Fußball-Chaoten: Ein Überbleibsel von der WM 2006

Von: Tobias Röber
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„Da ist das Ding”: Die Düre
„Da ist das Ding”: Die Dürener Fußball-Chaoten spielen in der Heinsberger Hobbyliga und haben dort in diesem Sommer den Meistertitel geholt. Foto: Röber

Hoven. Der Spielbericht im Internet schreit geradezu nach einem Eintrag in die Fußball-Geschichtsbücher. Es ist ein offener Schlagabtausch. Zur Halbzeit steht es 4:0 für Düren, kurz nach Wiederanpfiff kommt Langerwehe zurück und geht binnen weniger Minuten mit 5:4 in Führung und erhöht sogar auf 7:4.

Und dann startet Düren ein Comeback, das eingefleischte Fans an Fußballwunder etwa von Werder Bremen gegen RSC Anderlecht (5:3-Sieg nach 0:3-Rückstand bis zur 66. Minute) oder von Bayer Uerdingen gegen Dynamo Dresden (7:3 im Europapokalrückspiel nach 0:2 im Hinspiel und 1:3-Rückstand zur Pause im Rückspiel) erinnert. 9:7 siegt Düren.

Mit einem Eintrag in die Geschichtsbücher wird es aber wahrscheinlich nichts. Denn die Dürener Fußball-Chaoten und die Sportfreunde Langerwehe sind Freizeitmannschaften, die nicht am regulären Liga-Spielbetrieb teilnehmen.

„Im Jahr 2006 gab es einen richtigen Hype”, erinnert sich Sebastian „Sebo” Tews, die Nummer 11 der Fußball-Chaoten. Die Fußball-Weltmeisterschaft entpuppte sich nicht nur auf den Straßen als Sommermärchen, auch die hiesigen Sportplätze wurden reichlich frequentiert.

Und er eben keine Lust auf Vereinsfußball hatte, schnürte die Schuhe in der Dürener Hobbyliga. 32 Mannschaften waren es damals. „Aber 16 haben sich schon während der Saison wieder aufgelöst”, sagt Tews, der neben seinem „Job” als Nummer 11 der Fußball-Chaoten auch Vorsitzender der Hobbykicker und auch der Dürener Hobbyliga ist.

Letztere Aufgabe ruht, der Fußball-Boom ist länsgt verflogen. Die Hobbyliga ruht, weil es nicht mehr genug Mannschaften gibt und die Organisation auch viel Zeit in Anspruch nimmt. „Das ist beinah ein Full-Time-Job”, sagt Tews.

So ernsthaft wie die Fußball-Chaoten betreiben wenige ihre Leidenschaft Fußball. Einmal pro Woche ist Training, auf dem Platz des Hovener SV. Drei Jahre lang kickten die Chaoten in Birkesdorf, aber dort wurde dann die Platzmiete zu teuer. Es folgte der Umzug nach Hoven. Und es sind immer genug Spieler da. So konnte der kleine Club am 1. August dieses Jahres gar sein sechsjähriges Bestehen feiern. Das Erfolgsrezept klingt einfach: „Die Hauptsache ist Spaß, unser Hobby darf nicht zum Zwang werden”, erklärt Tews.

Die Hobbykicker, die auch mit Rückennummern wie der 77 oder der 84 auflaufen und auf Spitznamen wie „Schmidda”, „Schalke” oder „Der Holländer” hören, trainieren aber nicht nur regelmäßig, schließlich trainiert man als Sportler für den Wettkampf.

Die Fußball-Chaoten, die alle zwischen 18 und 28 Jahren alt sind, haben sich daher der Heinsberger Hobbyliga angeschlossen und in diesem Sommer den Meistertitel gleich einmal nach Düren entführt. Ganz ausgeträumt ist der Traum von einer Wiederbelebung der Dürener Hobbyliga noch nicht.

Im vorigen Jahr haben sie an einem Turnier in Stuttgart mit 160 Mannschaften teilgenommen. Die Fußball-Chaoten stürmten auf Platz 12.

Außerdem haben sich Sebastian Tews und seine Mitspieler bei Republik Fußball angemeldet. Ihr Ziel ist ganz klar: Sie wollen im Mai am Millerntor dabei sein. Er weiß, vielleicht gibt es dort oder auf dem Weg dorthin doch noch einen Eintrag in die Fußball-Geschichtsbücher.

Meisterschaftspyramide: Auf dem Weg nach St. Pauli

Die Republik-Meisterschaft ist ein bundesweites Turnier für Freizeitkicker. Für die besten 32 Teams geht im Mai 2012 ein Traum in Erfüllung: Einmal am Millerntorstadion kicken.Über 100 Mannschaften haben sich bereits angemeldet.

Einen Anmeldeschluss gibt es nicht: Ähnlich wie beim Boxen können sich Teams von unten nach oben spielen, indem sie Mannschaften der nächsthöheren Ebene herausfordern. Spielort und -zeit machen die Mannschaften unter sich aus. Schirmherr ist der FC St. Pauli.

Die Fußball-Chaoten stehen derzeit in der Meisterschaftspyramide auf Ebene fünf, das reicht noch nicht zur Teilnahme an der Endrunde...
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