Flüchtlingsarbeit: Die Frau, die die Helfer bestärkt

Von: Burkhard Giesen
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Alexandra Pohl koordiniert hauptamtlich die Arbeit der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer in Vettweiß.

Vettweiß. Die Frage, wie Menschen, die in Deutschland Zuflucht suchen, best- und schnellstmöglich integriert werden können, beschäftigt viele Kommunen. Einen Sonderweg beschreitet dabei die Gemeinde Vettweiß. Mit Alexandra Pohl von der Caritas gibt es die erste hauptamtliche Koordinatorin, die explizit die ehrenamtliche Arbeit der Flüchtlingshilfe der Gemeinde unterstützen und stärken soll.

Alexandra Pohl sieht sich dabei als Bindeglied zwischen der Verwaltung und der Vettweißer Flüchtlingshilfe sowie als Networkerin. Natürlich muss die Stelle der hauptamtlichen Koordination der „Freiwilligen Hilfe Vettweiß“ komplett neu eingerichtet werden.

Dabei sind es viele organisatorische und bürokratische Fragen, mit denen sich die ehrenamtlichen Kräfte der Flüchtlingshilfe tagtäglich auseinandersetzen müssen. Fragen, die die gelernte Sozialpädagogin aus eigener Erfahrung kennt – sie hat sich selbst ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit in Bonn engagiert.

Rechtliche Fragen sind es vor allem, die die ehrenamtlichen Helfer haben, zum Beispiel Versicherungsfragen, aber vor allem natürlich auch, wie das Asylverfahren konkret bis zur Antragstellung läuft.

Vor zwei Monaten hat Alexandra Pohl ihre Stelle – die einzige dieser Art im Kreis Düren – angetreten und ein Büro im Vettweißer Rathaus bezogen. Sie musste sich erst mal einen Überblick verschaffen, hat die Flüchtlingsunterkünfte besucht, mit den Ehrenamtlern gesprochen und natürlich auch viele der derzeit rund 220 Flüchtlinge, die in der Gemeinde leben, kennengelernt.

„Bei den ersten Gesprächen mit den Ehrenamtlern ging es vor allem um die Frage, wo sie Bedarf für eine Unterstützung sehen“, berichtet Alexandra Pohl. Fortbildungen sind da ein Thema. So wie Flüchtlinge in ihrer neuen Heimat oftmals erst lernen müssen, die Traumata von Kriegserlebnissen und Flucht zu verarbeiten, müssen sich auch die Betreuer mit diesen Erlebnissen auseinandersetzen.

„Wo hole ich den ab, der Hilfe braucht? Wie ist sein persönliches Empfinden?“ – das sind Fragen, mit denen sich die Betreuer auseinandersetzen müssen. Aber eben auch mit der Frage, wie sie selbst damit umgehen. Wer Gemeinarbeit leiste, müsse sich auch abgrenzen können, sagt Alexandra Pohl: „Es nützt niemandem etwas, wenn man selber ausbrennt.“

Und natürlich hätten auch Flüchtlinge sehr unterschiedliche Charaktere, ergänzt Alexandra Pohl: „Es gibt viele, die für die Hilfsangebote sehr dankbar sind. Und es gibt einen kleinen Teil, der sehr unrealistische Forderungen stellt, mit denen die Ehrenamtlichen konfrontiert werden.“

All das haben die Mitarbeiter der Vettweißer Flüchtlingshilfe gut im Griff, glaubt Alexandra Pohl: „Das sind alles sehr verantwortungsvolle, sehr fähige Helfer, die auch sehr genau hingucken.“ Einen ganz anderen Pluspunkt macht Alexandra Pohl noch im Vergleich zu größeren Städten aus: „Hier in Vettweiß funktioniert die Kommunikation besser.

In Bonn sind natürlich mehr Freiwillige involviert, aber die Kommunikation findet in einem größeren Rahmen statt. In Vettweiß kennt man sich untereinander, kann auf gewachsene Strukturen zurückgreifen und Vieles auf dem kleinen Dienstweg regeln.“

Die ehrenamtlichen Kräfte zu stärken, damit die Integration gelingt, mag ein ungewohnter Ansatz sein, aber er könnte der erfolgversprechendste sein. Erst recht, wenn es Alexandra Pohl gelingt, weitere Menschen für ein ehrenamtliches Engagement zu gewinnen.

Zum Beispiel Helfer mit handwerklichem Geschick, Menschen mit guten Deutschkenntnissen, aber vor allem auch Personen, die in der regionalen Wirtschaft gut vernetzt sind und bei der Suche nach Praktikums- und Arbeitsstellen für die jungen Flüchtlinge behilflich sein könnten.

Zusätzlich wird noch eine Person für den Bundesfreiwilligendienst gesucht. Weitere Infos gibt es unter apohl@gst.caritas-dn.de oder unter Telefon 02424/209124.

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