Freiwilligendienst in Indien: Wassereimer statt warmer Dusche

Von: Sarah Maria Berners
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Constanze Freyberger, hat ein halbes Jahr in Indien gelebt. Foto: smb

Hamich. Vor allem eines hat Constanze Freyberger bei ihrem Freiwilligendienst in Indien gelernt: Mit wenigen Dingen auszukommen. Sehr wenigen.

Statt einer warmen Dusche musste in dem kleinen Dorf im Himalaya ein Eimer mit kaltem Wasser reichen, statt eines gemütlichen Bettes stand ein Holzbrett auf vier Beinen im Schlafzimmer und statt einer Toilette mit Klopapier und Spülung mussten ein Loch im Boden und die linke Hand reichen.

Trotzdem ist Constanze Freyberger glücklich, diese Erfahrungen beim Freiwilligendienst gemacht zu haben. Den Kulturschock bei ihrer Rückkehr fand sie viel extremer als die Umstellung auf das einfache indische Leben.

„Man lernt sehr schnell, sich anzupassen und mit dem sehr viel einfacheren Leben zurechtzukommen“, erzählt sie.

Ein halbes Jahr lang hat die 18-Jährige aus Hamich im Norden des riesigen Landes gelebt. Zuerst am Rande einer Großstadt, danach im Himalaya. „Vor allem die Gastfreundlichkeit der Menschen hat mich beeindruckt“, erzählt die junge Frau, die im vergangenen Jahr am Ritzefeld-Gymnasium in Stolberg Abitur gemacht hat.

Selbst die sehr armen Menschen würden Gäste immer mit einer Tasse Tee willkommen heißen, das Chai-Trinken gehöre unbedingt dazu. „Sie erwarten dafür keine Gegenleistung“, erzählt die 18-Jährige. Mit Englisch, Hand und Fuß und ein bisschen Hindi hat sie sich verständigt.

Die schlechten hygienischen Bedingungen, die mangelhafte medizinische Versorgung und das nicht ausreichende Bildungssystem haben ihr zu denken gegeben. „Mir ist sehr deutlich geworden, wie gut wir es hier in Deutschland haben“, resümiert die angehende Medizin-Studentin.

In Indien hat Constanze Freyberger Kinder unterrichtet, Nachhilfe gegeben, sie am Nachmittag mit Spielen unterhalten. „Wir haben Familien besucht, um zu schauen, wie wir deren Lebenssituation verbessern können“, beschreibt die junge Frau.

„Viele Menschen sind von der Armut gezeichnet. Ich habe Familien getroffen, in denen der Vater gestorben ist, die Mutter krank. Dann können die Kinder nicht zur Schule gehen, weil sie irgendwie den Lebensunterhalt verdienen müssen.“

Was Constanze Freyberger auch aufgefallen ist: Indien ist vermüllt. „Deswegen haben wir eine Müllsammelaktion gestartet, auch um das Bewusstsein zu verändern.“

Auf eine warme Dusche, ein bequemes Bett und einen Einkauf im Supermarkt hat Constanze Freyberger sich am meisten gefreut, als sie wieder in der Heimat angekommen war. „Und obwohl die indische Küche wirklich toll ist, musste mein Vater erstmal Schnitzel machen. Denn Fleisch ist für die Inder unglaublich kostbar.“ Außerdem habe sie gemerkt, wie wichtig ihr die Familie ist.

Constanze Freyberger hat aber schon weitere Pläne: Gerne würde sie später mit „Ärzte ohne Grenzen“ noch mal nach Indien reisen.

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