Düren - Für den Ernstfall bestens vorbereitet sein

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Für den Ernstfall bestens vorbereitet sein

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
Ruth Bohnekamp
Rechtsanwältin Ruth Bohnekamp aus Düren. Foto: kin

Düren. Sterben, Tod, Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht sind nicht gerade Themen, mit denen Menschen sich gerne auseinandersetzen. „Eigentlich“, sagt die Dürener Juristin und Autorin Ruth Bohnekamp, „braucht aber jeder Mensch, der über 18 Jahre alt ist, eine Vorsorgevollmacht.“

Ruth Bohnekamp weiß genau, wovon sie spricht. Gerade hat die 52-Jährige für das Bayerische Staatsministerium der Justiz das Buch „Der große Vorsorgebrater“ konzipiert, das sich in leicht verständlicher Sprache mit allen Fragen rund um Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Sorgerechtsverfügung sowie Testament und Erbfolge beschäftigt.

„Es fällt vielen Menschen schwer“, sagt Bohnekamp, „sich damit auseinanderzusetzen, was passiert, wenn man selbst nicht mehr entscheidungs- und handlungsfähig ist. Dabei ist das so wichtig, dass man das tut.“ Es werden eben nicht grundsätzlich der Ehepartner oder die Kinder als Betreuer eingesetzt. „Wenn es keine Vorsorgevollmacht gibt, wird im Notfall der Betreuungsrichter gerufen“, sagt Bohnekamp. „Und im schlimmsten Fall, wird ein Fremder mit der Betreuung des kranken Menschen beauftragt.“ Genau deswegen sei eine Vorsorgevollmacht so wichtig – eben auch für junge Menschen. „Jeder Mensch kann durch Krankheit oder Unfall in die Situation kommen, nicht mehr selbst über sein Leben entscheiden zu können, auch junge Leute.“

Die Vorsorgevollmacht regelt Dinge wie die Vermögenssituation, aber auch die Aufenthaltsbestimmung, Behörden- und Krankenkassenangelegenheiten. Bohnekamp: „Eine Vorsorgevollmacht zu übernehmen, ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, die Menschen auch leicht überfordern kann.“ Deswegen sei es wichtig, Menschen zu finden, die die Aufgabe wirklich gut erfüllen können und denen man vertrauen würde.

Bei der Patientenverfügung geht es darum, verbindliche Anweisungen für eventuell notwendige medizinische Behandlungen zu machen, also etwa festzulegen, ob man möchte, dass am Lebensende alle denkbaren medizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden oder eben auf lebensverlängernde Maßnahmen verzichtet werden soll. Bohnekamp: „Eine Patientenverfügung kann sehr hilfreich sein. Sie erleichtert es besonders den Bevollmächtigten, in einer schwierigen Situation das Richtige zu tun.“

Wer eine Patientenverfügung oder eine Vorsorgevollmacht erteilen möchte, kann das natürlich mit Hilfe eines Notars oder Rechtsanwaltes tun, muss das aber nicht unbedingt. Ruth Bohnekamp: „Es gibt bei der Stadt Düren und auch bei der Kreisverwaltung entsprechende Formulare, die man ausfüllen kann.“ Auch der neue Ratgeber der Dürener Rechtsanwältin hat einen umfangreichen Teil mit Vorlagen für die verschiedenen Vollmachten und ein Kapitel „Meine Daten für den Ernstfall“. Darin kann jeder seine eigenen und die Kontaktdaten seiner Kinder und Enkelkinder notieren, außerdem die von Ärzten und Apotheken. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeiten, seine Krankengeschichte, Wünsche für die eigene Beerdigung und die eigene Vermögenssituation genau zu dokumentieren.

Je älter man wird, so die Erfahrung von Ruth Bohnekamp, die sich ehrenamtlich bei der Hospizbewegung engagiert, desto schwerer würde es Menschen fallen, sich mit Themen wie Krankheit und Tod auseinanderzusetzen. „Gerade ältere Menschen fühlen sich oft bevormundet oder gar entmündigt. Es ist aber unbedingt zu empfehlen, dass Menschen, denen man vertraut und die einem nahe stehen, wichtige Angelegenheiten regeln, wenn man es selbst nicht mehr kann.“

Alleinstehenden oder Leuten ohne Kinder empfiehlt die Expertin sogar, sich so früh wie möglich damit auseinanderzusetzen, wer solche Vertrauenspersonen sein können. Bohnekamp: „Es gibt Betreuungsstellen bei den Kommunen, die helfen, solche Menschen zu finden. Aber wenn man wirklich auf eine fremde Person angewiesen ist, ist es umso wichtiger, Vertrauen aufzubauen. Das braucht Zeit.“

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