Merzenich/Düren - Früh Verwitwete helfen sich in ihrem kleinen Kreis

Früh Verwitwete helfen sich in ihrem kleinen Kreis

Von: wel
Letzte Aktualisierung:
15595728.jpg
Ellen Peiffer war 38 Jahre alt, als ihr Mann überraschend an einem Hirntumor starb.

Merzenich/Düren. Das Grab von Christof Ricken auf dem Dürener Ostfriedhof schmücken drei Handabdrücke: Ein roter großer von seiner Frau Ellen Peiffer, ein kleinerer grüner von seiner damals dreijährigen Tochter und ein ganz kleiner vom elf Monate alten Sohn. Als der Familienvater überraschend an einem Hirntumor starb, war er 39 Jahre alt. Das ist jetzt elf Jahre her.

Die Zeit direkt nach dem Tod war für seine Frau, die vom einen auf den anderen Tag Witwe und alleinerziehend war, eine schreckliche. „Andere sind froh, wenn sie aus einem Alptraum aufwachen. Aber wenn ich aufwachte, ging der Alptraum erst los“, sagt die 49-jährige Merzenicherin heute.

Was ihr damals besonders geholfen hat, war das Wissen: „Ich bin nicht allein.“ Gezielt suchte sie über das Internet Kontakt zu anderen früh Verwitweten und tauschte sich mit ihnen aus. „Wenn die das schaffen, schaffe ich das auch“, ermutigte sie sich selbst und fand 2009 zum Verein VIDU, in dem sie bis heute aktiv ist.

Der Vereinsname kommt einerseits vom lateinischen „viduus“ und bedeutet „verwitwet“. Andererseits klingt er auch ähnlich wie das deutsche „wie du“ und unterstreicht damit, dass der Verein auf Selbsthilfe baut und ausschließlich aus Betroffenen besteht. Ellen Peiffer hat gemeinsam mit einer Freundin, die ähnlich lange verwitwet ist wie sie, mittlerweile die Leitung einer Selbsthilfegruppe in Köln übernommen und ist auch Vorsitzende des bundesweit aktiven Vereins mit 170 Mitgliedern.

Kern des Vereins sind die sechs Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland. In Köln trifft sich Ellen Peiffer am ersten Sonntag im Monat mit bis zu 15 Betroffenen. Der Sonntag ist bewusst gewählt, damit die Verwitweten Zeit gemeinsam verbringen können, die sonst oft der Familie vorbehalten war. Die Fragen, vor denen sie stehen, sind oft ähnliche, wie sie damals Ellen Peiffer selbst hatte: Kann ich das alles alleine? Werden die Kinder glücklich? Kann ich mit einem anderen Partner glücklich werden? Hinzu kommen finanzielle und rechtliche Herausforderungen, manchmal leiden auch Freundschaften und Familienbande unter der Extremsituation.

„Für mich war die größte Schwierigkeit, damit umzugehen, dass das Leben für die anderen ganz normal weitergeht, dass die Welt sich einfach weiterdreht“, sagt Ellen Peiffer. Für diejenigen, denen es ähnlich geht, die auch einen Partner, Angehörigen oder Freund zu früh verloren haben, veranstaltet VIDU am Sonntag einen Gottesdienst in der Annakirche.

„Wir haben uns den Gedenktag für früh verstorbene Kinder am zweiten Sonntag im Dezember zum Vorbild genommen und wollen einen Gedenktag für früh verstorbene Erwachsene etablieren“, erklärt Peiffer. „Wir möchten daran erinnern, dass nicht nur alte Menschen oder Frühgeborene sterben, sondern auch Väter und Mütter, die mitten im Leben stehen, und wir wollen darauf aufmerksam machen, was das für eine Katastrophe für die Angehörigen ist.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert