Düren - Fahrzeugbegleiter sorgen in Bussen für Ordnung

Fahrzeugbegleiter sorgen in Bussen für Ordnung

Von: Tobias Röber
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Sofort aufhören: Tobias Raasch schreitet ein, wenn sich Schüler falsch verhalten. Essen und trinken ist während der Fahrt nicht gestattet. Foto: Röber

Düren. Morgens, 6.58 Uhr in Jüngersdorf an der Bushaltestelle „Kapelle”: Ein dutzend Jugendliche steigen in die Linie 237 ein. Die meisten sehen noch recht verschlafen aus, sinken gleich in einen Sitz und träumen vor sich hin. Tobias Raasch nicht. Zwar nimmt auch er Platz, schaut sich jedoch während der Fahrt immer wieder um.

Der Bus füllt sich mehr und mehr, und der Lärmpegel nimmt zu. Eine Schülerin scheint besonders wach zu sein. Sie drückt den Halteknopf ständig, und zwingt den Busfahrer zu unnötigen Pausen. Sie hat die Rechnung ohne Tobias Raasch gemacht, denn der 14-jährige Schüler der Realschule Bretzelnweg schreitet ein. Aber nicht nur, weil ihm nicht gefällt, was die Schülerin treibt, sondern auch, weil er offiziell eingreifen darf und soll. Tobias Raasch ist Fahrzeugbegleiter.

Rund 25 Minuten dauert die Fahrt bis zu seiner Schule. Zeit, in der Schüler jede Menge anstellen können. Kleine Rangeleien, Streiche und die berühmten Vandalismusschäden - der Busfahrer allein kann sich nicht um alles kümmern. Genau da kommen Tobias Raasch und seine Kollegen ins Spiel. „Mit dieser Maßnahme wollen wir die Busfahrer entlasten”, sagt Rainer Grötzsch von der Dürener Kreisbahn (DKB), die das Projekt mit dem Kommissariat Vorbeugung vor sieben Jahren angestoßen hat. Damals habe es viel mehr Vandalismusschäden und Übergriffe in den Bussen gegeben, sagt Grötzsch.

Nun sitzen in den Bussen nicht nur Schüler der Realschule Bretzelnweg. Für die Fahrzeugbegleiter jedoch kein Problem. Das A und O ist dabei ein kleines, in Plastik eingeschweißtes Stück Papier. „Sobald wir uns ausweisen, hören die Schüler auf uns”, sagt Fahrzeugbegleiter Daniel Martens. Und nicht nur die. Es gibt auch durchaus Situationen, in denen sich Erwachsene daneben benehmen. Zudem sind Tobias, Daniel und ihre Kollegen angehalten, auch Busfahrern auf die Finger zu schauen. Ab und an kommt es vor, dass diese während der Fahrt telefonieren, zu schnell unterwegs sind oder rauchen. In solchen Fällen sollen die Begleiter erst den Kontakt suchen. „In den meisten Fällen hören die Busfahrer darauf”, sagt Rainer Grötzsch. Ist das nicht der Fall, kennen die Fahrzeugbegleiter die Telefonnummer der DKB.

„Das ist aber nur zwei- oder dreimal vorgekommen”, weiß Grötzsch. Um so öfter weisen die Fahrzeugbegleiter pöbelnde Jugendliche zurecht und erklären ihnen, warum sie während der Fahrt nicht trinken dürfen. „Wenn der Bus stark bremst, besteht die Gefahr, sich mit der Flasche die Zähne auszuschlagen oder andere zu verletzen”, weiß Tobias Raasch.

Die Fahrzeugbegleiter selbst profitieren auch von ihrer Aufgabe. „Die soziale Kompetenz wird geschult und das Selbstwertgefühl gesteigert”, ist sich Grötzsch sicher. Lehrerin Barbara Bauhoff ergänzt: „Die Schüler machen das freiwillig und erhalten dafür ein Zertifikat sowie einen Zeugnisvermerk. Das macht sich sicher nicht schlecht.” Daraus ziehen die meisten Fahrzeugbegleiter ihre Motivation jedoch nicht.

„Ich bin viel mit dem Bus unterwegs. Schon in der fünften Klasse habe ich gesehen, wie ältere Schüler jüngere geschubst haben. Jetzt kann ich ihnen helfen”, sagt Tobias Raasch. Der Achtklässler hat seine Schulung erst vor kurzem beendet. Ab der achten Klasse können sich die Schüler als Fahrzeugbegleiter bewerben, die Lehrer entscheiden über die Eignung. Die Auserwählten - an der Realschule Bretzelnweg sind es derzeit 32 - werden fünf Doppelstunden lang geschult. Deeskalationstraining, Kommunikationstechniken, Rollenspiele und abschließende Besichtigungen der Polizei und der DKB gehören zum Programm.

Zum täglichen Programm gehört für Tobias Raasch natürlich auch die Rückfahrt am Mittag. „Dann passiert meistens mehr”, sagt der 14-Jährige und lacht. Mittags sind die meisten Schüler anscheinend wacher und zu mehr Unsinn aufgelegt. Bei Tobias Raasch und seinen Kollegen sind sie aber in guten Händen.
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