„Fit für 100“: Übungen halten Geist und Körper in Schwung

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„Fit für 100“: Renate Trostorf leitet zweimal pro Woche im Pfarrheim Gey einen Kurs, mit dem Senioren beweglich und geistig fit bleiben sollen. Foto: Berners

Gey. „Merken Sie das in Ihrem Alter überhaupt?“, fragt mich eine Teilnehmerin interessiert, während die Gruppe die zwölfte Wiederholung der Hantelübung absolviert. Ich wünschte, ich würde jetzt „Ja“ nur aus Höflichkeit sagen. Aber das wäre nicht die ganze Wahrheit.

 Für eine Stunde bin ich zu Gast im VHS-Kurs „Fit für 100“. Die Teilnehmer sind zwischen 70 und 88 Jahren alt, also mindestens doppelt so alt wie ich. Es ist eine fröhliche Gruppe, die sich zweimal pro Woche im Pfarrheim Gey trifft und sich unter der Anleitung von Renate Trostorf fit hält.

„In diesem Kurs geht es nach einem Konzept der Sporthochschule Köln darum, im Alter beweglich zu bleiben und außerdem etwas für die geistige Fitness zu tun“, erklärt die Übungsleiterin. Viele der Teilnehmer kämen schon seit Jahren zweimal pro Woche. „Diese Regelmäßigkeit ist wichtig. Auch in höherem Alter lassen sich die Muskeln noch sehr gut trainieren“, weiß Renate Trostorf. Aber sie bilden sich eben auch schnell wieder zurück. Deswegen sei es so wichtig, am Ball zu bleiben.

„Ich bin jetzt drei Wochen nicht hier gewesen und merke, dass ich weniger beweglich bin“, erzählt die mit 81 Jahren älteste Frau im Kurs. Ihr Ziel ist es, auch mit zwei neuen Hüften wieder ohne Stock gehen zu können. Dafür trainiert sie.

„Es sind ganz alltägliche Dinge, die mir leichter fallen, seitdem ich regelmäßig diese Übungen machen“, erzählt Hubert Guester. Der 75-Jährige, der an Parkinson leidet, ist schon seit einigen Jahren dabei. „Ich konnte mich vor einigen Jahren nicht mehr gut frei bewegen“, erzählt er. Seit er die Übungen mache, könne er wieder frei die Treppe hinuntergehen. Anderen Teilnehmern fällt es nun wieder leichter, die Tassen aus dem Schrank zu holen oder etwas aufzuheben, wenn es zu Boden gefallen ist. „Uns tut das gut“, sagen die Teilnehmer.

Neben Übungen für die Muskelkräftigung, das Gleichgewicht und die Beweglichkeit, stehen auch Trainingseinheiten für die geistige Fitness auf dem Programm. „Seit ich die mache, kann ich mir auch wieder ein paar Telefonnummern merken“, berichtet Hubert Güster begeistert. Und Spaß haben die Senioren in der Gruppe auch. Die Geselligkeit ist ein weiterer Punkt, der sie motiviert zum Training zu kommen. Es wird viel gelacht.

Agil bleiben

„Die Hauptsache ist es, sich zu bewegen.“ Deswegen gehört es neben den eigentlichen Übungen auch zum Kurs, dass die Teilnehmer für einige Übungen aufstehen, um sich für die nächste wieder hinzusetzen. Und wenn das Säckchen, das die Seniorensportler einander zuwerfen auf den Boden fällt, ist die Leiterin nicht gleich zu Stelle, wie sie es im Alltag aus Höflichkeit sein würde. „Nur wer sich bewegt, bleibt für die alltäglichen Begebenheiten beweglich genug“, erklärt sie. Wichtig sei aber auch, dass es im Kurs keinen Leistungsdruck gebe. „Jeder macht die Übungen so, wie er es kann“, schildert die Kursleiterin. Der eine hebt das Bein mit den Gewichten am Knöchel etwas weniger hoch, der andere geht nicht ganz so tief in die Knie.

Die Übungen im Kurs „Fit für 100“ sind abwechslungsreich. Zum Auftakt steht eine Aufwärmrunde mit Musik an. Dehnungsübungen, Hantelübungen und Beinübungen mit Gewichten sollen körperlich fit halten. Beim „Säckchenwerfen“ stehen Körper und Geist im Fokus. So rufen die Teilnehmer einander zum Beispiel zu, mit welcher Hand gefangen werden muss. Dann muss zeitgleich das andere Bein nach vorne geschoben werden. Koordination ist gefragt. Und dann gibt es noch eine Runde, bei der der Fangende auf Kommando auch noch eine Stadt nennen muss, die mit einem bestimmten Buchstaben beginnt.

Auch für eine junge Teilnehmerin mit einer ausgeprägten Rechts-Links-Schwäche, die beim Autofahren regelmäßig für große Lacher oder kleine Auseinandersetzungen sorgt, eine Herausforderung. Die Beinübungen immerhin fielen mir leicht. Aber am nächsten Morgen hat sich der nicht ganz so trainierte Rücken dann doch zu Wort gemeldet.

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