Flüchtlingshilfe: Reibekuchen und Deutschkurse

Von: kin
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Ralf Lübben und sein Sohn Jost engagieren sich für Flüchtlinge. Foto: Sandra Kinkel

Nörvenich. Ralf Lübben (48) ist ein Mann, der anpackt. Einer, der nicht lange redet, sondern einfach macht. Im Oktober vergangenen Jahres ist der Vertriebsleiter zur Gemeindeverwaltung marschiert und hat angeboten, sich ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit zu engagieren.

„Beim dritten Anlauf haben die mich dann auch ernst genommen“, sagt Lübben schmunzelnd. Und seitdem engagiert er sich für die Flüchtlinge. „Wir sind eine Gemeinde mit rund 10000 Einwohnern. Ich finde, dass es einfach nicht geht, dass hier 60 Flüchtlinge leben, die keiner kennt, die absolut kein Netzwerk haben. Dagegen wollte ich etwas tun.“ Schnell hat Ralf Lübben Mitstreiter gefunden, heute gehören zum festen Kern der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe etwa 15 Leute.

„Einfach miteinander geredet“

Ganz am Anfang ist Lübben in die größte Nörvenicher Flüchtlingsunterkunft mit 30 Plätzen gegangen. „Wir haben einfach mit den Leuten geredet. Damals ist uns aufgefallen, dass die Flüchtlinge geputzt haben, ohne dass sie dafür vernünftiges Material hatten. Eine unsere ersten Amtshandlungen war, Putzmittel zu sammeln.“ Lübben und seine Mitstreiter haben da geholfen, wo es nötig war.

Sie haben Fernsehgeräte und Fahrräder organisiert, Kleidung gesammelt, eine Handarbeitsgruppe für Frauen gegründet und ehrenamtlichen Sprachunterricht direkt in der Flüchtlingsunterkunft angeboten. „Mittlerweile“, erzählt Lübben, „ist es uns gelungen, durch Spenden professionellen Sprachunterricht anzubieten. Am Ende des Kurses bekommen die Teilnehmer ein Zertifikat.“

Ralf Lübben und seinen Mitstreitern geht es auch darum, dass Flüchtlinge und Nörvenicher sich besser kennenlernen. Sie haben ein Flüchtlingsfest gefeiert und zum Reibekuchenessen eingeladen. Lübben: „Wir haben die Flüchtlinge auch nach ihrer Berufsausbildung, ihren Hobbys gefragt. So ist es uns zum Beispiel gelungen, Kinder in Fußballvereine zu vermitteln.

Ein Kind einer Flüchtlingsfamilie spielt Klarinette und hat am 10. Mai ein erstes Konzert mit dem Spielmannszug Hochkirchen. Eine Englischlehrerin aus Syrien gibt ehrenamtlich Nachhilfeunterricht.“ Erste Kontakte zu Wohnungsvermietern haben Lübben und seine Mitstreiter auch schon geknüpft. Demnächst wollen die Helfer versuchen, mit potenziellen Arbeitgebern ins Gespräch zu kommen.

Ralf Lübben glaubt, dass Flüchtlingshilfe in einem kleinen Dorf wie Nörvenich leichter umzusetzen ist, als in einer Großstadt. „Weil alle an einem Strang ziehen – Kirchen, Parteien, Sportvereine. Und weil wir auch uneingeschränkt Kontakt zu den Flüchtlingen haben.“ Aber es gibt auch manchmal Konflikte. Zum Beispiel hatten die Asylbewerber in der Gemeinschaftsunterkunft anfangs Schwierigkeiten, den Müll richtig zu trennen. Das klappe aber mittlerweile hervorragend.

Einer seiner großen Vorteile sei, dass er nicht bei der Verwaltung arbeite, sagt Lübben. „Ich habe einen ganz anderen Zugang zu den Flüchtlingen.“ Übrigens ist es bei der ehrenamtlichen Hilfe völlig egal, woher die Menschen kommen. „Ich möchte nicht, dass es Flüchtlinge erster und zweiter Klasse gibt. Bei uns wird jedem geholfen, egal, ob er aus Syrien oder Mazedonien kommt.“

Ralf Lübben und den anderen Helfern, zu denen mittlerweile auch Lübbens 13-jähriger Sohn Jost gehört, macht die Arbeit mit den Flüchtlingen Spaß. „Es sind mittlerweile richtige Freundschaften entstanden.“ Durch die Arbeit mit den Asylbewerbern habe er interessante Leute kennengelernt. „Ich habe viel gelernt, was auf der Welt los ist. Und irgendeiner muss den Leuten doch helfen.“

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