Flüchtlinge: Boicher Bürger mit neugieriger Gelassenheit

Von: Hannes Schmitz
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Er fand von Beginn an den richtigen Ton: Kreuzaus Bürgermeister Ingo Eßer, der die Boicher Bürger über die Flüchtlingsunterkunft in der Gereonschule unterrichtete. Foto: Hannes Schmitz

Boich. Das Gebäude der ehemaligen Gereonschule in Boich wird zur Flüchtlingsunterkunft. Im voll besetzten Bürgerhaus stellten Bürgermeister Ingo Eßer, sein Allgemeiner Vertreter Siegfried Schmühl und Sozialdezernent Guido Steg die Pläne vor.

Offen und aufrichtig wollte das Rathaustrio mit den Boicher Bürgern umgehen und setzte diese Absicht so gelungen um, dass es nach Ende der Informationsveranstaltung Beifall für die Verwaltung gab.

Richtigen Ton gefunden

Von Beginn an fand der Bürgermeister den richtigen Ton, als er von der humanitären und gesetzlichen Verpflichtung sprach, den Flüchtlingen den notwendigen Schutz zu gewähren. In einem kurzen Referat ging er auf die aktuelle Situation in der Gemeinde ein.

Wurden vor zwei Jahren noch 31 Flüchtlinge betreut, so sei die Zahl bis heute auf 186 Personen angewachsen, die untergebracht werden müssten. „Die Tendenz ist steigend“, mutmaßte der Ratsvorsitzende, um mit entwaffnender Offenheit zu bekennen: „Ich weiß nicht, was auf uns zukommt. Es gibt keine verlässlichen Prognosen.“ Er schilderte die Gedankenspiele der Verwaltung nach Unterbringungsmöglichkeiten: von angemieteten Wohnungen und Häusern bis hin zu möglichen Containerlösungen oder Wohnraum in Leichtbauweise.

Gleichzeitig betonte Ingo Eßer, dass die Gemeinde bei ihrem Vorhaben bleibe, die Flüchtlinge wie bisher dezentral unterzubringen. Außerdem wolle niemand in bestehende Vereinsstrukturen eingreifen, so dass Unterbringungen in gemeindlichen Liegenschaften wie Bürgerhaus, Sport- oder Festhalle nicht zur Debatte stünden. Ein Gebäude wie die Gereonschule, die sich nach dem Ende des Schulverbandes Kreuzau-Nideggen in Besitz der Gemeinde befindet, sei eine Alternative, um drängendste Probleme lösen zu können.

Umbau dauert sechs Wochen

77 Plätze sollen geschaffen werden, die Umbauarbeiten werden etwa sechs Wochen dauern, informierten Siegfried Schmühl und Guido Steg. Im Altbau der Schule werden nach dem Einbau von Raumtrennern und Sanitäranlagen je Etage 20 bis 25 Plätze geschaffen, im Neubau 25 bis 27. Eine Gemeinschaftsküche, eine Waschküche und ein Trockenraum entstehen im Keller. Ein Freizeitraum ist ebenso geplant wie ein Beratungs- und Unterrichtsraum, in dem beispielsweise Deutschunterricht abgehalten werden könnte. Ein Hausmeister wird in einem Büro untergebracht.

Die bisherige Unterkunft für Asylbewerber, in der 22 Menschen leben, wird aufgelöst und in die Schule integriert. Laut politischer Aussagen belaufen sich die Kosten auf rund 200.000 Euro.

Die Boicher Bevölkerung nahm die Erläuterungen überwiegend mit neugieriger Gelassenheit auf. Politische und gesinnungsmäßige Scharmützel blieben aus, in mancher Frage klangen allerdings auch Ängste mit. Vor allem bei der Frage der Transportmöglichkeiten, da nur kleine Busse den Ort anfahren, oder bei der Frage, was die Flüchtlinge den ganzen Tag machen werden „Das wird sich wie in anderen Orten regeln“. beruhigte die Verwaltung. Auf Fragen, wie es komme, dass der kleinste Ort im Gemeindegebiet die meisten Flüchtlinge aufnehmen muss, war der Zwang der Unterbringung und fehlendes Gemeindeeigentum im Hauptort die Antwort.

Bürgermeister Ingo Eßer bat darum, die Flüchtlinge warmherzig und freundlich aufzunehmen. In der Gemeinde hätte bisher noch niemand einen Nachteil gehabt. Integration könne zur Normalität werden, blickte Ingo Eßer in die Zukunft und würdigte damit auch das „Unterstützungs-Engagement“, das sich im Raum Kreuzau gebildet habe.

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