Gefeiert: Der verlorene Sohn als Musical

Letzte Aktualisierung:

Nideggen. Wo hat es so etwas schon einmal gegeben? Nach zweieinhalb Stunden „Exodus” standen die über 70 jungen Darsteller Spalier und verabschiedeten ihr Publikum mit Jubelgesängen.

Ihre Spielfreude und Energie waren nach der Musicalshow auf der Bühne unter Sternen in Nideggen offensichtlich noch nicht restlos aufgebraucht. Sie feierten ihre Gäste, aber auch sich selbst. Und dazu hatten die Schüler und jungen Erwachsenen allen Grund.

„Ich bin total zufrieden. Jeder ist heute Abend bis an seine Grenzen gegangen”, sagte Clemens Amendt, Chef des ex Art-Musiktheaters, nach der 33. Vorstellung des Stückes. Für den Lehrer des Franziskus-Gymnasiums Vossenack und seine Darsteller war die Aufführung der biblischen Geschichte vom verlorenen Sohn eine große Herausforderung: Exodus spielte auf der Burg Nideggen erstmals unter freiem Himmel. Stehend klatschten die rund 450 Zuschauer minutenlang Beifall, würdigten Tanz, Schauspiel und Gesang, aber auch die aufwändige Produktion.

Bei der Inszenierung geht man neue Wege: Völlig zurecht, stürzt Fabrikantensohn Ben (Daniel Wiegand/Johannes Passmann) sich doch ins wilde Leben, weil er die Knechterei im elterlichen Büro satt hat und stattdessen Freiheit sucht. „Meine Freiheit gehört mir”, singt er und „Macht den Weg frei, ich bin dabei”.

Die Geschichte ist bekannt: Mit seinem Erbe und einem Ring ausgestattet, verlässt Ben Vater (Winfried Abs), Mutter (Angela Buzari) und Schwester Cora (Tanja Becker). Von seinen neuen Freunden (Ellen Kremer und Gunnar Leschenar) beim Pokern betrogen, ist sein Vermögen schnell futsch. Adieu Harley Davidson, adieu dolce vita. Er liegt am Boden, ist ganz allein. Am Ende symbolisiert der Ring die unendliche Liebe; der Vater schließt Ben („Ich habe versagt”) allem Kummer und den Anfeindungen von Cora zum Trotz wieder in seine Arme. „Verlier niemals die Sehnsucht nach Liebe in dir”, heißt es schließlich.

Da eine ganze Schar hochambitionierter Laien auf der Bühne steht, geraten viele Szenen opulent. Ob die Müllmänner mit ihren Tonnen anrücken oder die Mädels aus der Halbwelt zwinkern: stets fliegen Arme und Beine im Dutzend, oft singt man im Chor. „Jeder hat seine Aufgabe, auf jeden einzelnen kommt es an”, will Clemens Amendt nichts von Statisten wissen. „Ich bin begeistert. Heute ist die gesamte Truppe über sich hinausgewachsen”, zollte Käthe Rolfink, Vorsitzende der veranstaltenden Kulturinitiative im Kreis Düren, dem Ensemble nach der rundum gelungenen Show bei den Festspielen auf Burg Nideggen ein dickes Lob.

Unter all den Laien ist übrigens auch ein Profi. Martha Helmin ist ab dem 1. Dezember 2006 in Zürich im Queen-Musical „We Will Rock You” in der Rolle von Skaramouche und Ozzy zu sehen. Einen Einjahresvertrag als Zweitbesetzung hat sie dort unterschrieben. Die heute 30-Jährige stand als Elftklässlerin erstmals bei exArt auf der Musicalbühne. „Für Laien spielen wir hier auf einem wirklich sehr hohen Niveau”, lobt sie ihre Kollegen. Wer diese vor, während und nach der Show erlebt hat, ahnt, was exArt aus dem Potenzial gemacht hat.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert