Festival „Spannungen“: Es kommt auf die Gemeinschaft an

Von: Sandra Kinkel
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Zum Jubiläum konnten Dr. Hans-Joachim Güttler, Ludwig Kons und Rainer Hegmann (v.r.) Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) begrüßen. Foto: kin
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Cellist Gustav Rivinius ist seit der 3. Auflage von „Spannungen“ dabei. Foto: kin
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Kammermusik-Fan Klaus Zimmerhof hat nur das erste Festival verpasst. Foto: kin
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Beim ersten Festival konnte Lars Vogt (2. v. l.) Konrad Beikircher (l.) nach Heimbach holen. Wilfried Nachtigall (4. v. r.) gehörte damals schon zum Team des Kunstfördervereins. Foto: Kunstförderverein

Heimbach. Das erste Festival hat er dummerweise verpasst, aber seit 18 Jahren macht Klaus Zimmerhof (68) jedes Jahr knapp zehn Tage Urlaub in Heimbach. Kammermusik-Urlaub sozusagen. Seitdem der Bankkaufmann aus Velbert 1998 zum ersten Mal von „Spannungen“ gehört hat, hat er kein einziges Konzert dieser Reihe versäumt. Keine Frage, dass er auch beim 20. Festival-Geburtstag in der Eifel mit von der Partie ist.

Auch nach zwei Jahrzehnten hat die vom Dürener Pianisten Lars Vogt initiierte Reihe offenbar nichts an Attraktivität verloren – im Gegenteil: Am ersten Vorverkaufstag war das Festival binnen weniger Stunden nahezu ausverkauft – immerhin 97,9 Prozent aller Eintrittskarten waren weg. Aber was macht den Reiz von „Spannungen“ eigentlich aus?

„Ich besuche im Schnitt 100 Konzerte im Jahr“, sagt Klaus Zimmerhof. „Einfach, weil ich klassische Musik und vor allem auch Kammermusik liebe. Aber Heimbach ist etwas Besonderes. Die Atmosphäre ist einfach ganz wunderbar. Nach Heimbach zu kommen, ist für mich wie nach Hause zu kommen.“ Kein Wunder also, dass Zimmerhof Ende März regelmäßig ziemlich nervös wird.

„Am letzten März-Samstag startet der Vorverkauf“, erzählt der Musikliebhaber. „Schon Tage vorher drucke ich mir das Formular für die Ticketbestellung aus, fülle es aus, damit ich es an dem besagten Tag um 10 Uhr nur noch versenden muss. Zum Glück habe ich bisher immer Karten bekommen. Alles andere wäre eine Katastrophe.“

Einer, der „Spannungen“ kennt wie kaum ein anderer, ist Wilfried Nachtigall. Der 84-Jährige war Musik- und Englischlehrer sowie stellvertretender Schulleiter am Gymnasium am Wirteltor in Düren und kannte Lars Vogt schon als Schüler. „Irgendwann kam Lars dann zu mir und hat gefragt, ob ich Lust hätte, bei einem neuen Kammermusikfestival in Heimbach mitzuhelfen.“ Nachtigall hatte Lust und kümmert sich seitdem um die Künstler. „Das war mir von Anfang wichtig“, sagt er.

„Ich wollte etwas für die Musiker tun.“ Für Menschen, die Nachtigall zwar vom Namen her kannte, die er aber nie persönlich getroffen hatte. „Plötzlich standen die vor mir, wir haben abends zusammen gegessen. Das war ein besonderes Gefühl.“ 20 Jahre „Spannungen“, ergänzt Nachtigall, der mittlerweile von Düren nach Bremen gezogen ist, „haben mich schon geprägt. Und ich glaube, dass ich auch ein Stück weit zum besonderen Geist dieses Festivals beitragen konnte.“

Wilfried Nachtigall zieht sich nach der aktuellen Festival-Woche aus dem Kreis der aktiven Helfer zurück. „Ich finde es zwar richtig, dass ich aufhöre“, sagt Nachtigall, der viele Jahre auch die Probenpläne in Heimbach verantwortet hat. „Aber es schwingt auch eine gehörige Portion Demut mit. Und sehr viel Dankbarkeit für die vergangenen 20 Jahre.“

„Bei ‚Spannungen‘ kommt es nicht auf die Karriere und das Ego eines einzelnen an“, hat es Dr. Hans-Joachim Güttler, Vorsitzender des Kunstfördervereins des Kreises Düren, beim Sponsorenkonzert am Freitagabend formuliert. „Es kommt auf die Gemeinschaft an. Das sehen die Musiker so, das gilt aber für uns im Kunstförderverein auch.“

Prominentester Gast am Freitag war ohne Zweifel Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD). Und auch der lobte die besondere „Spannungen“-Atmosphäre. „Meine Frau ist großer Kammermusikfan und vor allem auch Fan dieses Festivals. Das, was Sie hier in Heimbach haben, ist etwas sehr Außergewöhnliches.“ Und was sagen die Musiker selbst zum „Heimbach-Spirit“?

Cellist Gustav Rivinius (51) ist seit der dritten „Spannungen“-Auflage dabei und beschreibt es so: „Der Kern der Musiker stammen aus der gleichen Generation. Wir kennen uns viele Jahre. Ich habe mit Geiger Christian Tetzlaff früher zusammen im Bundesjugendorchester gespielt. Heimbach ist ein bisschen so wie eine Jugendfreizeitfahrt. Man fühlt sich heimisch und trifft unglaublich viele Freunde.“ Gleichwohl, ergänzt Rivinius, bedeute Heimbach auch viel Arbeit und noch mehr Konzentration.

„Wir haben manchmal nach den Konzerten noch eine Probe. Aber das ist es eben auch, was die Musiker in Heimbach ausmacht. Es gibt keine Tabus, alle sind froh, dass sie arbeiten dürfen.“ Nicht zuletzt auch wegen Zuschauern wie Klaus Zimmerhof. „Für die Zuschauer ist es schon ein größerer Aufwand, nach Heimbach zu kommen als zu einem Konzert in einer Stadt“, sagt Rivinius. „Aber die Menschen, die hier bei den Konzerten sind, wollen das, was wir machen, unbedingt hören. Das ist schon ein exklusives Gefühl.“ Festival-Geflüster

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