Flüchtlinge ins Seniorenheim: Ein Gerücht erhitzt die Gemüter

Von: Ines Kubat
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Weil die Betreiber das Heim nicht mehr führen können, soll es kurzfristig geschlossen werden. Foto: Patrick Pleul dpa

Kreuzau. Per Pressemitteilung ließ die Bezirksregierung Köln am Freitag verlauten, dass das Seniorenheim im Kreuzauer Ortsteil Drove Ende November geschlossen wird. Diese Nachricht erhitzt seitdem die Gemüter und sorgt in den sozialen Netzwerken für Aufregung. Fakt ist: Die Bezirksregierung hat ein Angebot der Betreibergesellschaft SWH GmbH angenommen. Anfang 2016 soll in Drove eine Unterkunft für knapp 300 Flüchtlinge ihren Betrieb aufnehmen.

Die 42 Bewohner könnten – mit Unterstützung der Betreiber – eine neue Unterbringung in einem der umliegenden Seniorenheime finden. Eine Facebook-Nutzerin machte ihrem Ärger darüber in dem sozialen Netzwerk Luft: „Ich glaub‘, ich fall vom Glauben ab. In welchem Land lebe ich hier. Da bekommt mein Vater mit 86 Jahren die Kündigung im Betreuten Wohnen […] Er und alle anderen Mieter und auch das angrenzende Altenheim sollen in einem Monat ausgezogen sein, was schon eine Frechheit ist […] Mit alten Leuten kann man es ja machen. Ich sage nur: Schämt Euch.“

Konkrete Angaben zu den Umständen der Schließung machte die Frau nicht – dennoch wurde ihr Beitrag mehr als 70.000 Mal geteilt, am Montagnachmittag hat sie den Beitrag wieder gelöscht. In den Kommentaren machte sich Ärger breit – darüber, dass den älteren Menschen ein solch kurzfristiger Umzug zugemutet wird, und auch darüber, dass das Ganze offenbar für die Unterbringung von Flüchtlingen geschehe.

Auf Nachfrage unserer Zeitung bei der Betreibergesellschaft SWH GmbH erklärt Linda Hawig, Tochter des Geschäftsführers und Heimleiters, die Umstände der Schließung: Anfang Juli hatte ihr Vater einen schweren Unfall und falle seither im Team des Familienbetriebes aus. Außerdem nennt Linda Hawig auch andere Gründe, „unter anderem die zukünftigen baulichen Anforderungen an vollstationäre Pflegeeinrichtungen, die im vorhandenen Bestand nicht erfüllbar sind“.

Von der Schließung sei allerdings nur der Standort in Drove mit der vollstationären Pflege und dem Betreuten Wohnen betroffen. In Vettweiß werde das Betreute Wohnen wie gehabt fortgeführt.

Als der Entschluss gefallen war, das Heim zu schließen, boten die Eigentümer der Bezirksregierung das Gebäude als Flüchtlingsunterkunft an, erklärt Linda Hawig. Und die Bezirksregierung nimmt das Angebot gerne an, weil sich die Immobilie wegen ihrer kleinen Wohneinheiten hervorragend zur Unterbringung besonders von Frauen und Kindern eigne, sagte eine Sprecherin der Bezirksregierung auf Nachfrage. Anfang nächsten Jahres sollen die ersten Flüchtlinge dort einziehen – Anwohner in Drove werden Ende November genauer informiert.

Ganz zurückziehen wird sich die Eigentümerfamilie Hawig allerdings nicht aus dem Seniorenheim: Denn die S & C GmbH stehe bereits als Betreiberin fest, sagt die Bezirksregierungssprecherin. Gesellschafterin dieser Firma ist Linda Hawig. Dadurch „können die Mitarbeiter der SWH GmbH größtenteils übernommen werden“, sagt sie.

Für die zum Teil pflegebedürftigen Bewohner müssen nun aber erst einmal neue Plätze gefunden werden. Bewohner und Angehörige seien allerdings im Rahmen der gesetzlichen Kündigungsfrist von einem Monat rechtzeitig von der Schließung informiert worden, erklärt Linda Hawig. Das Heim unterstütze die Betroffenen bei der Auswahl einer neuen Einrichtung sowie bei Behördengängen und den Umzügen. Ein Teil der Bewohner habe bereits eine neue Unterbringung gefunden.

Die Reaktionen auf die Schließung deckten sich nicht unbedingt mit der Empörung, die auf Facebook zu lesen ist, sagt Hawig: „Der Großteil der Bewohner und Angehörigen äußerte sich bezüglich der Umstände der Schließung verständnisvoll.“ 

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