Feinpapierhersteller Reflex: Zauberwort heißt Flexibilisierung

Von: Jörg Abels
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Der neue Geschäftsführer Hariolf Koeder (l.) blickt mit seinen Kollegen Dieter Raak und Sayit Balaban (r.) optimistisch in die Zukunft des Feinpapierherstellers Reflex an der Veldener Straße. Foto: Jörg Abels

Düren. Aufbruchstimmung und Optimismus sind spürbar. In der Papierfabrik Reflex an der Veldener Straße weht ein neuer Wind. Hariolf Koeder, Geschäftsführer der neu gegründeten Reflex GmbH & Co. KG, ist fest davon überzeugt, dass das traditionsreiche Unternehmen trotz des seit Jahren schrumpfenden Feinpapiermarktes eine Zukunft haben wird.

Mehr noch: Das Unternehmen hätte angesichts seiner starken Marken und motivierten Mitarbeiter vor anderthalb Jahren nie in die Insolvenz gehen dürfen, erklärt der gebürtige Schwabe, der bereits seit Ende 2013 als Berater an der Neuausrichtung des Werks beteiligt ist.

Vom Erfolg der neuen Mehrsäulenstrategie sind auch die neuen Besitzer überzeugt, ein privates Familienkonsortium aus dem Rheinland als Mehrheitsgesellschafter und der Lendersdorfer Papierverarbeiter May + Spies, die das Werk zum 1. Februar übernommen haben. Sie wollen in den kommenden Jahren mehrere Millionen Euro in das Traditionsunternehmen investieren und haben zu allererst den 67 verbliebenen Mitarbeitern als Vertrauensbeweis eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2017 gegeben.

Mittelfristig sollen auch wieder Arbeitsplätze geschaffen werden. Koeder kündigt bereits binnen Jahresfrist die Rückkehr zum Vier-Schicht-System an, sollte sich die Neukundengewinnung wie geplant entwickeln.

„Die Investoren sind an einer langfristigen Entwicklung des Unternehmens interessiert“, betont der Geschäftsführer und stellt fest: „Drei bis fünf Jahre werden wir benötigen, bis das Unternehmen so aufgestellt ist, wie wir es uns vorstellen.“ In einem ersten Schritt soll die Produktionsmenge bis Ende 2017 von derzeit 6000 bis 7000 Tonnen pro Jahr wieder auf mehr als 10.000 Tonnen ansteigen. Koeder spricht von einem konservativ gerechneten Geschäftsplan.

Das Zauberwort heißt Flexibilisierung. Aus Reflex soll ein Spezialpapieranbieter für Nischenprodukte werden. Koeder nennt neben hochwertigen Etikettenpapieren ein Beispiel aus dem Bereich technischer Anwendungen: ein spezialbeschichtetes Papier zur Isolation von Kühlanlagen, das bei Zulieferern der Automobilindustrie ebenso zum Einsatz kommt wie in vielen Bereichen der Elektroindustrie. Er spricht von einer „Perle in unserem Programm“, die bislang einfach nicht im Fokus gestanden habe und mit der man nun neue Märkte und Kunden erschließen wolle.

Der neue Geschäftsführer, der seit 25 Jahren in der Papierindustrie tätig ist, glaubt aber auch an die Zukunft der grafischen Papiere aus dem „Zanders Premium Programm“. Wenn in Unternehmen noch Briefe geschrieben werden, gehe der Trend dahin, diese auf hochwertigem Wasserzeichen-Papier zu verschicken, beispielsweise mit dem eigenen Firmenlogo. Auch in diesem Bereich sieht er große Chancen für Reflex. Zum vierten Standbein der Mehrsäulenstrategie wollte er sich noch nicht äußern. Von einem Wettbewerber will Reflex noch ein weiteres Geschäftsfeld übernehmen, spruchreif aber ist das Engagement noch nicht.

Investiert wird nicht nur in neue Mitarbeiter, in schlankere und flexiblere Arbeitsprozesse, die eine große Angebotsvielfalt ermöglichen sollen, und in eine neue Energieversorgung, sondern auch in neue Vertriebsstrukturen. Zuletzt vernachlässigte Absatzmärkte in Europa außerhalb der „DACH“-Staaten Deutschland, Österreich und Schweiz sollen in den Fokus rücken, auch die Expansion nach Übersee ist geplant. Eine Vermietung oder gar der Verkauf leerstehender Produktionshallen und Büroräume sei denkbar, stünde aber derzeit nicht zur Debatte.

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