Vettweiß - Gedenken an jüdische Bürger sorgt für Diskussionsstoff

Gedenken an jüdische Bürger sorgt für Diskussionsstoff

Von: smb
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Vettweiß. „Zwölf bis 15 Stolpersteine könnten sofort finanziert werden“, berichtete der Vettweißer Jugendbeauftragte Harald Krug dem Sozialausschuss. Er und einige Jugendliche haben recherchiert und Namen und Adressen jüdischer Bürger herausgefunden, die während des Zweiten Weltkrieges deportiert wurden.

Außerdem haben sie geklärt, ob die Anwohner einverstanden wären, wenn vor ihrem Haus (im öffentlichen Raum) Stolpersteine eingebaut würden. Wenn es nach der Arbeitsgruppe und der unterstützenden Kulturinitiative Vettweiß ginge, könnte die Verlegung bald beginnen. In der Politik – das wurde im Sozialausschuss deutlich – gibt es jedoch noch Diskussionsbedarf.

Franz Erasmi, CDU-Mitglied und Vorsitzender des Vettweißer Heimat- und Geschichtsvereins, warf die Argumente von Stolperstein-Kritikern zur Diskussion in die Runde. Zum einen werde von Kritikern der Preis (120 Euro) aufgeführt, zum anderen, dass es im Bergischen Land bereits „Schmunzelsteine“ für Karnevalisten gebe. Erasmi gab auch zu bedenken, dass sich zahlreiche Juden gegen diese Form des Gedenkens ausgesprochen hätten. Auf diese mögliche Kritik wolle er vorbereiten, sagte Erasmi.

Er schlug vor, stattdessen dort, wo früher die Synagoge stand, eine Gedenktafel mit den Namen aller getöteten Juden anzubringen. Helmut Kemmerling (CDU) äußerte ebenfalls Zweifel an dieser Form des Gedenkens. „Ich habe es mir in Düren 20 Minuten angesehen. Es hat nicht ein Mensch innegehalten“, schilderte er. SPD-Mann Klaus Thomas signalisierte uneingeschränkte Unterstützung für das Stolperstein-Projekt. Er hält auch die Zustimmung der Hausbewohner nicht unbedingt für erforderlich, da die Steine im öffentlichen Raum verlegt würden.

Weil die Stolpersteine ein „sensibles Thema“ seien, das auf „breite Beine gestellt“ werden müsse, soll es eine Bürgerinformation geben, bei der die Stolpersteine diskutiert werden. Bis zur Veranstaltung wird Harald Krug sein Konzept noch ergänzen.

Unter anderem haben sich bereits die Städte München und Krefeld gegen die Verlegung der Stolpersteine ausgesprochen, weil sie der Argumentation von Charlotte Knobloch, der ehemaligen Präsidentin des Zentralrats der Juden, folgen. Knobloch hatte es als „unerträglich“ bezeichnet, dass auf den Namen ermordeter Juden mit Füßen herumgetreten werde. Aber nicht alle im Zentralrat sind dieser Meinung.

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