„Forum Politik“: Echte Alternative auf die Probleme fehlt

Von: heb
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Die Diskussionsredner ließen kein gutes Haar an der AfD und ihren politischen Vorstellungen. Foto: heb

Düren. Der Abend hatte durchaus Brisanz. Der Einladung des „Forum Politik“ zur Diskussion „Warum die AfD keine Alternative ist“ waren auch die örtlichen Vertreter der Alternative für Deutschland (AfD) erschienen. Die öffentliche Auseinandersetzung im Saal der Landwirtschaftskammer blieb aber aus.

Denn im aus Zeitmangel etwas hektischen Fragenteil der Veranstaltung meldete sich keiner von ihnen zu Wort. Stattdessen konnten sich die Anhänger der AfD zwei Stunden lang informieren, warum ihre Partei schlecht für Deutschland und vor allem die Geringverdiener sei.

Der informativste Teil dieses Donnerstagabends war zweifelsfrei der Vortrag von Stefan Hebel, Journalist der Frankfurter Rundschau und häufiger Gast im Presseclub. „Dass die AfD keine Alternative ist, darüber werden sich die meisten hier schnell einig“, griff er die Frage des Abends auf. „Ihr Erfolg kann aber durchaus als Mangel an Alternativen verstanden werden“, legte er nach.

Die AfD und viele ihre Wähler skizzierte er dabei als das, was er „Neorassistisch“ nennt. An die Stelle der klassischen Idee einer Überlegenheit der Rasse sei der einfache Wunsch nach Trennung der Nationen getreten.

„Das verbindende Element ist das völkische und das neue Feindbild der Islam“, fasste er zusammen. Der Begriff des Volks transportiere hier die rückständige und naive Idee, dass es der Nation besser ginge, würde sie sich nach außen abschotten. „Dem zu Grunde liegt eine Sehnsucht nach Einfachheit und Sicherheit“, philosophierte er und warnte: „Diese Denkweise ist längst in der Sprache der Mitte der Gesellschaft angekommen.“

Im Endeffekt sei diese Diskussion aber eine Ablenkung von den eigentlichen Problemen. „Wenn es um konkrete Lösungen geht, sind die Antworten der AfD katastrophal“, unterstrich Hebel. „Aber auch wenn die AfD nicht stramm neoliberal und umweltfeindlich wäre, bleibt die völkische Idee.“ Dass diese so gut ankomme, das kreidete er den etablierten Parteien an.

„Es wird immer so getan als ob Merkel die Verteidigerin der Freien Welt gegen Putin, Trump und Co. ist“, wunderte sich Hebel. Eine echte, alternative Antwort auf die Probleme der Globalisierung und Weltwirtschaft würde indes fehlen.

Im zweiten Teil der Veranstaltung gingen Walter Jordans (Bund Düren), Dr. Manfred Körbe (Bistum Aachen), Birgit Mock (Zentralkomitee Deutscher Katholiken) und Ralf Woelk (Deutscher Gewerkschaftsbund) konkret auf das Programm der AfD ein. Jordans nahm die AfD-Positionen bezogen auf das Thema Umwelt auseinander, Körbe setzte sich mit der Frage nach den christlichen Elementen der Partei auseinander, Mock berichtete über deren Bild von Frauen und Familie und Woelk nahm sich die Arbeitnehmerrechte vor.

Diese sehr konkrete Auseinandersetzung geriet allerdings eher langatmig. Den Grund dafür brachte Woelk in seiner Einleitung treffend auf den Punkt. Seine Aussage „Rechtspopulisten ändern ihre Meinung ständig, sie bei ihrem Programm zu fassen ist wie einen Pudding an die Wand zu nageln“ erntete Applaus und Zustimmung.

So fasste auch Moderator Dominic Clemens vor allem Hebels Aussage als zentrales Ergebnis des Abends auf. Die logisch folgende Frage, wie eine echte Alternative aussehen könnte, blieb indes allerdings unbeantwortet. In seinem Schlusswort befand dann der Frankfurter Journalist: „Bezogen auf die nächsten Wahlen darf das aber keine Resignation bedeuten“, rief er zur Wahl auf, „Demokratie heißt nie, sich hundertprozentig durchzusetzen. Auch die Wahl für das kleinere Übel ist eine wichtige!“

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