FG Aachen/Düsseldorf: Die Traurigkeit über einen Reserveplatz wird überspielt

Von: Helga Raue
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Diese charmante Hilfe bei der Vorbereitung nimmt Tänzer Julian Bruns sichtlich gerne in Anspruch: Jennifer Hälsig (links) und Amy Rockx unterstützen ihr FG-Team, wo es nur geht. Foto: Jürgen Karl
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Feuern ihre Team-Kollegen an: Amy Rockx und Thomas Strauchen.

Düren. Die Haare sind schon streng nach hinten geknotet, ein auffälliger Lidstrich läuft um die Augen, die aber traurig schauen. Unschwer ist Amy Rockx als Tänzerin zu erkennen, doch Make up und Frisur sind nicht fertig, statt in einem wunderschönen Kleid steckt sie im Trainingsanzug.

Die 26-Jährige ist ebenso wie Jennifer Hälsig und Thomas „Tom“ Strauchen in dieser Saison „nur“ Ersatz. Beim Bundesliga-Finale in der Arena Kreis Düren müssen sie zuschauen, wie ihr Team, die FG Tanzsportzentrum Aachen/Düsseldorf von über 1300 Zuschauern begeistert gefeiert wird.

„Nur“ Ersatz – das schmerzt. Amy Rockx, gebürtig aus Breda, ist wegen ihres Hobbys sogar nach Aachen gezogen. „Diese Saison ist für mich das Schlimmste, was passieren konnte. Da hätte ich doch lieber ein Bein gebrochen und so akzeptieren müssen, dass ich nicht tanzen kann“, sagt sie traurig.

„Wir müssen die Fassade aufrecht halten. Vor dem Team lassen wir uns nichts anmerken, da wollen wir helfen, für die anderen da sein, damit sie ihre beste Leistung zeigen können. Aber wenn wir aus der Kabine raus sind, fällt das Dauergrinsen von uns ab“, sagt Jennifer Hälsig wehmütig. Dabei ist der Trainingsaufwand für alle gleich: „30 Stunden in der Woche kommen da zusammen. Für nichts – unser einziger Lohn ist der Beifall des Publikums. Und den bekommen wir jetzt auch nicht.“ Vergangene Saison tanzte die 26-Jährige noch alle Turniere, diese Saison waren es nur zwei. Dabei hatte sie mit Blick auf den Tanzsport den Beruf an den Nagel gehängt und ein Lehramtsstudium begonnen. „Alles fürs Tanzen...“

Schon um 10 Uhr war das FG-Team am Samstag in der Arena erschienen – neun Stunden vor dem Startschuss. Hinter den Kulissen wird geschminkt, frisiert – mittendrin die drei Ersatzleute, die den Kollegen helfen. Denn bis eine Formation fertig ist, vergehen Stunden. 14 Uhr – Stellprobe: Das FG-Team darf 20 Minuten lang in Trainingsoutfits aufs Parkett, um sich vorzubereiten. Die Fixpunkte, an denen sich die Tänzer orientieren, werden festgelegt, ein letztes Mal gehen die Trainer Oliver Seefeldt und Bernd Waldschmidt die Schwierigkeiten durch. 18 Uhr – das Team ist startbereit, perfekt gestylt in den wunderschönen Kostümen. Amy und Tom stehen in Trainingsanzügen bereit, falls noch jemand ausfällt.

Doch an diesem Abend bleibt dem Trio nur die lautstarke Anfeuerung der Kollegen, die auf dem Parkett eine „Sensationsleistung“ (O-Ton Seefeldt) abrufen und hinter Weltmeister Bremen Zweiter werden. Während die Mädels traurig sind, wirkt Tom Strauchen gelassen. Der 34-Jährige hatte seine Karriere Ende vergangener Saison in Düren beendet, doch FG-Cheftrainer Seefeldt hatte den erfahrenen Tänzer gebeten, wenigstens als Ersatz zur Verfügung zu stehen.

„Das war schon ein komisches Gefühl, dazuzugehören, aber nicht zu tanzen“, sagt Strauchen, der das Team zu allen Turnieren inklusive WM begleitete. Da die Grippe auch vor Tänzern nicht Halt machte, musste der 34-Jährige in Bremerhaven einspringen – mit „fatalen“ Folgen. Tom Strauchen lacht: „Ich habe wieder Blut geleckt, wollte mehr. Und ich habe entschieden, dass ich noch ein Jahr dranhänge und nächste Saison weitertanzen.“

Kein Wunder, denn 2014 lockt – neben dem Bundesliga-Turnier am 25. Januar – die Europameisterschaft am 3. Mai in der Arena Kreis Düren, die das Tanzsportzentrum Aachen ausrichtet. Und dort will Strauchen mit dem FG-Team nach einer Medaille greifen. 2011 hatte er bereits EM-Bronze gewonnen – ein Erfolg, den er mit der Lateinformation am 18. Mai in Litauen wiederholen könnte. Da zwei Tänzer ihre Karriere in Düren vorzeitig beendeten, „tanze ich bei der EM in Litauen“, sagt Strauchen und strahlt nun. Amy Rockx oder Jennifer Hälsig – eine von beiden wird ebenfalls im FG-Team auf dem Parkett stehen und als Lohn den Beifall des Publikums bekommen.

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