„Funky Motion“: Markanter Jazz und kalkulierte Weichheit

Von: Hannes Schmitz
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Ekstatische Soli, eine energiegeladene Rhythmusgruppe: Die Danh Thai „Funky Motion“ machte ihrem Namen alle Ehre. Foto: Hannes Schmitz

Düren. „Uns gibt es erst seit heute“, sprach Saxofonist Danh Thai und leitete damit einen spannenden Jazzabend in der Kulturfabrik Becker und Funck mit der Gruppe „Funky Motion“ ein. Ein sehr „elektrischer“ und „unüberhörbarer“ Abend begann, wie Henner Schmidt und Oliver Mark von Planet Jazz das Konzert auf der großen Bühne ankündigten, das von ganz besonderen Reizen begleitet wurde.

Neue Bandmitglieder standen im Rampenlicht, die erkrankte Musiker vertraten. Aber dem Konzertverlauf tat es keinen Abbruch. Die Musiker waren alle Ausnahmekönner. Mit kompaktem Sound boten sie Jazz in ihrem Repertoire an und Funk in vielen Spielarten mit typisch markanter Rhythmik. Moderne Interpretationen, aber auch Jazzklassiker von einst in modernem Gewand wie Miles Davis’ Tutu, Marcus Miller’s Dr. Jekil and Mr. Hyde oder auch Stücke des Funkpianisten Jeff Lorber.

Lorbeeren ernteten alle an diesem außergewöhnlichen Abend, der einmal mehr deutlich machte, dass die Jazzer ihr Metier beherrschen: Der Aufbau eines Stückes, Akkorde, eine gemeinsame Melodie und Soli vom Feinsten, die alle auf große Improvisationskunst schließen ließen, die im Funk sich wiederholende Grundrhythmik, der übliche Offbeat, synkopische Basslinien, eine akzentuierte Gitarre. Und da hatte die Band mit dem aus Korea stammenden Gitarristen Dalhyun Lee einen Glanzpunkt.

Als Rhythmusgitarrist entwickelte er eine eigenständige, musikalisch begleitende Sprache. Und wenn er seine Soli spielte, lustwandelnde er auf den Saiten in seidenweichen Klangfolgen oder wurde zum originellen Interpreten, der mit explosiver Dynamik, feinsten Nuancen und überraschenden Phrasierungen zu einem begeisternden Lagenspiel ansetzte.

Die größte Aufmerksamkeit galt Bandleader Danh Thai, der am Tenor- und Altsaxofon seine Technik und Kreativität nutzte, um eine Balance zwischen Groove und lyrischen Improvisationen zu schaffen. Über ein Grundthema legte er zum Teil atemberaubende Improvisationen, bot fast ekstatische Soli, untermalt von einer energiegeladenen Rhythmusgruppe. Der Maastrichter Bart Rademakers wob an diversen Keyboards und Synthesizers einen mitreißenden Klangteppich. An den Drums bestach Patrick Kessels und am Bass passte sich der eingesprungene Fritz Rappel hervorragend ein.

Besondere Momente gab es beim nahezu ausverkauften Konzert, als Danh Thai zum elektronischen Blasinstrument „EVI“ griff und er zusammen mit dem Pianisten Bart Rademakers Duke Ellingstons „In a sentimental Mood“ spielte, Herbie Hancocks „Watermelon Man“ und als Zugabe John Lennons „Imagine“ als soulige Ballade spielte.

Der Abend bleibt haften

Ein markanter, markiger Jazzabend, der aber auch geprägt war von kalkulierter Weichheit, wechselnden Tempi und sanften Klangbildern. Ein rund um gelungenes Konzert, das haften bleiben wird und vom Publikum mit großen Beifall bedacht wurde.

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