„Folkwang Clarinets“ beeindrucken mit anspruchsvollem Konzert

Von: Bruno Elberfeld
Letzte Aktualisierung:
14392346.jpg
Nach einem langen und anspruchsvollen Konzert zeigten Nicola Jürgensen (r.) und ihre Studenten ein zufriedenes Lächeln. Die Klarinettisten boten ihren Zuhörern sanfte, klassische Melodien, genauso wie zeitgenössische Stücke. Foto: Bruno Elberfeld

Düren. Der Konzertsaal im Haus der Evangelischen Gemeinde zu Düren war am Sonntagabend gut gefüllt mit zahlreichen Besuchern des Konzerts der „Folkwang Clarinets“ unter der Leitung von Nicola Jürgensen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand – wie angekündigt – die Klarinette.

Im Normalfall ist dieses schlanke Instrument bei Jazz- und Klassikkonzerten zu hören. Als Soloinstrument ist sie eher selten anzutreffen. Und dass dieses Instrument an diesem Abend die Hauptrolle spielen sollte, bewegte offenbar viele Musikfreunde dazu, sich trotz strahlenden Sonnenscheins in einen geschlossenen Raum zu begeben.

Die Neugierde, das vorweg, wurde befriedigt. Denn was die Studenten der Klarinettenklasse von Nicola Jürgensen an der Folkwang Universität der Künste in Essen präsentierten, war Perfektion, begleitet von großer virtuoser Technik und einem beachtlichen Einfühlungsvermögen.

Das Programm startete mit Mozarts „Divertimento für drei Bassethörner (Allegro)“. Carolin Schwaderlapp, Benedikt Anhalt und Katrin Egging vermittelten die hüpfend-tänzerische Stimmung des Werks, während das begleitende Klavier das Thema umspielte. Nicola Jürgensen spielte nicht selbst, sondern war in die Rolle der Moderatorin mit kenntnisreichem Humor und launigem Witz geschlüpft. Sie gab zum Beispiel die Anekdote zum Besten, dass der Komponist Camille Saint-Saëns erst spät zu Kompositionen für Holzblasinstrumente gekommen ist und in der Folge – vielleicht als Wiedergutmachung – für jedes Holzblasinstrument ein Werk geschaffen hat.

Bokyung Kim spielte „Drei Stücke für Klarinette solo“ von Igor Strawinsky. „Dieses Stück ist sehr schwer zu spielen“, erläuterte die Moderatorin, „zeigt aber die ganze Palette des Instruments von schrill zu sanft.“ Tiefe Töne wechselten mit hohen, plötzliche Rhythmuswechsel wurden ebenso gemeistert wie Crescendi und Decrescendi.

Jüngster in der Riege der Vortragenden war Benedikt Anhalt. Er spielte Francaix' „Tema con Variazioni“ für Klarinette und Klavier.

Als den Prototypen eines Musikers, der „höher, schneller, weiter“ möchte, deklarierte Nicola Jürgensen Guangmin Zhou. Mit schrillen Rufen, abgehackt-gestoßenen Tönen interpretierte er mit akrobatischer Virtuosität „Danse de la Fée dragée“ aus Tschaikowskys Ballett „Der Nussknacker“.

Balsam für erregte Gemüter

Im zweiten Teil des Abends wurden die Kompositionen romantischer, kaum noch aufregend. Schumanns „Fantasiestücke op. 73“ mit Jinyong Jung, Brahms' Sonate op. 120 Nr. 2 in Es-Dur“ mit Helen Meier oder Mozarts „Konzert A-Dur“, gespielt von Carolin Schwaderlapp, waren Balsam für erregte Gemüter.

Doch es ging außergewöhnlich weiter. Bei dem Stück „Der Hummelflug“ von Rimsky-Korsakov waren die Finger von Guangmin Zhou kaum wahrnehmbar. Ein recht gewagtes Stück sei außerdem Widmanns „Fantasie für Klarinette solo“, meinte Jürgensen in ihrer Moderation. Es ist zeitgenössische Musik. Wie Vitali Nekhoroshev Widmanns Werk spielte, hinterließ Spuren. Zu den „Multiphonics“ (mehrere Töne gleichzeitig auf einem Blasinstrument) zählte die Moderatorin das Werk. Der Solist breitete ein langes Notenblatt aus und stellte sich gekonnt in Positur, bevor es losging. Der aufmerksame Hörer konnte Schreie von Lebewesen erkennen und Geräusche aus dem Alltag – nicht immer angenehm – ließen Trommelfelle vibrieren.

Doch dazwischen ertönten immer wieder sanfte Melodien: Sutermeisters „Capriccio für Klarinette solo“, gespielt von Desiree Benner, Bernsteins „Sonata for clarinet and piano“, interpretiert von Songhee Park und Poulenc' „Duo pour deux Clarinettes“, dargeboten von Chanyeh Park und Bokjung Kim. Am Flügel saß die Pianistin Vanda Albota, die mit Können und Empathie die Klarinetten begleitete.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert