Garagentrödel: Morschenich bereitet sich auf die Bagger vor

Von: Daniela Martinak
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Die alte Lampe, an der viele E
Die alte Lampe, an der viele Erinnerungen hängen, wird schweren Herzens von Ferdinand Breuer beim Garagentrödel verkauft. Foto: Martinak

Morschenich. „Alles muss raus.” Gemeint ist mit diesem Zitat kein Werbeslogan. „Alles muss raus” - das ist die traurige Geschichte des Ortes Morschenich. Katharina Breuer konnte am Wochenende die Tränen nicht zurückhalten.

Sichtlich mitgenommen blickte sie auf liebevolle Erinnerungsstücke, die sie und ihr Mann in ihrer Garage aufgestellt hatten. „Wir können es immer noch nicht fassen, dass wir uns in unseren alten Tagen von unserem Hab und Gut trennen müssen”, bedauerte ihr 81-jähriger Ehemann Ferdinand. Und wohl allen Dorfbewohnern geht es so.

Bald wird Morschenich den immer näher rückenden Braunkohlebaggern zum Opfer fallen. Bald ergeht es dem beschaulichen Dorf so wie Pier. Dann, so formulieren es die Breuers, „muss der Realität ins Auge geschaut werden”. Und viele Erinnerungen müssen zurückgelassen werden.

„Auch, wenn es schwer fällt”

Schon lange hat sich die Dorfgemeinschaft entschlossen, Möbelstücke, Bilder und Gegenstände, die keinesfalls mitgenommen werden, wenn die Umsiedlung bevorsteht, zu verkaufen. Ortsvorsteher Johann Büttgen, Brigitte Hildebrandt und Bernd Servos haben die Organisation des Garagentrödels in die Hand genommen. „Alle waren sofort Feuer und Flamme. Auch, wenn es schwer fällt, aber langsam ist es an der Zeit, sich zu trennen”, sagte Servos.

Beinahe die ganze Familie - seine Eltern, sein Onkel, seine Tante, ein Vetter, die Freundin und die zukünftige Schwiegermutter - sind von der Umsiedlung betroffen und standen am Sonntag in der Garage zum Verkauf bereit. „Insgesamt sind es 56 Garagen und Einfahrten voller Trödel. Sogar die Dorfvereine haben sich beteiligt und grillen, verteilen Getränke und Kuchen”, berichtete Servos. Und auf freie Parkplätze innerhalb des Ortes warteten die Besucher vergebens.

Schon weit entfernt vom Ortseingang stellten die Besucher ihre Fahrzeuge ab. „Dass die Aktion so gut angenommen wird, hätten wir nicht gedacht. Aber umso besser, alles geht heute sowieso nicht weg. Dann gibt es wohl bald eine Wiederholung”, teilte der Morschenicher mit. „Aber es tut weh”, sagt auch sein Vater Ferdinand. Und weiter: „Unser Haus hier und vieles, was lange im Keller oder auf dem Dachboden geruht hat, ist seit Jahrhunderten im Familienbesitz. Wenn wir nicht umziehen müssten, würden wir uns sicherlich nicht davon trennen.”

Die liebsten Sachen würden als Letztes weggehen. Vermutlich erst dann, wenn die Koffer bereits gepackt sind. Dann, so planen es viele Morschenicher, werden die Türen der Häuser geöffnet und aus dem Garagentrödel wird eine Dorfauflösung.

„Es ist wieder ein Ereignis, das unser Dorf zusammenschweißt. Viele Jüngere sind zwar schon weggezogen, weil sie hier einfach keine Zukunft mehr haben, aber andere halten zusammen und wollen bis zum Schluss ein Dorf bleiben - unser altes, schönes Dorf. Wir wissen, dass es spätestens 2014 auf das Ende von Morschenich zugeht”, sagt Bernd Servos.
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