Fledermäuse im Burgauer Wald genießen besonderen Schutz

Von: Natalia Peters und Anne Wildermann
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Zwergfledermäuse (vermutlich einjährig), die von Hand mit Mehlwürmern von Familie Körber aus Langerwehe gefüttert werden. Weil Mehlwürmer sehr proteinreich sind, eignen sie sich gut, um die empfindlichen Tiere aufzupäppeln. Foto: Henrike Körber
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Henrike Körber und Andreas Nießen arbeiten zusammen, wenn Fledermäuse bei Arbeiten aufgeschreckt oder verletzt werden. Foto: Peters

Düren. Mit großen Schritten stampft Andreas Nießen (27), Förster im Burgauer Wald, über gefrorene und tote Baumstämme, Gestrüpp und hohes Gras. Hinter ihm geht Henrike Körber (54), Biologin und Fledermausexpertin aus Langerwehe. Die zwei schauen sich auf einer großen Wiesenfläche alte Pappeln an, die möglicherweise Winterquartiere von Fledermäusen sind.

Wenn sie ein solches Domizil finden, dürfen die Pappeln nicht mehr gefällt werden. Die Tiere, die dort eventuell ihren Winterschlaf halten, werden also nicht von Kettensägen gestört, verletzt oder gar getötet. Anders war das vor einigen Wochen in Niederkrüchten im Kreis Viersen. Dort wurden einige Abendsegler schwer verletzt und vom Naturschutzbund (Nabu) Heinsberg an eine Viersener Familie vermittelt, die die 28 von ursprünglich 31 Tieren wieder aufpäppelt.

„Damit uns so etwas wie im Kreis Viersen nicht passiert, arbeiten wir mit ausgebildeten Leuten zusammen“, sagt Nießen. „Es wird hier bei uns auch nicht einfach kreuz und quer gefällt. Alte Spechthöhlen werden beispielsweise auch kontrolliert“, betont der Förster. „Es wäre falsch, die dafür beauftragten Forstunternehmen zu brandmarken und ihnen zu unterstellen, dass sie fahrlässig handeln“, sagt Körber. Die Fledermausexpertin, die mit ihrem Mann ehrenamtlich für den Nabu im Kreis Düren Tiere in Obhut nimmt und sie pflegt, erklärt, dass es sogar für sie manchmal sehr schwer sei, einen Baum als Winterquartier zu erkennen.

„Das kann man nicht immer von außen sehen. Abstehende Rinde ist ein idealer Ort, oder auch eine alte Spechthöhle“, erklärt Körber und ergänzt: „Ansonsten muss man entweder in der Abenddämmerung oder ganz früh morgens potenzielle Bäume aufsuchen und schauen, wo die Fledermäuse hinfliegen. Aber selbst das ist nicht immer eindeutig zu sehen.“ Eine weitere Option seien eine Leiter und ein Endoskop, sagt die Expertin und schaut an dem dicken Stamm einer Pappel nach oben zur Baumkrone.

Fakt ist, dass es keine bestimmte Baumart gibt, die vorwiegend von Fledermäusen zum Überwintern genutzt wird. Quartieren sich die stark bedrohten Säugetiere in einem Baum ein, der nicht mehr voll vital ist und durch Umkippen eine Gefahr darstellt, muss dieser gefällt werden. In dem Punkt sind sich Biologin und Förster einig. „Bisher hatten wir aber noch nie Probleme mit Fledermäusen bei Fällarbeiten“, sagt Nießen. Im Forstwesen orientieren sich die Mitarbeiter an speziellen Markierungen des Försters, wie etwa einem roten Punkt, der darauf hinweist, dass in dem Baum möglicherweise Tiere leben oder davor gesichtet wurden.

Diese Markierungen sollen nicht nur auf Fledermäuse, sondern auch auf andere Arten wie Spechte oder Eulen hinweisen. Sollte es doch mal dazu kommen, dass Tiere aufgeschreckt oder verletzt werden, rät Körber beispielsweise, den Nabu zu informieren, der dann Experten in der Nähe beauftragt, sich die Tiere anzusehen. „Wichtig ist, dass die Arbeiten sofort unterbrochen werden müssen“, betont die Biologin. Dann wird geschaut, in welchem Zustand sich die Tiere befinden und ob sie Pflege brauchen. „Fledermäuse, die wir zu Hause aufpäppeln, werden stets in die Natur zurück entlassen. Wir wollen sie nicht dauerhaft halten – und auch nicht als Haustiere.

Außerdem nehmen wir keine Tiere auf, die von Hausbesitzern gebracht werden, die mit ihnen Probleme haben, weil sie im Dachgebälk leben“, betont Körber. Lieber sei es ihr, wenn Betroffene sich kostenlosen Rat bei ihr oder den zehn weiteren ehrenamtlichen Helfern einer Arbeitsgruppe für den Fledermausschutz holen. „Meistens fallen die Tiere erst dann auf, wenn ein Jungtier aus dem Quartier gefallen ist. Wenn es den Tieren gut geht, bemerkt man sie gar nicht“, sagt Körber.

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage www.fledermausschutz.de, beim Nabu für den Kreis Düren unter www.nabu-dueren.de und unter Telefon 030/2849845000.

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