Forensikbeirat möchte Akzeptanz erhöhen

Von: Stephan Johnen
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Düren. Wenn zwei psychisch kranke Straftäter aus dem forensischen Dorf der Dürener LVR-Klinik flüchten, gibt das Schlagzeilen.

Zuletzt geschah dies im November des vergangenen Jahres. Zwei Männer nutzten eine mittlerweile geschlossene Lücke im Sicherheitssystem - und sind seitdem untergetaucht.

Wenn zwei psychisch kranke Straftäter aus der Klinik entlassen werden, weil sie therapiert wurden, ist dies allenfalls eine gesellschaftliche Randnotiz. Die LVR-Klinik gehört zum Bild der Stadt. Doch das Bild, das die Bewohner der Stadt vom Alltag in der Klinik haben, dürfte oft vage sein, diffus. Wohl auch deswegen gibt es seit fast fünf Jahren den sogenannten Forensikbeirat, der mit Fachleuten, Anwohnern und Vertretern Dürener Organisationen besetzt ist.

„Wir wollen ein Scharnier sein zwischen städtischer Gesellschaft und der forensischen Klinik”, leitete der Beiratsvorsitzende, Bürgermeister Paul Larue, am Freitag eine Bilanz der Arbeit ein. Der Beirat setze sich beispielsweise durch Aufklärungsarbeit, Ausstellungen und Gespräche für mehr Akzeptanz gegenüber der Klinik ein - und trage auch Bedenken und Anregungen der Bevölkerung und Anwohner in die Klinik. „Sie gehen mit einer Position in die Öffentlichkeit, für die sie nicht immer gelobt werden”, bedankte sich Klaus Lüder, LVR-Fachbereichsleiter für den Maßregelvollzug, für die ehrenamtliche Arbeit.

„Wir sind auf das Vertrauen der Menschen angewiesen.” Beiratsmitglied Pfarrer Alfred Bergrath gab zu bedenken, dass die psychisch kranken Straftäter auch Patienten seien, die ein Recht auf Therapie hätten. „Diese Menschen haben keine Lobby”, sagt Bergrath. Eine Rolle, die der Beirat übernehmen möchte. Oberste Priorität habe jedoch immer die Sicherheit, bilanzierten Larue und Lüder unisono.

„Es geschehen auch Dinge, die nicht geschehen sollten”, nahm Bürgermeister Larue am Freitag Bezug auf die jüngste Flucht aus der Klinik. Der Beirat werde jedoch „offen und transparent” informiert und erhalte Einblicke, die die breite Öffentlichkeit nicht habe.

Obwohl er kein Entscheidungsgremium ist, sieht sich der Beirat jedoch in der Verantwortung, Entscheidungen in die Wege zu leiten oder Entschlüsse anderer nicht kommentarlos passieren zu lassen. So sprach er sich beispielsweise mit Klinikleiter Dr. Eberhard Knauer in der Vergangenheit gegen eine Kürzung der Pflegesätze und die damit einhergehende Reduzierung des Personals von 230 auf 200 bei derzeit 214 Patienten aus. „Die Ausstattung ist nicht üppig, aber ausreichend”, fügte Knauer hinzu. Nur habe sich der Schwerpunkt von „Therapie und Sicherheit” auf „Sicherheit und Therapie” verlagert.
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