Filmprojekt: Bärbel Kosankes Familiengeschichte

Von: Beate Weiler-Pranter
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Im Felsenkeller vom Haus ihrer
Im Felsenkeller vom Haus ihrer Großeltern erlebten Gertrud, Sophie und Annemie Lang (v.l.) als Kinder die Heimbacher Bombennächte. Mit ihrem Mann Rolf Teigler zeichnete Bärbel Kosanke die eigene Familiengeschichte nach. Foto: bwp

Heimbach. Dieses Familienfoto ist so schnell nicht zu vergessen: Vater, Mutter und elf Kinder. Aufgenommen Weihnachten 1940. Das letzte Bild, das die gesamte Familie zeigt?

70 Jahre später beschließt Bärbel Kosanke, Tochter der 1927 in Heimbach geborenen Sophie Lang (verheiratete Kosanke), ihre Familiengeschichte in einem Film festzuhalten. Für ihr Filmdebüt hat sich die Berliner Kunstlehrerin - Ehefrau des Filmemachers, Regisseurs und Produzenten Rolf Teigler - über Jahre hinweg auf Spurensuche innerhalb der eigenen Familie begeben. Sie hat geforscht, gefragt und nachgehakt. Dokumente zusammengetragen und ausgewertet.

Und immer wieder hat sie die überlebenden Zeitzeugen - ihre Mutter und deren Schwestern - interviewt. Über 13 Stunden Filmmaterial kamen so zusammen, aus denen nun die einstündige, einfühlsame und anrührende Dokumentation „Himmel un Ähd” entstand. „Stellen Sie sich vor, Sie sitzen bei Ihrer Mutter auf dem Schoß und die erzählt von früher”, stimmte die Berlinerin Bärbel Kosanke das Heimbacher Premierenpublikum auf die Uraufführung ihres Filmes ein.

Sensibel gedreht, stellvertretend für Tausende anderer Familien, zeichnet Bärbel Kosanke das Schreckens-Szenario des Zweiten Weltkrieges am Beispiel ihrer eigenen Familie nach. Sie lässt den Worten, den Erinnerungen freien Lauf. Lauscht den Erzählungen der mittlerweile über 80-jährigen Geschwister, die damals junge Mädchen waren.

Gefiltert durch die liebevoll beobachtende Kamera gelingt Mutter und Tochter erstmals ein Gespräch über die unbewältigte Vergangenheit. „Ich habe es bei unseren Gesprächen tunlichst vermieden, meiner Mutter in die Augen zu schauen. Das hätte damals ihren Redefluss unterbrochen”, erinnert sich die 55-jährige Regisseurin an die Entstehung dieses Films.

Sophie Kosanke und ihre Schwestern, Gertrud und Annemie Lang, erzählen stellvertretend für eine ganze Generation aus ihrer Kindheit im Krieg. Von ihrem Alltag innerhalb einer sehr katholischen, armen, aber glücklichen Landarbeiterfamilie, die jahrzehntelang den Devotionalienladen in der Heimbacher Hengebachstraße führte.

Der Glaube und der gemeinsame Gesang halfen durch die Bombennächte, die sie im Felsenkeller ihrer Großeltern unterhalb der Burg Hengebach verbrachten. Hier hatten auch die Mönche von Mariawald ihre Habseligkeiten in Sicherheit gebracht: Zwischen Kartoffel- und Obststellagen waren Seife und Kuttenstoffe vor den Nazis versteckt. „Der ganze Keller duftete damals nach Seife”, erinnern sich die drei Zeitzeuginnen in dem historischen Gewölbe. Wie durch ein Wunder wurden die Kostbarkeiten - trotz aller Kontrollen - nie entdeckt.

Drei ihrer großen Brüder fallen im Russland-Feldzug. Die Mutter verzweifelt und gerät in eine tiefe Depression. Von einem Tag auf den anderen muss sich die älteste Tochter Sophie Lang um die zersprengte Familie kümmern. „Immer wenn einer stirbt, fängst du an zu arbeiten”, wird sie Jahrzehnte später im Film über sich selbst sagen.

Trotz der Thematik ist die einfühlsame Dokumentation von Bärbel Kosanke ein Film voller Energie und liebevoller Rückerinnerung. Wie zu Kinderzeiten singen, kochen und backen die Geschwister gemeinsam und filtern - ganz nebenbei - die traumatischen Erlebnisse von Tod, Bombardement und Evakuierung.

Viele Zeitzeugen von früher, Nachbarn und Freunde füllten das „Haus zum Burghof”, als der Film jetzt erstmalig der Öffentlichkeit gezeigt wurde. Obwohl die Heimbacher nah zusammenrückten, reichte die Bestuhlung nicht aus, um allen interessierten Zuschauern Platz zu bieten. So wurde kurzerhand zwei Stunden später ein weiterer Vorführtermin angeboten.

Ihre eindrucksvolle Dokumentation „Himmel un Ähd” - ein Film, der die kriegsbedingte Sprachlosigkeit zwischen den Generationen durchbricht - haben Bärbel Kosanke und ihr Mann Rolf Teigler mittlerweile bei Filmfestivals in ganz Deutschland angemeldet. In Heimbach wird der Film erneut am Dienstag, 17. Juli, 19 Uhr, und während des Akademiefestes am 26. August in den Räumen der Internationalen Kunstakademie zu sehen sein.
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