Figuren sind ein Teil des Lebens

Von: Bruno Elberfeld
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Der Vossenacker Ulrich M. Schnitzler restauriert Figuren einer Krippe, die sein Vater Ulrich Schnitzler (Senior) geschaffen hat. Foto: Bruno Elberfeld

Vossenack. Idylle pur im Atelier von Ulrich M. Schnitzler am Zweifaller Weg in Vossenack. Es liegt direkt neben seiner Tischlerei. Ulrich M. Schnitzler, 1967 geboren, ist Zimmermeister, seit Jahren überregional im maßgefertigtem Saunabau tätig. Das ist sein Geschäft. Doch wenn er Ruhe haben will, zieht er sich in seine kleine Arbeitsstube zurück, wo ein anderer Werkstoff auf ihn wartet: Wachs.

In welchem Verhältnis Bienen- und Kerzenwachs gemischt werden, verrät Schnitzler nicht. „Das ist das Geheimnis zwischen meinem Vater und mir“, erklärt er.

Abtauchen vom Alltagsstress

„Hier tauche ich ab vom Alltagsstress“, gesteht Ulrich M. Schnitzler, „hier werden meine Sinne wach.“ Die teilweise über 100 Jahre alten Figuren, die zur Restaurierung gebracht werden, erfordern äußerste Sensibilität. Hier zahlt sich die Routine aus, die seit Kinder- und Jugendtagen Schnitzlers Weg begleitete. „Was ich will, ist einfach“, stellt der Künstler fest, „ich möchte Altes bewahren und Neues schaffen, um den Menschen Freude zu bereiten.“

Gelernt hat Ulrich M. Schnitzler die Wachsfigurenkunst von seinem Vater Ulrich Schnitzler (Senior), der in Fachkreisen weit über die Region Aachen hinaus bekannt war. Alte Zeitungsausschnitte treten den Beweis an. Dankesschreiben aus aller Welt, an den damals liebevoll so genannten „Monsieur Tussaud aus Aachen“, erzählen von einer Kunst, die nicht mehr oft zu finden ist.

Der faszinierte Vater

Ulrich Schnitzler (Senior) erlernte das Formen von Wachsfiguren bei den „Schwestern vom armen Kinde Jesu“. Diesen Orden hatte Clara Fey im 19. Jahrhundert in Aachen gegründet. „Mein Vater war als Kind derart von dieser Kunst fasziniert, dass er sie, nachdem der Orden die Herstellung von Wachsfiguren eingestellt hatte, vom Ende der 60er Jahre an bis zu seinem Tod 2012 fortführte“, erinnert sich sein Sohn. Von frühester Jugend an ging er seinem Vater zur Hand, übernahm bald kleinere Arbeiten und wurde zum Gehilfen in allen Bereichen der Wachsfigurenkunst.

Für den Hobby-Imker Ulrich M. Schnitzler stand nach dem Tod seines Vaters die Weiterführung der Wachsfigurenkunst außer Frage. Seit drei Jahren produzieren 14 eigene Bienenvölker direkt neben seinem Atelier Honig und Bienenwachs. „Die Wachsfigurenkunst ist mein Hobby, ein Teil meines Lebens“, bekennt Schnitzler. Der Künstler schafft neue Figuren und Plastiken nach Vorlagen von Auftraggebern oder nach eigenen Ideen. Zurzeit entfällt die Hauptarbeit auf Restaurierungen, zu sehen in einigen Kirchen in der Region, deren Krippenfiguren in die Jahre gekommen waren.

Dass Restauratoren alter Wachsfiguren manchmal auch zu Archäologen werden, ist nicht vielen Zeitgenossen bekannt. Früher wurden nur Kopf, Hände, Füße, aus Wachs geformt. Aus Ersparnisgründen fertigte man die unsichtbaren Körper aus Pappmaché. In die Hohlräume stopften die Künstler meist alte Zeitungen, die heute als Dokumente einer verflossenen Epoche zum Vorschein kommen. „So werde ich mit der Vergangenheit konfrontiert“, sagt der Wachsfigurenkünstler und schmunzelt.

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