Führerscheinprüfung bestanden: Hosen runter!

Von: Burkhard Giesen
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Weil ein 19-jähriger Iraker die theoretische Führerscheinprüfung im 3. Anlauf mit null Fehlern bestand, rief der TÜV-Prüfer die Polizei. Der 19-Jährige musste sich bis auf die Unterhose ausziehen. Das Geschehen wird von den Beteiligten unterschiedlich geschildert. Foto: Kraufmann&Kraufmann

Düren/Kreuzau. Drei Anläufe hat Amin D. benötigt, um seine theoretische Führerscheinprüfung zu bestehen. Mehr als 50 Fehler hatte der 19-Jährige im ersten Versuch. Beim zweiten Anlauf lag er noch bei elf Fehlern – einer zu viel, durchgefallen. Und weil aller guten Dinge drei sind, trat Amin in der vergangenen Woche beim TÜV in Düren erneut an – endlich mit Erfolg. Sein Pech: Er hatte nicht einen einzigen Fehler gemacht.

Amin lebt seit rund 16 Monaten in Deutschland, stammt aus dem Irak, und ist bei Heinrich Winter, dem Ortsvorsteher von Obermaubach, untergekommen. Mehr als 50 Fehler in einer deutschen Prüfung – das verwundert nicht weiter. Weil Amin allerdings fleißig geübt hat und im 3. Anlauf die Fragen auf arabisch beantworten durfte, mag es dann auch nicht weiter verwundern, dass er mit null Fehlerpunkten alles richtig beantwortet hat.

Einen muss es allerdings doch stutzig gemacht haben: den TÜV-Prüfer. Der rief nämlich die Polizei, offenbar im Glauben, der Prüfling könnte geschummelt haben. Was dann passierte, schildern die Beteiligten sehr unterschiedlich. „Ich wurde festgenommen, und man hat mir nicht gesagt, warum. Die Polizei hat nur gesagt ‚Komm mit uns‘. Auf der Wache musste ich mich dann bis auf die Unterhose ausziehen“, berichtet der Betroffene. Das könne zudem auch eine Fahrlehrerin bestätigen, die den 19-jährigen an dem Tag begleitet hatte.

Die Polizei stellt den Fall anders dar: „Es gab einen Hinweis auf eine verdächtige Person. Die Beamten haben sich vor Ort als Polizei zu erkennen gegeben und auch einen Dienstausweis vorgezeigt. Der Grund unseres Einschreitens ist dem Betroffenen erläutert worden. Er war mit der Maßnahme einverstanden und ist freiwillig mitgegangen“, erklärt Julie Greve, Sprecherin der Dürener Polizei.

Wissen muss man dazu, dass die TÜV-Prüfung in Räumlichkeiten auf der Aachener Straße stattfindet – also unmittelbar gegenüber dem Polizeigebäude. Julie Greve: „Der Betroffene wurde nicht zu einer weiteren Prüfung mit auf die Wache genommen, sondern es wurden lediglich für eine Durchsuchung geeignete Räume in einem Polizeigebäude aufgesucht.“ Dass der junge Mann sich bis auf die Unterhose ausziehen musste, erklärt die Polizei so: „Der Mann trug zwei Hosen übereinander, so dass nicht ohne weiteres feststellbar war, ob Verkabelungen, elektronisches Gerät oder Ähnliches sich in der Bekleidung befanden.“

Von einer Festnahme könne ebenfalls keine Rede sein: „Auch eine Ingewahrsamnahme oder ein Festhalten lagen nicht vor, da der Mann die Beamten freiwillig begleitete. Wäre er nicht freiwillig mitgekommen, hätte man ihn auch vor Ort durchsuchen können.“

Hätte man? Aus Sicht von Heinrich Winter ist das umstritten: „Die Polizei hätte hier gar nicht eingreifen dürfen. Es handelt sich weder um eine Straftat, noch um eine Ordnungswidrigkeit“, argumentiert er nach Rücksprache mit einem Anwalt. Landrat Wolfgang Spelthahn, Chef der Kreispolizeibehörde: „Die Kollegen hatten den Eindruck, dass der Betroffene ein Interesse daran hat, den Verdacht auch gegenüber dem Prüfer auszuräumen. Es gibt hier aber in der Tat eine Diskrepanz in der Darstellung des Falles von beiden Seiten.“

Bei Amin D. konnten die Beamten keine elektronischen Geräte finden. Dementsprechend durfte er nach der Durchsuchung wieder gehen. Für einen anderen Mann war das an diesem Tag anders. Polizeisprecherin Julie Greve: „Fakt ist, dass am Vormittag des gleichen Tages ein ähnlicher Hinweis eingegangen war: Hier konnte die Polizei einen Mann antreffen, bei dem entsprechendes Beweismaterial aufgefunden wurde, das einer Manipulation der Prüfung dienen kann. Hier ermittelt nun die Polizei in einem laufenden Verfahren der Staatsanwaltschaft Aachen unter anderem wegen Mittelbarer Falschbeurkundung.“

Für den TÜV ist das Thema wenig erfreulich. Dass in den Prüfungen versucht wird, mit Hilfsmitteln die Prüfung zu bestehen, ist nicht neu. Arne Böhne, beim TÜV für das Geschäftsfeld Führerschein zuständig: „Jede zweite Woche wird ein Prüfling entdeckt, der technische Geräte genutzt hat.“ Die Dunkelziffer sei noch viel höher. Auch im Fall von Amin D. sei sich der Prüfer sicher gewesen, dass der junge Mann manipuliert habe. Böhne: „Es ist sehr bedauerlich, dass es in diesem Fall ein Fehlgriff war. Ich habe auch keinen Fall präsent, dass einer unserer Prüfer so daneben lag.“

Böhne sagt aber auch, dass der Prüfer alles richtig gemacht habe – auch wenn es sich letztlich als Fehler herausgestellt hätte: „Wir selbst dürfen keine Leibesvisitationen vornehmen. Wir können nur die Polizei rufen.“ Die muss in solchen Fällen einschreiten, sagt Wolfgang Beus vom NRW-Innenministerium: „Wenn ein Polizeibeamter den Verdacht auf eine Straftat hat, muss er handeln, weil er sich ansonsten der Strafvereitelung schuldig machen könnte.“

Der Fahrlehrer, bei dem Amin D. jetzt noch die praktische Prüfung absolvieren will, nimmt den Vorfall mit Sarkasmus: „Ich werde meinen Fahrschülern jetzt empfehlen, besser frisch geduscht und mit sauberer Unterhose beim TÜV zu erscheinen.“

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