Düren - Führerschein weg: Ist der MPU-Test Strafe oder Chance?

Führerschein weg: Ist der MPU-Test Strafe oder Chance?

Von: Stephan Johnen
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Fahren unter Drogeneinfluss ist kein Kavaliersdelikt. Doch offenbar gehen junge Menschen zunehmend ein Risiko ein. Foto: Stock/Olaf Wagner
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Jan Siever, Wilfried Pallenberg (Vorsitzender des Vereins Endart), Silvia Zaunbrecher und Sabine Karutz (von links) betreuen die Kurse. Foto: sj

Düren. Die Risikobereitschaft steigt. Wer Drogen konsumiert, setzt sich auch schon einmal hinter das Steuer. Beinahe täglich berichtet die Polizei von jungen Erwachsenen, die unter Drogeneinfluss unterwegs waren.

Wem nach einer Trunkenheitsfahrt (mehr als 1,6 Promille) oder einer Fahrt unter Drogeneinfluss der Führerschein entzogen wurde, muss eine medizinisch-psychologische Untersuchung bestehen. Im Volksmund ist diese als Idiotentest bekannt. Doch neben Reaktionstests und einem theoretischen Teil ist es vor allem das psychologische Gutachten, das es in sich hat.

„Wer sich nicht ernsthaft mit seinem Drogenkonsum und den Gründen dafür auseinandersetzt, wird scheitern“, mutmaßt Wilfried Pallenberg, Vorsitzender des Vereins Endart. Die Endart und das Sozialpädagogische Zentrum bieten seit 14 Jahren Vorbereitungskurse für junge Erwachsene an. „Wir können die Nachfrage kaum befriedigen“, sagt Pallenberg.

Endart bietet Kurse an

Er ist überzeugt: „Das ist nur die Spitze der Spitze vom Eisberg.“ Waren es in den vergangenen Jahren rund 89 Teilnehmer, ist die Zahl auf etwa 120 im Jahr gestiegen. Anders als noch vor einigen Jahren spiele Alkohol kaum noch eine Rolle. „Neun von zehn auffälligen Jugendlichen haben Drogen konsumiert“, berichtet Projektleiterin Silvia Zaunbrecher. Ob als Stimmungsaufheller bei Partys oder als „Feierabend“-Joint am Abend. „Wer einmal in der Woche kifft, dessen Führerschein ist schon gefährdet“, gibt Kursleiter Jan Siever zu bedenken.

Doch genau diese Erkenntnis fehle vielen jungen Menschen. „Es gab bisher keine Motivation, an ihrem Leben etwas zu ändern“, bringt es Kursleiterin Sabine Karutz auf den Punkt. Die meisten Teilnehmer hätten bis zum Entzug ihres Führerscheins ein „völlig unauffälliges“ Leben geführt, seien zur Arbeit gefahren, hätten studiert, eine Ausbildung gemacht. Der klassische Klient der Drogenberatungsstelle suche diese meist aus Leidensdruck, nach einer langen Suchtgeschichte. „Er möchte ein Leben ohne Drogen führen“, erklärt Silvia Zaunbrecher. Wer bislang regelmäßig seinen Joint geraucht hat, ansonsten aber ein völlig normales Leben ohne Einschränkungen geführt habe, habe kaum Leidensdruck verspürt, kaum Anlässe gehabt, über seinen Konsum nachzudenken.

„Dieser Schalter wird sehr oft erst bei uns umgelegt“, berichtet Jan Sievers aus der praktischen Arbeit. Im Vorbereitungskurs gehe es nicht darum, die richtigen Antworten auf die Fragen der Gutachter auswendig zu lernen. „Diesen Zahn ziehen wir den Teilnehmern gleich zu Beginn“, sagt Silvia Zaunbrecher. Vielmehr stehe zunächst Biografiearbeit im Vordergrund: Warum greife ich überhaupt zu Drogen? Was möchte ich damit bezwecken? Wo besteht Unzufriedenheit im Leben? Bei manchem zeige sich, dass er eine Suchttherapie braucht. Aber auch nicht-süchtigem Teilnehmer würden von neuen Sichtweisen profitieren.

„Nachher soll es den Menschen ohne Drogen besser gehen“, fasst Jan Siever ein Ziel des Kurses zusammen. Wichtig ist den Kursleitern zudem Aufklärungsarbeit. Voraussetzung für die medizinisch-psychologische Untersuchung ist eine dokumentierte Abstinenzzeit von bis zu einem Jahr. Nach dem Eintreffen des Strafzettels könne es Monate dauern, bis die Anordnung des Tests erfolgt und der Führerschein entzogen wird. Zeit, die schon zum Nachweis der Abstinenz hätte genutzt werden können. „Der Verlust eines Führerscheins gefährdet Existenzen“, weiß Wilfried Pallenberg. Es lohne sich, darüber nachzudenken.

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