Düren - Für Liza Minelli, Tom Jones und Johnny Cash saß er am Schlagzeug

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Für Liza Minelli, Tom Jones und Johnny Cash saß er am Schlagzeug

Von: gkli
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Der Schlagzeuger Willy Ketzer spielte bereits mit vielen Stars wie Liza Minelli, Tom Jones, Johnny Cash und natürlich mit seinem Freund und Weggefährten Paul Kuhn. Foto: Stock/McFoto

Düren. Willy Ketzer ist 64 Jahre alt und seit Jahrzehnten als professioneller Schlagzeuger mit vielen Größen der Musikszene in der ganzen Welt unterwegs. Geboren wurde er in Bad Kreuznach. Zunächst studierte er nach dem Abitur Volkswirtschaftslehre, dann wechselte er an die Musikhochschule nach Köln. Für Stars wie Liza Minelli, Tom Jones oder auch Johnny Cash saß er am Schlagzeug.

Sieben Mal wurde er zum besten deutschen Big Band Drummer gewählt und war 33 Jahre lang der Schlagzeuger und enge Freund der Jazzlegende Paul Kuhn. Er ist bei den Dürener Jazztagen am Donnerstag, 13. August, dabei.

Welches Ansehen genießen die Dürener Jazz-Tage in der Szene?

Ketzer: Ein gutes Ansehen. Aufgrund ihrer Lage und auch ihrer Machart sind sie exponiert. Ich kenne viele Kollegen, die in Düren gespielt haben, die finden das gut, nicht provinziell. Die nächsten nennenswerte Anlaufstelle für Jazzmusik wäre dann schon Köln. Auch ich fahre seit Jahren sehr gerne nach Düren zu den Jazz-Tagen und finde, dass das Publikum sehr Jazz gebildet ist. Da merkt man, dass viele Zuhörer schon länger dabei sind als erst zwei oder drei Jahre.

Wann waren Sie das erste Mal dabei?

Ketzer: Wenn ich mich recht entsinne, war das 2003 zusammen mit Paul Kuhn.

Wie war damals Ihr erster Eindruck?

Ketzer: Na, super! Ich wunderte mich, das weiß ich noch genau, dass kein Eintritt erhoben wurde. Das fand ich von Anfang an Klasse, denn dadurch werden Leute angezogen und das ist wirklich ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Festivals. Und was wir immer beachtet haben und was ich vom großen Paul Kuhn gelernt habe: „ Man darf nicht an den Leuten vorbei spielen und muss sie mitnehmen“

Mit welchen Besetzungen, beziehungsweise Kollegen haben Sie während der Jazz-Tage in Düren bereits konzertiert?

Ketzer: Klar, mit meinem Kollegen und Freund Paul Kuhn, dessen Vermächtnis ich weitertragen werde- oder auch ein Highlight war, mit dem absoluten Weltmeister Joe Zawinul, der lange Jahre mit Miles Davis unterwegs war, auf einer Bühne zu stehen.

Gibt es vielleicht ein oder mehrere Anekdoten, an die Sie noch gerne zurückdenken? War irgendetwas besonders lustig oder besonders spannend in Düren?

Ketzer: Ich erinnere mich an ein Konzert, da hat es sensationell stark geregnet. Doch die Leute liefen nicht weg, stattdessen kamen sie zu uns auf die Bühne gekrochen, das vergesse ich nie. Oder eine andere Szene: Kommt ein Typ an die Bühne und fragt Paul Kuhn: „Können Sie auch Take Five spielen?“ Paul Kuhn sagte ganz trocken: „Nein, kann ich nicht, den Titel gibt es nicht mehr, der wurde schon 10 000 Mal gespielt und dann wird er aus dem Verkehr gezogen.“ „Och, das ist aber schade“, sagte der Typ, glaubte diesen Jux und verschwand. Derartige Anekdoten schrieb ich grundsätzlich immer auf Zettelchen und Bierdeckel, zu Hause angekommen verstaute ich diese Papierchen in einer Schublade. Kürzlich holte ich die ganzen Geschichtchen heraus und schreibe derzeit ein Buch, das den Titel „Am Grab gibt es keine Steckdose“ tragen wird. Am Sonntag, 17. Januar 2016, werde ich dieses Buch in Köln im Senftöpfchen auf einer Matinee vorstellen. Nächstes Jahr komme ich mit diesem Buch auch nach Düren.

Kommen genug junge Talente auf dem Jazz-Sektor nach?

Ketzer: Ja, auf jeden Fall. Das Bundesjugend-Jazz-Orchester beispielsweise ist so eine Talentschmiede. Unter anderem kommen daher die besten jungen Leute. Auch der inzwischen weltweit bekannte Trompeter Till Brönner stammt aus so einem Nachwuchsorchester. Als er damals anfing war er 17 Jahre alt, und ich musste ihn ab und an zu den Proben noch zu Hause abholen. Ich habe absolut keine Angst um den Nachwuchs.

Wie sieht ein Blick in die Zukunft der Dürener Jazz-Tage aus, werden sie Bestand haben?

Ketzer: Bei der Art und Weise, wie die Jazz-Tage ablaufen, vom Jazzclub und von Sponsoren organisiert, sehe ich keine Probleme. Die Sponsoren-Finanzierung ist begrüßenswert, ebenso die Mischung aus internationalen Stars, Nachwuchskräften und regional ansässigen Musikern.

Haben Sie einen Ort in Düren, wo Sie ganz besonders gerne spielen?

Ketzer: Klar, den Bank-Garten, in dem seit vielen Jahren von Heribert Klein eines der Konzerte organisiert wird und natürlich den Kaiserplatz. Dort spiele ich auch in diesem Jahr am 15.8. um 20.00 Uhr mit dem GMO (Global Music Orchestra) unter der Leitung von Mike Herting. In der Besetzung finden sich weltbekannte Solisten wider, unter anderem aus dem Senegal und den USA.

Welche Musik hören und spielen Sie am liebsten?

Ketzer: Natürlich Jazz, vornehmlich aus dem „All American Songbook“, Musik von George Gershwin, Duke Ellington oder auch Cole Porter, aber ich höre und spiele auch gerne klassische Musik an meinem Flügel – das aber nur für mich zu Hause.

Was kochen und essen Sie gerne?

Ketzer: Ich koche und esse sehr gerne Hühnchen und Fisch, also ich bevorzuge die leichte Küche.

Was lesen Sie gerne, sind da auch moderne Medien dabei?

Ketzer: Also, jeden Tag lese ich die Tageszeitung. Weiter interessiere ich mich für Sport, Dokumentationen und Politik. Der größte Teil der heutigen Fernsehlandschaft allerdings ist eine mittlere Katastrophe und geht mir schon gewaltig auf den Sack. Und zu Plattformen wie facebook, twitter und so weiter habe ich ein eher distanziertes Verhältnis. Meinen Sohn warne ich davor, all zu viel Privates von sich dort preiszugeben.

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