Düren - Gebürtige Brasilianer: Fußball steht für Hoffnung und Freiheit

Gebürtige Brasilianer: Fußball steht für Hoffnung und Freiheit

Von: Sarah Maria Berners
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„Wir haben den Fußball im Blut“, sagen die gebürtigen Brasilianer Mariangela L‘honneux und Gustavo Guimarães Vossen. Foto: smb
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Brasilianische Fans vor einem Fußballspiel. Foto: dpa

Düren. „Das Volk, das den Fußball wirklich lebt und liebt, ist von der WM ausgeschlossen“, sagt Mariangela L‘honneux. „Ein Spiel in einem der Stadien gucken? Das können doch nur die Reichen, die Politiker“, ergänzt Gustavo Guimarães Vossen.

Die beiden gebürtigen Brasilianer sind nicht gegen die WM in ihrem Heimatland. „Wir Brasilianer können nicht ohne den Fußball leben. Er liegt uns im Blut“, sagen sie.

Und sie freuen sich, dass „la Copa“ in ihrem Heimatland ausgetragen wird. Wegen des Fußballs natürlich, aber auch, weil nun die ganze Welt auf das südamerikanische Land schaut. „Das können wir nutzen, um die Welt aufmerksam zu machen“, sagt Mariangela (36), die vor zwölf Jahren als Au-pair-Mädchen nach Deutschland kam. Aufmerksam machen auf das, was im Land schief läuft. Auf Korruption und auf Politiker, die ihre Versprechen nicht halten würden. „Es landet soviel Geld in allen möglichen Taschen, das so dringend gebraucht wird, um das Schul- und das Gesundheitssystem zu finanzieren“, sagt Gustavo.

Seit drei Jahren lebt der 31-Jährige in Düren. Der Kampfsport „Capoeira“ hat ihn nach Deutschland geführt. Dann hat er in Düren seine Frau kennengelernt und ist geblieben. Es ist die erste „Copa“, die Gustavo nicht in Brasilien mitverfolgen wird. Wenn er von Brasilien und dem Weltcup spricht, leuchten seine Augen. „Die Häuser und sogar ganze Straßenzüge werden in den Nationalfarben geschmückt“, beschreibt Gustavo. Die Fans würden sich wortwörtlich von Kopf bis Fuß verkleiden, in den Vierteln würden sich die Menschen treffen, um gemeinsam Fußball zu schauen und zu feiern. „Einer grillt, ein anderer macht Musik, einer mixt Caipirinhas. Jeder steuert etwas bei“, beschreibt Mariangela. In Brasilien sei man nie alleine.

„In Deutschland sagt man sich auf der Straße oft nur kurz ‚Hallo‘. Auch wenn man sich gut kennt“, beschreibt Gustavo. „In Brasilien laufe ich über die Straße und jeder ruft etwas, man wird umarmt und auf die Schulter geklopft.“ Das Miteinander habe einen anderen Stellenwert. „In Brasilien findet das Leben draußen statt“, ergänzt Mariangela. Draußen werde getanzt, gespielt, gesungen. „Wir sind immer in Bewegung. Fußball, Samba und Capoeira sind nicht wegzudenken.“ Der Sport bringe Freude und ein Gefühl der Freiheit.

Fußball sei in Brasilien so beliebt, weil man es immer und überall spielen kann. „Man braucht nur Freunde und einen Ball“, beschreibt Gustavo. Und wer sich keinen Ball leisten könne, würde aus Supermarkttüten einen Ball basteln oder mit einer Kokosnuss kicken. „Fußball ist in Brasilien aber mehr als ein Spiel“, betont Mariangela. Fußball bedeute für die Brasilianer Freiheit und Hoffnung. „Fast alle berühmten Fußballer kommen aus armen Verhältnissen“, erklären die beiden. Die Jugendlichen würden im Fußball eine Chance sehen, reich zu werden und ihre Familien aus der Armut zu holen.

Fußball und der Kampfsport Capoeira, den Gustavo in Düren unterrichtet, seien in den Städten aber auch Teil der Sozialarbeit. Gustavo hat früher auch in sozialen Projekten gearbeitet. „Damit wollen wir die Kinder von Drogen und Kriminalität fernhalten“, erklärt er.

Mariangela L‘honneux verbringt einen Teil der WM bei ihrer Familie ganz in der Nähe des deutschen Quartiers. Die WM im Heimatland will sie sich nicht entgehen lassen. Freunde und Familie haben schon Fotos von der Deko geschickt. Gustavo wird in Düren und bei seinem Schwiegereltern in Zerkall Fußball schauen. „Ich hoffe auf ein Finale Deutschland gegen Brasilien“, sagt der 31-Jährige, und ergänzt grinsend: „Das gewinnt Brasilien dann 2:0.“

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