Ferien: Weniger Arbeit für die Bakterien

Von: Sarah Maria Berners
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Die einzige Stelle der Kläranlage, wo es ein wenig stinkt, ist dort, wo die Abwässer offen in den Klärprozess kommen. So stark, dass man sich die Nase zuhalten möchte, ist der Geruch aber nicht. Foto: smb

Düren. Wenn sich die Autobahnen in der Ferienzeit füllen, dann macht sich die Reisewelle auch in der Dürener Kläranlage bemerkbar. Denn dort kommt in diesen Tagen deutlich weniger Abwasser an als im Jahresdurchschnitt.

Geklärt wird dort trotzdem rund um die Uhr. Eine Gruppe von DZ-Lesern hatte nun im Rahmen der Sommertour die Gelegenheit, sich den interessanten Prozess einmal genauer anzusehen. „Man nimmt es so als selbstverständlich hin, dass das unser Abwasser sauber in die Flüsse und das Meer fließt. Aber mit Blick auf viele Länder in der Welt ist es das eigentlich nicht“, sagte eine Teilnehmerin.

Und es ist auch gar nicht so lange her, da flossen die Abwässer der Region ungeklärt in die Rur. Nach der mechanischen Reinigung, bei der grobe Stoffe aus dem Abwasser geholt werden, war in den 70er Jahren schon Schluss. Heute ist dies nur ein erster Schritt der Abwasserreinigung: Mit einer Art Rechen wird das Abwasser zum ersten Mal grob gereinigt (siehe „Einblicke“), im sogenannten Sand und Fettfang werden dann Sand und feinere Dreckpartikel, die beispielsweise bei Regen in den Kanal gespült werden, herausgefiltert. Ebenso Fettreste aus der Küche. „Der Sand kann gereinigt wieder für den Straßenbau verwendet werden“, erklärte Marcus Seiler vom Wasserverband Eifel-Rur, der die Leser über das Gelände führte.

Milliarden kleine Helfer

Dann wird das Wasser in die Vorklärbecken geleitet, in denen sich Schwebstoffe am Boden absetzen. Früher ging das Abwasser von dort in die Rur. Und mit ihm alle Stoffe, die im Wasser gelöst waren: Zucker und Urin ebenso wie Salze und die gelösten Rückstände von Düngemitteln, zum Beispiel Phosphor.

„Das hatte damals vielerorts zur Folge, dass in den Flüssen die Algen wuchsen und wuchsen“, sagte Seiler. Ende der 80er Jahren sei dann die biologische Reinigung etabliert worden. Seitdem arbeiten unzählige Bakterien und Mikroorganismen für den Wasserverband. Sie „verspeisen“ die Stoffe im Wasser, eliminieren schädliche Bestandteile und wandeln sie in andere Stoffe um. Die Mitarbeiter auf der Kläranlage schaffen dafür die richtigen Bedingungen und haben auch sonst alle Feinheiten im Blick.

„Etwa 20 Tage ist eine solches Bakterium im Diensten des Wasserverbandes, dann stirbt es ab“, erklärte Seiler. Da sich die Bakterien aber ständig vermehren, gibt es eher einen Überschuss als einen Mangel. Im Nachklärbecken werden Wasser und Bakterienmasse voneinander getrennt, das Wasser wird noch mal gefiltert und dann in die Rur geleitet. Zwölf bis 24 Stunden dauert die Reinigung des Abwassers, das zur Hälfte aus der Industrie kommt.

Ein Teil der Bakterien wird zurück in die Klärbecken gepumpt, der Überschuss wird in den Faulturm gebracht. Dort wird er mit dem eingedickten Klärschlamm aus der Vorklärung in die weithin sichtbaren Faulbehälter gepumpt. Denn das, was aus dem Wasser entnommen wurde, hat durchaus noch einen Nutzen: In den Faulbehältern zersetzen Bakterien die Masse weiter und produzieren Methan. Das Gas wird für die Stromproduktion verwendet, die entstehende Hitze zum Beispiel für das Heizen der Büros. Nach etwa 20 Tagen wird der Schlamm getrocknet und verbrannt.

„In der Zukunft wird es darum gehen, zum Beispiel mit Ozon Rückstände von Medikamenten aus dem Wasser zu holen“, erklärte Seiler. Außerdem werde es immer wichtiger, den im Abwasser enthaltenen Phosphor künftig wieder für als Düngemittel nutzbar zu machen.

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