FC Golzheim: Ein vereinsloser Nationalspieler beim Training

Von: Kevin Teichmann
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Andrej Lugowoj, Trainer des FC Golzheim III. Foto: Teichmann
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2012 trug Marat Izmailov (r.) noch das Trikot des russischen Nationalteams, im vergangenen Oktober hielt sich der mittlerweile vereinslose Kicker beim FC Golzheim fit. Foto: dpa

Golzheim. Andrej Lugowoj ist ein freundlicher Mann. Der Deutsch-Russe lädt die Leute, mit denen er sich unterhält, gerne auch mal auf einen Kaffee zu sich nach Hause ein. Lugowoj mag kein Mann der großen Worte sein. Sein Blick schweift zum Fernseher rüber. Natürlich ist der Ton runtergedreht.

Dennoch merkt er beim Betrachten der Fernsehbilder – es laufen Zusammenfassungen der Fußball-EM-Spiele – an, dass Russland „besonders schlecht“ abgeschnitten habe. „Da hätte ich auch mit meiner Mannschaft hinfahren können. Gleiches Ergebnis“, lacht der 42-Jährige.

Lugowoj ist Trainer des FC Golzheim III, Kreisliga C, Staffel 5, – einer Mannschaft, die nur aus Deutsch-Russen besteht, die alle miteinander befreundet sind und zuvor Hobbykicker waren. „Der Verein hat uns sofort aufgenommen und uns komplett ins Vereinsleben integriert.

Für die Kreisliga C haben wir eigentlich sogar zu viele Fans, die uns lautstark bei Heim- und Auswärtsspielen unterstützen“, strahlt Lugowoj, der mit seinem Kader nach der Sommerpause in die dritte Saison geht. Das Team möchte nach zwei Spielzeiten, die auf dem dritten Platz beendet wurden, den Aufstieg in die Kreisliga B packen „und unseren Fans dadurch etwas zurückgeben“.

Lugowoj kann die Resultate der russischen Nationalelf ganz gut einordnen. Bei zwei von drei Gruppenspielen war er selbst im Stadion. Gegen die Engländer reichte es noch zu einem glücklichen 1:1 kurz vor dem Schlusspfiff, dann musste er die 1:2-Niederlage gegen die Slowakei miterleben. Zumindest zwischendurch sah er ganz entspannt das Spitzenspiel Belgien gegen Italien.

Danach ist Andrej Lugowoj wieder nach Hause gefahren, obwohl er noch Karten für das Spiel der Russen gegen die Waliser hatte. „Von Lille bis nach Toulouse war dann doch zu weit.“ Mit dem Auto ein „kleiner“ Umweg von rund 2000 Kilometern nach Düren. Angesichts der 0:3-Klatsche gegen Wales eine gute Entscheidung, die Zelte früher abzubrechen.

Zurück in Düren zog es ihn direkt wieder zum Sportplatz an der Herderstraße. Dort hatte Andrej Lugowoj vergangenen Oktober einen ganz besonderen Trainingsgast. Marat Izmailov (33), Profi-Fußballer und ehemaliger russischer Nationalspieler. Selbstredend taucht ein Profi-Fußballer nicht einfach so bei einem C-Ligisten auf. Izmailov und Lugowoj sind seit 2012 befreundet, lernten sich über einen gemeinsamen Freund – einen russischen Journalisten, der in Köln lebt – am Rande eines Länderspiels bei der EM in Polen/Ukraine kennen.

„Der Kontakt ist nie abgerissen“, freut sich Lugowoj über den dazugewonnenen Freund. Izmailov lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Lissabon, stand zuletzt beim FC Porto (Portugiesische Erste Liga), an den FK Krasnodar (Russische Erste Liga) ausgeliehen, unter Vertrag. Letzten Sommer wurde er jedoch vereinslos.

Izmailov besuchte nach ausbleibenden Angeboten den Journalisten in Köln. Schnell ging der Griff zum Hörer, um auch Andrej Lugowoj anzurufen. Kurzerhand fragte der offensive Mittelfeldakteur den Golzheim-III-Coach, ob er sich mit seiner Unterstützung auf der Golzheimer Anlage fit halten dürfe. Klar durfte er.

„Anfangs habe ich mit ihm Einzeltraining gemacht. Fußball ist aber ein Mannschaftssport, deshalb habe ich ihn meinen Jungs vorgestellt“, sorgte Lugowoj bei seinem Team für staunende Blicke: „Meine Mannschaft hat mir erst nicht geglaubt. Die Jungs dachten, ich mache Spaß.“ Aber Lugowoj veräppelte seine Mannen nicht. „Marat hat meinem Team von Anfang an gesagt, dass er eins nicht kann: verlieren. Seinen unbändigen Willen und Ehrgeiz hat man in jeder Trainingseinheit gemerkt. Ich habe einmal als Schiri in einem Trainingsspiel ein Foul von ihm abgepfiffen, da hat er ganz schön laut mit mir geschimpft“, erinnert sich der Trainer augenzwinkernd.

„Trainingsbeteiligung und -einsatz sind sofort um zehn Prozent gestiegen“, kann er sogar einen positiven Effekt bei seiner Mannschaft wahrnehmen. Und plötzlich hatte die dritte Golzheimer Mannschaft auch besonders viele Trainingskiebitze: „Russen aus dem ganzen Kreis Düren kamen, um Marat zu sehen.

So viel Begeisterung hat Marat Izmailov gefreut. „Er mag Deutschland und interessiert sich für die deutsche Kultur. Ich hoffe, dass er eines Tages für den FC Golzheim die Schuhe schnürt“, wünscht sich Lugowoj ein Wiedersehen. Vor allem wünscht er seinem Freund Marat aber, dass dieser noch einmal für das Nationalteam berufen wird: „Es wäre ein guter Abschluss, wenn er bei der Heim-WM in Russland spielt.“

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