„Funktionsdiagnostik”: Mediziner arbeiten interdisziplinär zusammen

Von: Tobias Röber
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Oft sind die Zähne der Auslöser allen Ubels. Zahntechniker Ingo Stiens behält bei den vielfältigen Problemen den Uberblick und ruft zur Zusammenarbeit der medizinischen Fachbereiche auf. Foto: Tobias Röber

Düren. Helga B. (Name geändert) ist wieder glücklich und zufrieden, weil sie keine Schmerzen mehr hat. Bis dahin war es jedoch ein weiter Weg, denn mit ihrer Migräne und den Verspannungen der Gesichtsmuskulatur hat sie eine wahre Odyssee hinter sich. Geholfen hat ihr schließlich ein Zahnarzt.

Die Kopfschmerzen lagen tatsächlich an der falschen Kieferstellung. Helga B. ist damit kein Einzelfall, und aus diesem Grund hat sich auf Initiative des Dürener Zahntechnikermeisters Ingo Stiens der Arbeitskreis „Funktionsdiagnostik” gegründet.

„Wir waren von der Resonanz sehr überrascht”, sagt Stiens einem Monat nach dem ersten Treffen. 45 Teilnehmer der verschiedensten Fachrichtungen folgten der Einladung. Für Stiens ein Zeichen, dass dieses Thema vielen auf den Nägeln brennt. Medizinern und ebenso - wenngleich vielen es noch nicht bewusst ist - den Patienten. „Bei zehn Prozent besteht Behandlungsbedarf”, betont Stiens.

Funktionsdiagnostik, was ist das überhaupt? Ingo Stiens erklärt: „Mit Hilfe der Funktionsdiagnostik wird das komplette Kausystem analysiert, um den Ursachen der akuten oder chronischen Störungen auf den Grund zu gehen.” Und genau dafür sei es notwendig, „dass wir alle über den Tellerrand hinausschauen”. Häufig seien Patienten bei dem jeweiligen Spezialisten austherapiert, die Beschwerden jedoch nicht gelindert. „Die Fachbereiche müssen enger zusammenarbeiten. Dafür wollen wir mit dem Arbeitskreis sensibilisieren”, betont der Geschäftsführer von PS Dentaltechnik. Beim Zahnarzt von Helga B. hat genau das funktioniert.

Eigentlich war die Patientin nur zur Kontrolluntersuchung bei ihm. Auf die Frage: „Haben Sie Beschwerden?” antwortete sie mit einem Nein. Dabei litt sie seit einiger Zeit an Migräne, dachte jedoch nicht, dass der Zahnarzt ihr helfen könnte. Konnte er aber doch, wie sich herausstellte. Im Gespräch erwähnte sie beiläufig ihre Migräne, der Zahnarzt wurde hellhörig. Als sie dann auch noch von den Muskelverspannungen im Gesicht erzählte, die selbst ein Neurologe nicht habe heilen können, schrillten beim Mediziner die Alarmglocken. Tinnitus, Kopfschmerzen und Migräne, Muskelschmerzen in Gesicht, Nacken, Schulter oder Rücken, Beckenschiefstand - die verschiedensten Symptome können auf eine Fehlstellung des Kiefers hindeuten.

Gemeinsam mit Ingo Stiens konnte er Helga B. helfen. Das Verfahren ist bei allen Patienten in etwa identisch. Mit einer Messschablone und einem Sensor werden die Bewegungsbahnen des Unterkiefers aufgezeichnet. Ein Computerprogramm hilft dabei, die richtige Position des Kiefers zu finden. Um diese dauerhaft zu gewährleisten, fertigen Spezialisten wie Ingo Stiens eine Schiene an, die den Kiefer in der richtigen Position hält. „Das Verfahren ist völlig schmerzfrei”, sagt Stiens lächelnd.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit will der Arbeitskreis fördern, und er will Hilfestellungen liefern. Was wird von Krankenkassen bezuschusst? Muss ich als Physiotherapeut den Patienten mit oder ohne Schiene behandeln? Was muss der Zahnarzt vom Orthopäden wissen und umgekehrt? Diese Fragen sollen beim nächsten Treffen geklärt werden sollen. Helga B. hat von aufmerksamen Medizinern profitiert und sie hofft, dass anderen Patienten eine Odyssee durch Praxen erspart bleibt. Fragen beantwortet Ingo Stiens unter: 02421/54044.
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