Familienkonflikt: Söhne des Angeklagten sagen für Vater aus

Von: Wolfgang Schumacher
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Im Prozess wegen einer Ehrauseinandersetzung zwischen zwei türkischen Familien wurden am Dienstag weitere Zeugen gehört. Symbolbild: dpa

Aachen/Düren. Eigentlich, erklärte der Vorsitzende Richter Arno Bormann, sei das Aachener Schwurgericht davon ausgegangen, dass die drei Söhne des wegen versuchten Totschlags angeklagten Hayati A. (44) vor der Kammer nichts sagen würden.

Als nächste Verwandte hätten sie sich auf ihr Auskunftsverweigerungsrecht berufen können. Doch alle drei – sie sind heute zwischen 17 und 21 Jahre alt – sagten am Dienstag zu den Ereignissen am 4. September 2010 aus. Es geht um eine Liebesaffäre der Schwägerin des Angeklagten, die tätliche Auseinandersetzungen zwischen den männlichen Mitgliedern der beiden türkischstämmigen Familien zur Folge hatte.

Am Ende wurde der jetzt angeklagte Hayati A. einige Monate nach seiner eigenen Messerattacke auf die Brüder Taner und Sener S. vor einer Tankstelle in Düren von Taner S. niedergeschossen. Die Brüder wurden deswegen bereits verurteilt.

Als erster sagte der mittlere Sohn aus, ein 19-jähriger Schüler. Er war damals bei der Prügelei, es war der letzte Tag des Ramadan, ebenso dabei wie der Jüngste. Der Älteste befand sich auf einem Spielplatz.

Kein Messer gesehen

Der 19-Jährige stützte die Darstellung seines Vaters. Taner und Sener S. wären vor dem Haus der Familie aus dem Auto gesprungen. Sie hätten seinen Vater, der gerade mit zwei Söhnen zum Fastenbrechen gehen wollte, wüst beschimpft und beleidigt. Der Hintergrund: Hayati A. wollte die Beziehung seiner wesentlich jüngeren Schwägerin zu Sener S. nicht dulden, hatte sie deswegen bereits geschlagen und ihr den Umgang mit S. untersagt. Das Mädchen aber hielt sich nicht daran.

„Als die auf meinen Vater einschlugen, bin ich auch draufgegangen“, berichtete der 19-Jährige. Er habe dann ordentlich Prügel bezogen, sei in der Gosse gelandet. Von einem Messer habe er aber nichts mitbekommen. Das fragliche Messer soll Hayati A. während des Kampfes von der Ladefläche seines in der Nähe stehenden Pritschenwagens genommen und dann Taner S. in den Bauch gestochen haben.

Das hätten beide, so sagte auch der jüngste Sohn am Dienstag, im Getümmel nicht beobachten können. Als Freunde der Familie eingriffen, seien Taner und Sener S. geflohen, einer von ihnen allerdings schwer verletzt. Der Angeklagte beruft sich darauf, er habe nur so seine Söhne schützen können. Der Prozess wird am 23. Januar fortgesetzt.

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