. „Frau Golombek ist nach einer Einarbeitungszeit gut integriert“, sagt Geschäftsführer Michael Thomas. Derzeit arbeitet die 58-Jährige in der Produktion, in naher Zukunft – so kann es sich Thomas vorstellen – soll Claudia Golombek helfen, Konstruktionszeichnungen für eine neue Maschine anzufertigen.

Schließlich hat die Dürenerin an der Aachener Fachhochschule studiert, am Institut für Luft- und Raumfahrttechnik gearbeitet – und viel Erfahrung mit Maschinen und Elektronik gesammelt. „Sie hat gute Qualifikationen“, betont Michael Thomas. Aber er wollte zunächst auch herausfinden, welches Können dahinter steckt, denn im Lebenslauf seiner Angestellten gibt es einige Umwege. „Mit Blick auf das Ende der Probezeit mache ich mir aber keine Sorgen“, sagt er.

„Eine Behinderung macht die Arbeitssuche nicht leichter“, sagt Claudia Golombek. 20 Jahre hat sie in einer Verwaltung gearbeitet, mehrfach hat sie sich weiterqualifiziert, mehrfach wurde ihre Arbeitsstelle abgebaut. „Ich hatte Pech, habe aber nie aufgegeben“, sagt sie. Mit ihrem technischen Studium hatte jedoch kaum eine Beschäftigung zu tun. Umso mehr freut sie sich auf ihre neuen Aufgaben.

„Immer noch werden zu oft vermeintliche Defizite gesehen und nicht die Fähigkeiten und die Motivation der Menschen“, bedauert Franz Joisten, Leiter des Teams „schwerbehinderte Menschen“ bei der Agentur für Arbeit. Viele Arbeitssuchende mit Handicap seien sehr gut qualifiziert. Von einem „Aha-Effekt“ bei Arbeitgebern sprich auch Pascal Devos von der Agentur. Vermeintliche Hürden seien oft gar nicht unüberwindbar. Es gibt Hilfe beispielsweise bei der Einrichtung von Arbeitsplätzen und finanzielle Förderungen.

Als besonders „motivierte und zuverlässige Mitarbeiter“ hat Michael Thomas Menschen mit Handicap kennengelernt. Drei der 25 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Mitarbeitern haben eine Behinderung. „Als Unternehmen möchte ich soziale Verantwortung übernehmen“, sagt er.

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