Schlich-Merode - Gefeiertes Open-Air-Liebesstück auf Schloss Merode

Gefeiertes Open-Air-Liebesstück auf Schloss Merode

Von: Bruno Elberfeld
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Hauptperson in „La Traviata“: Die Edelkurtisane Violetta kreiert in ihrem Salon vor Gästen fröhliche Trinksprüche. Foto: Elberfeld

Schlich-Merode. Die gut gefüllten Parkplätze rund um Schloss Merode verrieten, dass an diesem Abend ein großes Event stattfinden würde. Viele Menschen waren aus der Region, den Niederlanden und Belgien zur Aufführung von Giuseppe Verdies Oper „La Traviata“ angereist.

Das Ensemble von „Opera Classica Europa“ – Chor und internationale Opernsänger aus Lorch im Rheingau – gab sich mit seiner letzten Open-Air-Vorstellung dieses Jahres die Ehre. Dies teilte Regisseur und Gesamtleiter Michael Vaccaro mit. In Ton gesetzt wurde das Stück – von Zuschauern des Fernsehsenders 3sat vor Jahren in der Beliebtheitsskala der Opern auf Platz eins gesetzt – von den „Rhein-Main-Philharmonikern“ unter der Leitung von Benedikt Sauer.

Die Bühne stand auf der Wiese des Schlossparks, durch den Wassergraben vom Gebäude getrennt. Der ansonsten übliche Orchestergraben wurde durch ein Zelt neben der Bühne ersetzt. Das Gesamtpaket begeisterte die meisten Zuschauer, obwohl das Singvermögen des Ensembles nicht wie in einem geschlossenen Raum voll zur Geltung kommen konnte – das Schlossambiente machte das wett.

Um was geht es in La Traviata (zu Deutsch: „Die vom Wege Abgekommene“)? Es ist das uralte Thema der Liebe zwischen Menschen mit Standesunterschied. Das Libretto, geschrieben von Francesco Maria Piave, hat seine Wurzeln in Alexandre Dumas Roman „Die Kameliendame“. Alfredo Germont (Tenor Antonio Rivera) verliebt sich in Violetta Valéry (Sopran Jessey-Joy Spronk), eine Frau mit anstößigem Lebenswandel, eine Edelkurtisane.

Gegen diese Verbindung agiert der Vater Alfredos, Giorgio Germont (Bariton Chul-Ho Jang). Er zwingt Violetta die Beziehung zu seinem Sohn aufzugeben, weil ansonsten Alfredos Schwester nicht standesgemäß heiraten könne. Violetta verschwindet aus Alfredos Leben, geht wieder ihrem alten Job in Paris nach, erkrankt, wird später von Alfredo gefunden und versöhnt sich mit dessen Vater. Violetta stirbt an Tuberkolose in den Armen ihres Geliebten.

Der 1. Akt ist gekennzeichnet von der aufkeimenden Liebesbeziehung von Alfredo und Violetta. Im 2. Akt wird das Glück der Beiden durch das Auftauchen von Alfredos Vater zerrissen. Im 3. Akt präsentiert Verdi den Karneval in den Straßen der französischen Hauptstadt. Violetta hingegen erkrankt ernsthaft und wird von Alfredo gefunden. Giorgio Germont, der Vater, im Stück zunächst der Bösewicht, bereut seine Untat an Violette und Alfredo.

Dramatische Szenen spielen sich ab. Die Tonlagen der Sängerinnen und Sänger sinken zum Ende hin in die unteren Oktaven. Die schauspielerische Leistung der Akteure auf der Bühne, immer wieder angefeuert von Szenenapplaus, wird ausgeprägter. Die Zuschauer sind still, scheinen den Atem anzuhalten, gehen mit bis zum dramatischen Sterben Violettas auf den Brettern, die an diesem Abend auf Schloss Merode „die Welt bedeuten“.

Die Zugabe hatte einen sehr besonderen Charme: Chor und Sänger sangen vor dem von einem Feuerwerk erleuchteten Schloss das Trinklied „Libiamo ne‘ lieti calici“.

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