Fußballerin Vanessa Fürst: Von Ellen über Köln bis in die „Natio“

Von: Carsten Rose
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Jubel wie Antoine Griezmann: Wenn Vanessa Fürst, 15, für die Kölner U-17 trifft, jubelt sie wie ihr Idol, das bei der 0:2-Niederlage Deutschlands im EM-Halbfinale 2016 beide Tore für Frankreich erzielt hat. Foto: Rose

Ellen. Ihre Mitschüler seien schon ein bisschen neidisch, weil sie oft nicht in der Schule ist, erzählt Vanessa Fürst ein wenig scherzhaft. Deswegen wollten einige jetzt – wohl eher spaßeshalber – auch mit dem Fußball anfangen. Wahrscheinlich würden die meisten es aber nicht so weit bringen wie die 15-Jährige: Am Samstag spielt sie das erste Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft der U-17-Mädchen.

Der Titel wäre die Krönung einer Saison, in der die Schülerin aus Ellen auch das erste Mal die deutsche Nationalhymne auf dem Rasen gesungen hat. Sie ist nun siebenfache deutsche Junioren-Nationalspielerin, deswegen ist sie oft in der Welt unterwegs und seltener in der Schule. Und in Birkesdorf misst sich die Innenverteidigerin mit den Jungs des U-15-Stützpunktes des Fußballverbandes Mittelrhein (FVM).

Nach einem Training dort war auch irgendwann klar, dass aus Vanessa etwas werden könnte, erzählt ihr Vater Michael Fürst, der selbst Zweit- und Oberligaspieler (unter anderem beim Wuppertaler SV und Düren 99) gewesen ist.

„Vanessa kam einmal nach dem Training nach Hause und meinte, dass die Jungs immer schlechter werden, sie würde ja jeden Zweikampf gewinnen“, erzählt Michael Fürst über seine Tochter, die über sich selbst sagt, gerne jeden Zweikampf zu suchen. „Dann habe ich ihr erklärt: Nein, die Jungs werden nicht schlechter, Du entwickelst Dich nur besser.“

Stützpunkt-Trainer ist Winni Ronig. Vanessa Fürst ist nicht das erste Mädchen, das bei ihm und den Jungen mittrainiert: Anna Gerhardt, 19, aus Kreuzau, die heute in der Bundesliga bei Bayern München spielt, und die Dürenerin Johanna Elsig, 24, von Turbine Potsdam hat er auf ihrem Weg begleitet. Auch wenn Ronig sagt, man könne die drei nicht miteinander vergleichen, ist seine Bewunderung für Vanessa Fürst nicht zu überhören.

„Sie ist absolut erste Sahne. Menschlich unkompliziert und zurückhaltend, aber auf dem Feld kompromisslos. Für ihr Alter ist sie sehr, sehr weit.“ Aber: „Um eine absolute Granate zu werden, müsste sie noch eine Zehntelsekunde an Tempo gewinnen.“ Das kleine Defizit würde im Duell mit Jungs natürlich eher auffallen.

Vanessa Fürst hat in der Mädchenmannschaft von Viktoria Ellen angefangen, bevor sie mit zehn zu den Jungs vom BC Oberzier wechselte. Es folgte irgendwann eine Einladung zum Auswahltraining des Fußballverbandes Mittelrhein. „Daran haben mehrere FC-Spielerinnen teilgenommen, die auch gefragt haben, ob ich nicht nach Köln wechseln möchte“, erzählt Fürst.

Und so begann ihre Zeit am Rhein in der U 13. Und weil sie so talentiert und für ihr Alter so weit entwickelt ist, steht sie vor einem Problem: „Sie hätte schon beim Bundesligateam mittrainieren sollen, weil es im Frauenfußball wegen der fehlenden Masse keine A-Jugend gibt. Aber das ist noch zu früh“, sagt ihr Vater.

Das bedeutet im Umkehrschluss auch, dass es für Vanessa Fürst in der nächsten Saison nicht schwerer wird. Eher im Gegenteil, denn dann gehört sie, die auch jetzt schon Stammspielerin ist, zum älteren Jahrgang – und wird wohl noch dominanter sein.

Deswegen liegt der Fokus momentan, sieht man von der Meisterschaftsendrunde ab, auf der „Natio“, wie Vanessa sagt, der Nationalmannschaft. Im Team von Ulrike Ballweg, die elf Jahre Assistentin von DFB-Erfolgstrainerin Silvia Neid war, debütierte sie im Februar beim Algarve-Cup in Portugal. Sie hat alle vier Partien durchgespielt. „Mein nächstes großes Ziel ist die U-17-WM in Uruguay 2018. Die Chancen stehen gut, glaube ich. Auf meiner Position ist die Konkurrenz nicht so groß.“

Wegen der „Natio“ habe sie momentan immer weniger Zeit, erzählt Vanessa Fürst. Demnächst steht wieder ein Kaderlehrgang an. Wenn sie mit dem DFB-Team unterwegs und nicht in der Sekundarschule in Jülich ist, lernt sie den Unterrichtsstoff mit Pädagogen, die auf jeder Tour dabei sind. Ganz ohne lernen geht es trotz Fußball eben doch nicht. Der 1. FC Köln, so hofft Vanessa Fürst, die im Oktober 16 wird, soll nicht ihre Endstation sein. „Ein Fußballstipendium in den USA mit einem Sportmedizin-Studium, das wärs.“

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