Düren - Feinste Nuancen und explosive Dynamik

Feinste Nuancen und explosive Dynamik

Von: Hannes Schmitz
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Sie begeisterten das Publikum in der Annakirche mit ihrer Klezmermusik und führten die Zuhörer in eine tief empfundene Klangwelt: das Quartett „Dance of Joy“. Foto: Hannes Schmitz

Düren. Der Auftakt zu der Reihe „Konzerte in St. Anna“ war vielversprechend. Mit „Dance of Joy“ gastierte ein Quartett, das nicht ohne Grund als „Meister der Klezmermusik“ gilt. Mit überschäumendem Temperament und viel Einfühlungsvermögen, mit Humor und Charme spielten sich Johanna Schmidt (Violine), Johannes Flamm (Klarinette), Alfred Krauss (Akkordeon) und Werner Lauscher (Bass) in die Herzen ihrer Zuhörer.

Da wurde beinahe der Altarraum zum Tanzsaal, wenn Klarinettist Johannes Flamm sein Instrument erklingen ließ und ihm faszinierende Töne entlockte, während der Musiker selbst zum „Tänzer“ und Bewegungskünstler wurde und sich im Takt der Musik wog.

Glanzvolle Soli auf der Klarinette, dem Sopransaxophon oder der Bass-Klarinette, die von Freude und Schmerz erzählten und musikalische Funken sprühen ließen, die das faszinierte Publikum erreichte, das schon beim ersten Song Feuer fing. Es waren Lieder ohne Worte, die die Aachener Gruppe spielte, die aber jeder im Seitenschiff der Kirche verstand. Gefühle von himmelhoch jauchzend bis zu schier unendlicher Traurigkeit fanden sich in den Melodien wieder, die zum Teil auf den ursprünglichen Klezmer zurück führten oder aber von den Musikern komponiert worden waren.

Das Quartett schwebte in orientalischen Sphären oder „wirbelte“ erdverbunden in den Rhythmen des Balkans. Jüdisch religiöses und kulturelles Leben wurde durch die Klezmermusik den Zuhörern nahe gebracht, aber auch Interpretationen die Sinti-Musik als Grundlage hatten bis hin zu Anklängen von Jazz und Blues.

Bei „Dance of Joy“ hatte man nie das Gefühl, dass Ursprüngliches nur nach gespielt wurde, vielmehr gab die Gruppe „alten“ Kompositionen ein neues Gewand. Die Mitglieder des Ensembles waren, sobald sie als Solist auftraten, originelle Interpreten, die mit explosiver Dynamik, feinsten Nuancen und überraschenden Phrasierungen ein Konzert boten, das im Gedächtnis haften bleiben wird. Johanna Schmidt zeigte auf ihrer Violine und Bratsche ein verblüffendes Facettenspiel, verstand es die Glut der Leidenschaft in das Gotteshaus zu zaubern oder in meditativer Einfachheit zu versinken.

Die „heimlichen Stars“ des Konzertes waren aber Alfred Krauss am Akkordeon mit der Klangvielfalt seines Instruments und der hervorragende Bassist Werner Lauscher mit seinen eindrucksvollen Läufen. Sie bereiteten den Klangteppich vor, waren die exzellente Rhythmusgruppe, wenn Geige oder Klarinette ins lyrische Verträumte abhoben oder zu beschwingten Tänzen aufspielten und dabei die Stücke mit Verve einleiteten und ausklingen ließen.

Der Konzertabend in der Annakirche führte in eine tief empfundene Klangwelt, die durch ihre Buntheit und melodiöse Vielfalt bestach.

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