Film über den Anwalt gegen das Vergessen

Von: Bruno Elberfeld
Letzte Aktualisierung:
12977918.jpg
Maren Friedlaender (Amerika-Haus), Olaf Müller (Kulturbetrieb Stadt Aachen), Dr. Achim Jaeger (Stiftisches Gymnasium), Isabel Peters (Filmverleih W-film) und Benjamin Riedel vom Lumen-Kino Düren (v.l.), werben für den Besuch des einzigartigen Dokumentarfilms. Foto: bel
12977200.jpg
Benjamin Ferencz war mit 27 Jahren Chefankläger bei einem Verfahren der Nürnberger Prozesse. Foto: dpa

Düren. „A man can make a difference“ – ein Mann kann den Unterschied machen. In diesem Dokumentarfilm von Ullabritt Horn, steht Benjamin B. Ferencz, ein amerikanischer Bürger, im Mittelpunkt. Seit seinem 27. Lebensjahr kämpft der aus Rumänien stammende Jude für Gerechtigkeit und Menschlichkeit auf unserem Globus.

Heute, mit 96 Jahren, führt er gemeinsam mit seinem Sohn Donald Ferencz den Kampf weiter: gegen Krieg, gegen Gewalt, gegen die Folgen von Kriegen.

„A man can make a difference“ wird im Dürener Lumen Kino am Mittwoch, 5. Oktober, um 10 Uhr für Schüler sowie um 19 Uhr für Erwachsene gezeigt. Der Eintritt zur Frühvorstellung für angemeldete Schulklassen ist frei. Regisseurin Ullabritt Horn steht nach den Vorführungen zum Gespräch bereit. Die Karten für die Abendvorstellung kosten 6 oder 9 Euro.

Gemeinschaftsprojekt

Partner in diesem Kooperations-Projekt sind das Stiftische Gymnasium Düren, das Amerika-Haus NRW, Köln, die Stadt Aachen/Stiftung Internationaler Karlspreis, und die RWTH Aachen.

Benjamin Ferencz wurde als 27-jähriger Harvard-Absolvent im Fach Jura „Chefankläger“ beim sogenannten „Einsatzgruppenprozess“ in Nürnberg. In dieser Zeit von 1945 bis 1949 musste der junge Anwalt, mit nur geringer juristischer Praxis, Hunderte von Kriegsverbrechern anklagen. Im Gespräch zeigt sich Benjamin Ferencz auch heute noch darüber entsetzt, dass sämtliche Angeklagten sich vor Gericht als „Nicht Schuldig“ einstuften, obwohl das Material, das gegen jeden Einzelnen von ihnen vorlag, erdrückend war.

Ferencz, das sagt er immer wieder, wollte und will den Opfern eine Stimme geben. Nur seinem Gewissen verantwortlich, verfolgt er das Ziel der angemessenen Bestrafung der Täter in oft als gerecht deklarierten Kriegen in Kombination mit einer Entschädigung der Opfer.

Seine Arbeit war nach Nürnberg noch nicht getan. Mit Blick auf die Ungerechtigkeiten der vielen Kriege nach 1945 strebte er bald eine internationale Institution an, die Kriege beobachten und Kriegsverbrecher zur Verantwortung ziehen kann. Die Idee eines „Internationalen Gerichtshofs“, seit 2002 in Den Haag etabliert, wurde geboren. Gegen den Widerstand vieler Länder, darunter sein Heimatland USA, kämpfte er für die Einrichtung einer solchen Gerichtsbarkeit, in der Kriegsverbrecher zur Verantwortung gezogen würden. „Denn Krieg“, so erklärt Ferencz immer wieder, „ist das größte Verbrechen gegen die Menschheit überhaupt.“

Filmemacherin Ullabritt Horn hat mit diesem kleinen, charismatischen Mann eine beeindruckende Dokumentation produziert. Mit Ferencz besuchte sie die Stätten, an denen er nach 1945 gewirkt hat. Bewegend der Besuch des Prozesssaals in Nürnberg.

Noch heute traumatisiert

Ferencz´ Kindheit in einer armen Einwanderfamilie in New York wird beleuchtet. An das Glück des Jungen, das College besuchen zu dürfen, um später in Harvard Jura zu studieren, wird erinnert.

Mit 27 Jahren betritt Benjamin Ferencz als amerikanischer Gefreiter am D-Day in der Normandie europäischen Boden. Er bekommt den Auftrag, sich nach der Kapitulation Nazi-Deutschlands um Kriegsverbrechen in Europa zu kümmern. Heute noch, so erzählt es der Film, ist Ferencz durch die Gräuel-Bilder in den KZs traumatisiert. Es ist für ihn unmöglich, die Erinnerungen an die unzähligen Leichen zu verarbeiten.

Die Ziele des Dokumentarfilms sind eindeutig. Er klärt über einen Teil der Nürnberger Prozesse auf, er erzählt die Historie, wie es trotz enormer Widerstände zum Internationalen Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag gekommen ist. Der Film ist eine Chronik der internationalen Strafverfolgung, die heute zwar aus den Kinderschuhen raus, aber noch nicht erwachsen geworden ist. Es ist das filmische Porträt eines faszinierenden Mannes, dessen Charisma selbst auf DVD beeindruckt. Urteil des FBW über den Film: Prädikat besonders wertvoll. Der Film ist im Übrigen während der Verleihung des diesjährigen Karlspreises an Papst Franziskus in Rom zeitgleich bei den Feierlichkeiten in Aachen gezeigt worden.

„Für die Schülerinnen und Schüler des Stiftischen Gymnasiums – wie auch für Schüler anderer Schulen, die den Film sehen werden, ist es wieder mal eine gute Gelegenheit, neben dem theoretischen Wissen über die NS-Zeit Bilder, Dokumente und Fakten aus dieser Epoche vor Augen geführt zu bekommen“, “, sagte Dr. Achim Jaeger, Lehrer am Stiftischen Gymnasium. Geschichte verbinde sich immer, so Jaeger, mit Gesichtern, in diesem Fall mit einem einzigen Gesicht, dem von Benjamin B. Ferencz – des Mannes, der den Unterschied ausmachen kann.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert