Zülpich - Feinklirrend und mit nordischer Noblesse

Feinklirrend und mit nordischer Noblesse

Von: cd
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Kraftvoll und leidenschaftlich: Das „Junge Orchester NRW” gab ein umjubeltes Konzert in der Remise auf Burg Langendorf. Foto: Dietl

Zülpich. Herzlich und mit großem Applaus begrüßten die Zuschauer das „Junge Orchester NRW”, das in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert. Auf Burg Langendorf bei Zülpich gastierten die 80 Musiker bereits zum vierten Mal.

Dirigent Ingo Ernst Reihl kommt gerne in die Remise, den historischen Konzertraum, dessen Gebälk mit der Musik mitzuschwingen scheint. Doch Charme und gute Akustik sind nicht die einzigen Gründe: „Die Gastfreundschaft des Burgherrn Manfred Vetter ist außerordentlich”, sagte Reihl.

Ein sinfonisches Gedicht

Außerordentlich war auch das Festkonzertprogramm der jungen Musiker. Sie spielten Werke von Jean Sibelius (1865-1957) und Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840-1893). Für Ingo Ernst Reihl ist dieses Jubiläum auch ein persönlicher Erfolg. Er war es nämlich, der vor einem Vierteljahrhundert als 15-jähriger Jungstudent musikbegeisterte Jugendliche aus Nordrhein-Westfalen zu wöchentlichen Proben versammelte. Gemeinsam gründeten sie das Junge Orchester NRW und konzertierten bereits ein Jahr später 1986 mit drei sinfonischen Programmen.

Schon zu Beginn bestachen die Musiker mit wuchtigen Einleitungsakkorden des populären Stückes „Finlandia” op. 26 von Jean Sibelius. Der finnische Komponist selbst bezeichnete sein patriotisches Werk als ein sinfonisches Gedicht. Es ist eine Reminiszenz an seine Heimat, geprägt von einem sehnsuchtsvollen und doch feierlichen Charakter. Zunächst ruhevoll und fließend erhob sich nach und nach jene dramatische Steigerung des Ausdrucks, der in einen machtvollen, tief berührenden großen Hymnus gipfelt.

Mit einem starken Stück von Sibelius ging es weiter, feinklirrend und mit nordischer Noblesse. Pia Grutschus übernahm den Solopart im Violinkonzert d-Moll op. 47. Es begann ohne ausgedehntes Orchestervorspiel mit einer glasklaren, aber wunderschönen Melodie der Solovioline über einem geheimnisvollen Schleier der Streicher. Der erste Satz erinnerte an eine weite finnische Landschaft mit ihrer erhabenen Natur, schneebedeckt, grauer Himmel und war geprägt von Melancholie und Einsamkeit. Wunderbar verstand es die 26-jährige Violinistin, die Tiefe auszukosten und mit der unglaublichen Spannung zu spielen. Ähnlich der zweite Satz. Ein stetes Ansteigen der Intensität, ein gekonnter Wechsel zwischen Solistin und Orchester und eklatante Schwermut auf unruhigem Grundrhythmus. Im ekstatischen Finale schließlich gerät dieser Rhythmus zum wütenden Puls, den Pia Grutschus jedoch zu zügeln wusste, während ihre Violine in freier Entfaltung tobte.

Nach der Pause folgte die 4. Sinfonie f-Moll, op. 36 von Tschaikowsky. Dramatisch kam der erste Satz daher, faszinierend das kraftvolle, leidenschaftliche Spiel des Orchesters. Es folgte ein inniges Andantino, das von einer lyrisch-melancholischen Oboen-Kantinele eingeleitet und vom Orchester aufgegriffen wurde.

Bevor es zum volksfestartigen Schlusssatz kam, haschte ein effektvolles Pizzicato der Streicher durch den dritten Satz. Schmetternd und sich fulminant steigernd das Finale: Der Saal bebte. Die Tschaikowsky-Klänge verfehlten ihre Wirkung nicht. Orchester und Dirigent wurden mit stürmischem Beifall gefeiert.
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