Gedenken an einen unvergessenen Star

Von: Gudrun Klinkhammer
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Martin Fratz, Michael Pflumm, Christiane Schwarz und Wolfgang Schindler (von links) ließen die musikalische Welt von Rudolf Schock wieder aufleben. Foto: Gudrun Klinkhammer

Düren. Das Leben von Rudolf Schock würde Stoff genug für eine große Oper bieten. Das Trio Sorrentino, der Tenor Michael Pflumm und Moderator Axel Fuhrmann ließen die Biografie des unvergessenen Sängers am Samstagnachmittag in einem Festkonzert im Haus der Stadt wieder lebendig werden.

Anlass war ein runder Geburtstag: Am 4. September wäre der Wahl-Dürener 100 Jahre alt geworden. Zunächst präsentierten die Geigerin Christiane Schwarz, der Cellist Wolfgang Schindler sowie Martin Fratz am Flügel eine musikalische Welt, die zu Rudolf Schock passt.

Sie spielten mit viel Schwung und Feuer ein Arrangement für Trio der Ouvertüre zur Oper buffa (komische Oper) „Der Barbier von Sevilla“, komponiert von Gioachino Rossini. Christiane Schwarz ging mit energischem Bogenstrich und virtuosem Können voran. Sie wusste den voll besetzten Raum mit ihrem Geigenklang bis in den hinteren Winkel zu füllen und das Publikum für die Musik zu begeistern.

Martin Fratz am Flügel verstand es, sein Spiel gegebenenfalls zurückzunehmen, dem Klang der Sologeige die Führung zu überlassen, im entscheidenden Moment aber auch selbst die Führung brillant zu übernehmen. Wolfgang Schindler, wie Martin Fratz mal als Basso Continuo (fortlaufender Bass), mal als Melodieführer auftretend, spielte ebenfalls hervorragend.

Axel Fuhrmann berichtete, dass Rudolf Schock, Sohn eines Eisenhüttenwerkers in Duisburg, als Kind mit seinen Geschwistern durch die Hinterhöfe zog, um mit Gesang Pfennige zu erhaschen. Der Vater stirbt, als Rudolf Schock sieben Jahre alt ist. Die Kinder auf ein Gymnasium zu schicken, kann sich die Mutter, die in der Duisburger Oper als Putzfrau arbeitet, nicht leisten. Also macht Rudolf Schock zunächst eine Lehre als Barbier.

Die Mutter horcht auf, als der Operndirektor Chorstimmen sucht. Sie spricht vor und ihre Kinder dürfen vorsingen. Zunächst wird Rudolf Schocks ältere Schwester engagiert, ein Jahr später darf auch der musikbegeisterte und talentierte junge Mann mitsingen. Er erhält aufgrund seiner schönen Stimme sogleich eine Solorolle. Die Presse wird auf den Sänger, der sich im Dritten Reich nicht von den Nazis einnehmen lässt, aufmerksam.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt dann die einmalige Karriere von Rudolf Schock, dessen Stimme unglaublichen Glanz, Beweglichkeit und Muße besitzt. Der Tenor Michael Pflumm schlüpfte in die Rolle von Rudolf Schock und präsentierte mit seiner ebenfalls sehr beeindruckenden Stimme Arien und auch Evergreens, die Schock, der von 1980 bis zu seinem Tod 1986 in Düren lebte, unvergessen machen. Weitere Zeitzeugnisse wurden als Ton- und Filmaufnahmen dem hingerissenen Publikum dargeboten.

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