Düren - Frauke Weißenborn: Im Einsatz für Eltern und Tagesmütter

Frauke Weißenborn: Im Einsatz für Eltern und Tagesmütter

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
Nach fast einem Vierteljahrhun
Nach fast einem Vierteljahrhundert hat Frauke Weißenborn den Vorsitz des Vereins „Dürener Tagesmütter und Tagesväter” in die Hände der nächsten Generation gelegt. Foto: Johnen

Düren. Kein Geld, kein Büro, keine Ausrüstung. Aller Anfang ist schwer. Und der sah auch für den Verein „Dürener Tagesmütter und -väter”, der Ende 1988 als Zusammenschluss von Eltern und Tageseltern gegründet wurde, nicht anders aus.

Dafür brachten die Gründungsmütter und -väter viel Idealismus und Einsatzbereitschaft mit. „Die ersten Jahre haben wir alles ehrenamtlich organisiert”, blickt Frauke Weißenborn zurück. Von der Akquise der Tagesmütter über die Einsatzplanung bis zur Fortbildung.

Die 72-Jährige stand fast ein Vierteljahrhundert an der Spitze des Vereins, kürzlich hat sie den Vorsitz abgegeben. „Was steckt hier für Leben drin”, dachte sie, als sie ihrer Nachfolgerin die Aktenordner übergab. In der Tat: Während Tagesmütter heute einen festen Platz in der Kinderbetreuung haben, betrat der Verein damals Neuland.

Damals wie heute stand die politische und gesellschaftliche Forderung im Raum, dass Kinder unter drei Jahren „eine adäquate Betreuung haben sollen”, sagt Frauke Weißenborn. Die Familienstrukturen hatten sich geändert, die Familienverbände wurden lockerer, es gab nicht immer Großeltern, die im gleichen Ort wohnen, und immer mehr gut ausgebildete Frauen wollten ihren Beruf weiter ausüben.

Auch die Zahl der Alleinerziehenden stieg an. Der Bedarf für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren war also vorhanden. Der Markt für Tagesmütter allerdings war damals kaum geregelt. „Es hingen Zettelchen beim Kaufmann”, erinnert sich Frauke Weißenborn.

Der Verein hat Verträge entworfen, schuf einen Rahmen für die Vermittlung - und hatte auch eine klare Vorstellung davon, wie „adäquate Betreuung” auszusehen hat. Außer einer Pflegeerlaubnis vom Jugendamt bedurfte es damals nämlich keiner pädagogischen Qualifizierung, um als Tagesmutter zu arbeiten. Schon früh setzte der Verein auf Ausbildung und Fortbildungen und wurde schließlich von den Jugendämtern von Stadt und Kreis Düren als freier Träger der Jugendhilfe anerkannt.

Die Betreuung von Kindern mag auf den ersten Blick eine Dienstleistung sein, für den frisch gegründeten Verein allerdings hatte sie stets auch eine andere Dimension: „Tagesmütter haben die pädagogische Aufgabe, Kinder zu erziehen, zu bilden und zu fördern. Sie müssen die Bedürfnisse der Kinder erkennen und ihnen nachgehen”, erklärt Frauke Weißenborn.

Das brauche durchaus Fingerspitzengefühl, aber auch das notwendige Handwerkszeug in Form von Qualifizierungen und Fortbildungen. „Das konnten wir unseren Tagesmüttern von Anfang an vermitteln.” Seit 1997 hat der Verein 179 Tagesmütter in Kursen ausgebildet und zertifiziert.

Damals wie heute fordert Frauke Weißenborn, dass Tagesmütter und Tagesväter leistungsgerecht bezahlt werden. „Die Arbeit muss aufgewertet werden”, findet die langjährige Vorsitzende. Zudem habe ein in jüngster Vergangenheit stetig wachsender bürokratischer Aufwand viele Tagesmütter abgeschreckt.

„Tagesmütter wurden lange Zeit wie die kleinen Schwester der Pflegemütter gehandelt”, sagt Frauke Weißenborn. Das spiegelte sich stets auch in der Bezahlung wider. 1,89 Mark pro Kind und Stunde erhielten die Tagesmütter, heute sind es vier Euro. Damit bewege sich die Tätigkeit nach wie vor „zwischen Nachbarschaftshilfe und Eigeninitiative”.

Eine Existenz könne damit nicht bestritten werden. Oft seien Tagesmütter selbst Mütter von Kleinkindern. „Die ganze Familie ist bei Tagespflegepersonen eingebunden”, berichtet die 72-Jährige.

Die Familiennähe und soziale Einbindung der Kinder sei ein ganz klarer Vorteil dieser Betreuungsform. Und Tagesmütter könnten sehr flexibel auf die Bedürfnisse der Eltern reagieren, beispielsweise mit Blick auf die Betreuungszeiten. Nicht selten entstünden sogar Freundschaften zwischen den Kindern und auch zwischen den Erwachsenen.

Es sei auch keine Seltenheit, dass Kinder, die seit der Kindergartenzeit nicht mehr bei der Tagesmutter waren, mit dem Wechsel zur weiterführenden Schule wieder zur Tagesmutter gehen. Doch ohne eine echte Gleichstellung dieser Betreuungsform könnte kaum eine Tagesmutter auf Dauer von dieser Arbeit leben. „Tagesmütter sind Steigbügelhalterinnen für andere Frauen”, bilanziert Weißenborn bewusst provokativ.

Tagesmütter täten das im Übrigen gerne. Nach all den Jahren sei es deutschlandweit aber an der Zeit, die Tagespflegeperson zum anerkannten Berufsbild zu machen - und die Bezahlung anzupassen. „Wir wissen mit jeder neuen Studie mehr, wie wichtig gerade die frühkindliche Förderung ist”, betont Frauke Weißenborn. Die Nachfrage allein in der Stadt Düren gebe dem Konzept des Vereins Recht, seit fast einem Vierteljahrhundert.
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