Nideggen - Fotos sollen Emotionen auslösen

Fotos sollen Emotionen auslösen

Von: Burkhard Giesen
Letzte Aktualisierung:
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58 Motive aus der Umgebung von Nideggen hat Fotograf Tim Friesenhagen großformatig auf Leinwand gebannt. Zu bewundern sind sie im Seniorenhaus Christinenstift in Nideggen.
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58 Motive aus der Umgebung von Nideggen hat Fotograf Tim Friesenhagen großformatig auf Leinwand gebannt. Zu bewundern sind sie im Seniorenhaus Christinenstift in Nideggen.
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58 Motive aus der Umgebung von Nideggen hat Fotograf Tim Friesenhagen großformatig auf Leinwand gebannt. Zu bewundern sind sie im Seniorenhaus Christinenstift in Nideggen.

Nideggen. Das schönste Erlebnis hatte Arno Schneider, als die Bilder schon hingen. „Eine unserer Bewohnerinnen ist gebürtige Nideggenerin, weit über 90 Jahre alt, dement, und sehr in ihrer eigenen Welt gefangen“, erzählt Schneider, der das Seniorenhaus Christinenstift in Nideggen leitet.

Als die 58 neuen Bilder aus Nideggen und Umgebung im Haus angebracht waren, erkannte die Dame vieles wieder. „Sie kann eine Tasse nicht mehr als Tasse bezeichnen. Aber sie hat sofort auf die Bilder reagiert und konnte die Häuser auf den Bildern benennen.“

Genau das war das Ziel des Projektes, das Seniorenhausleiter Arno Schneider gemeinsam mit dem Kölner Fotografen Tim Friesenhagen vor über neun Monaten in Angriff genommen hat. „Bilderwelten Rureifel“ haben Schneider und Friesenhagen ihre Idee getauft. Neun Monate lang war der Fotograf unterwegs, um dem therapeutischen Ansatz auch ästhetisch gerecht zu werden und die passenden Motive im Umkreis von zehn Kilometern beim passenden Licht zur richtigen Jahreszeit mit der Kamera einzufangen.

Der Blick vom Krawutschke-Turm findet sich da wieder, die Sicht auf den Eschaueler Strand samt Liebesinsel, der Rursee, die Schöne Aussicht, der Engelsblick oder Kreuze, Kapellen, eine Ansicht von der Sagengestalt Sürthgens Mossel und vor allem Motive aus der Stadt Nideggen selbst – egal ob Rathaus, Dürener Tor oder ein Blumenladen.

„Die Wiedererkennung dieser vertrauten Orte wirkt auf die Bewohner gleichermaßen beruhigend wie anregend und bietet darüber hinaus immer wieder Gesprächsstoff und Anknüpfung an vergangene Erlebnisse“, betont Schneider, der mit einem kleinen Kniff dies befördert: „Wir haben zum Beispiel bewusst auf einen erklärenden Text bei den Bildern verzichtet.“ Wer also Sürthgens Mossel oder den Blick vom Krawutschke-Turm nicht direkt einordnen kann, muss nachfragen.

Schneider hat sehr gezielt auf bekannte Motive gesetzt. „Wir wollten die Heimat in unser Christinenstift holen“, betont er und spürt erste Erfolge, zumal die Bilder thematisch in die Bereiche Wasser, Landschaft und Häuser gegliedert und mit dem Farbkonzept der einzelnen Etagen verknüpft wurde. „Das gibt den Bewohnern ein Sicherheitsgefühl. Und ich kann feststellen, dass sie nicht mehr so ängstlich sind“, erklärt Schneider, der das insbesondere auf die dementen Bewohner bezieht: „Für sie ist es etwas Bekanntes in einer Nebelwelt.“

Eine besondere Herausforderung waren die vielen Motive auch für Fotograf Tim Friesenhagen. Für die 150 mal 100 Zentimeter großen Bilder auf Leinwand wollte er das bestmögliche Ergebnis erzielen. Das ist bei Fotografen vor allem mit einem großen Zeitaufwand verbunden. Bei vier bis fünf Anfahrten und rund 200 unterschiedlichen Belichtungszeiten je Motiv kommt Friesenhagen locker auf über 10.000 Aufnahmen, unter denen zum Schluss 58 Bilder ausgewählt wurden.

Für das „perfekte Bild“ hat Friesenhagen auf das passende Licht und die richtige Jahreszeit gewartet und vor allem auf die sonst so beliebten Weitwinkel verzichtet. So entsteht der Eindruck, als ob man selbst unmittelbar vor dem Motiv steht und fast schon Teil dieser Landschaft ist. Das passt zum Gesamtkonzept, Bekanntes dementen Menschen – mit vielleicht zudem eingeschränktem Sehvermögen – als Erinnerungs- und auch Orientierungshilfe zu präsentieren.

„Man hat selten die Möglichkeit, so großformatig und für so eine spezielle Zielgruppe zu arbeiten“, sagt Tim Friesenhagen, dem schon die Umsetzung des Themas Spaß gemacht hat, der aber von den Reaktionen auf die Bilder noch mehr angetan ist: „Von der menschlichen Komponente her war das mit Sicherheit mein bisher spannendster Auftrag. Und es gab wirklich tolle Reaktionen der Bewohner. Eine solche Anerkennung findet man heute nur noch selten.“ Eine Idee gibt es da noch, die noch nicht realisiert ist. Die Fotos würden sich auch hervorragend für ein Buch über Nideggen eignen. „Wenn die Stadt da auf mich zukäme, könnte man darüber reden“, sagt Friesenhagen. Mit besseren Fotos könnte man kaum für den kleinen Eifelort werben.

Offiziell eröffnet wird die Dauerausstellung der 58 Motive am Samstag, 9. Mai, um 14 Uhr bei einem Sektempfang im Seniorenhaus Christinenstift in Nideggen, Bahnhofstraße 24.

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