Düren - Frauen helfen Frauen: Netzwerk schult im Umgang mit Geflüchteten

Frauen helfen Frauen: Netzwerk schult im Umgang mit Geflüchteten

Von: Valerie Barsig
Letzte Aktualisierung:
12526677.jpg
Christina Hähnlein (l.) und Sonja Waltl haben bei ihrer Arbeit oft mit Traumatisierten zu tun. In einem Kurs für Ehrenamtler erklärt Christina Hähnlein, wie man mit Betroffenen umgeht. Foto: Valerie Barsig

Düren. Weil sie politisch verfolgt wurde, musste Samira aus ihrem Heimatland fliehen. Dort wurde sie einige Zeit im Gefängnis festgehalten und gefoltert. Dann flüchtete sie nach Deutschland – ihr einziger Ausweg. Samira ist traumatisiert von der Flucht und der Gewalt, die ihr in ihrem Heimatland wiederfahren ist.

So oder so ähnlich könnte die Geschichte von einem Geflüchteten lauten, der in Deutschland auf einen der vielen Ehrenamtler trifft, die helfen möchten. Wie aber geht man mit solchen traumatisierten Menschen um?

Das Netzwerk Frauen helfen Frauen Düren gibt in einer dreistündigen Fortbildung für Helfer und Mitarbeiter von Institutionen Antworten auf die Frage, wie man sensibel auf traumatisierte Menschen eingeht. Die Fortbildung, die in Kooperation mit Goldrute e.V. und der Caritas Düren-Jülich angeboten wird, fand bereits im vergangenen Jahr erfolgreich statt.

„Wir mussten sogar eine Warteliste erstellen“, sagt Christina Hähnlein, die eine der Referentinnen ist. In drei Stunden könnten lediglich Grundlagen vermittelt werden: Im Zentrum des Kurses steht die Frage, was durch ein Trauma im Gehirn passiert, wie sich Flucht auf einen Menschen auswirkt, frauenspezifische Formen von Traumata, wie Vergewaltigung oder häusliche Gewalt, wie man mit Traumatisierten umgeht und welche Anlaufstellen es für Betroffene gibt.

Menschen, die traumatisiert sind, fühlen sich hilflos. „Bewältigungsmechanismen greifen nicht mehr. Das kann sich dann zum Beispiel in Angstzuständen äußern“, sagt Sonja Waltl, Diplom Pädagogin, von Frauen helfen Frauen. Extreme Unruhe oder Schreckhaftigkeit können Anzeichen für ein Trauma sein, ebenso Albträume oder psychosomatische Erkrankungen. Kein Trauma ist gleich. „Deshalb ist es so wichtig, Anzeichen zu erkennen und sensibel mit den Menschen umzugehen“, sagt Hähnlein.

Ein weiterer Punkt ist die Selbstfürsorge. „Ehrenamtler müssen sich mit den eigenen Grenzen beschäftigen“, sagt Hähnlein. „Das Ehrenamt nimmt schnell die gesamte Freizeit ein und das ist auf Dauer nicht gesund.“ Deshalb müssen Menschen, die ehrenamtlich helfen, Warnsignale erkennen und wissen was sie für ihren Ausgleich tun können. Im Kurs wird auch vermittelt, an welche Stellen oder Therapeuten man sich zur Unterstützung wenden kann. Wichtig sei, immer gemeinsam mit den Betroffenen zu entscheiden, sagt Waltl. „Und niemals über ihre Köpfe hinweg.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert