Faszinierende Musikgeschichten auf Schloss Burgau

Von: Christoph Hahn
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Begeisterten ihre Zuhörer mit der vitalen Leidenschaft des Tango und anderer südamerikanischer Rhythmen: Pianist Gonzalo Gravina und Gitarrist Pablo Campora faszinierten ihr Publikum beim Konzert in Schloss Burgau. Foto: Christoph Hahn

Niederau. „Ist hier nie was los, oder sind wir wirklich so gut?” Schelmisch stellt Pablo Campora, Gitarrist und Conferencier in einer Person, diese Frage an den Beginn des Konzertes, dass er mit seinem musikalischen Partner Gonzalo Gravina (Klavier) in Schloss Burgau gibt.

Erstens ist im Saal an historischer Stätte noch nicht einmal für den schlanksten Hering Platz - so überragend ist das Publikumsinteresse, dass laufend nachbestuhlt werden muss. Zweitens sind die beiden Musiker aus Uruguay seit Jahr und Tag gern gesehene Gäste im Konzertforum der „Cappella Villa Duria”.

Campora und Gravina boten die klassische Musik ihrer südamerikanischen Heimat (Tango, aber nicht nur) - mit hoher Intensität.

Beide gaben alles - und stellten ziemlich bald fest, dass der Tango nicht im auf der anderen Seite des Rio de la Plata liegenden Argentinien, sondern selbstredend in Uruguay zur Welt gekommen ist.

Wiewohl Pablo Campora seine Musik beredt darzustellen wusste: Vor allem ließen er und sein Mitstreiter am Flügel die Klänge sprechen. Viele Geschichten gab´s, die die Musiker an der Gitarre zu erzählen hatten.

Turteltauben, schwarze Augen und dubiose Kneipen in Montevideo: Sie alle spielten - zumindest den Titeln und interpretierten Kompositionen nach - für ein paar Minuten im Saal des Schlosses eine Rolle.

So kam es, dass das Duo im Verlauf des rund zweistündigen Konzerts dem faszinierten Publikum von Liebe, Leiden und anderen Gefühlen berichten - nicht geschwätzig parlierend, sondern in der sehr viel aussagekräftigeren Sprache der Töne.

Dass das den beiden in Düren so beliebten Künstlern derart überzeugend gelang, lag nicht nur an den geschickt ausgewählten Werken, sondern auch an der kultivierten Art des musikalischen Miteinanders, das Gitarrist und Pianist entwickelten. Viel wird improvisiert, wohl auch aus der profunden Konzert-Erfahrung heraus. Viel ergibt sich aus dem Hören auf einander: Ein Thema wird sensibel eingeführt und steigert sich dann im Dialog zwischen Klavier und Gitarre zur tosenden Leidenschaft.

Gravina und Campora entwickeln und steigern jeden Tango im Wechselspiel. Kein Klang, keine Facette ist ihnen dabei wirklich fremd - zartes Zirpen ebenso wenig wie stürmische Passion.

Der Tango ist bei diesem Schlosskonzert übrigens nur die „halbe Miete”: Mit Lust und versierter Kenntnis verstehen es die Musiker gleichermaßen, wichtige Stücke der mitteleuropäischen Musikliteratur in ein lateinamerikanisches Gewand zu hüllen. Da beginnt bei der „Bonner Milonga” Beethovens „Für Elise” sinnenfroh zu tanzen, werden bei der „Candomb des Winters” Themen aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten” verwendet und vibriert das deutsche Volkslied „Ännchen von Tharau” im Samba-Gewand.

Pablo Campora und Gonzalo Gravina zuzuhören, ist eine wahre Lust. Kein Wunder, dass sich das Publikum jetzt schon auf das Wiedersehen und -hören mit den beiden Künstlern aus Uruguay freut.
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