Fahrradwerkstatt „fahrbereit“: Schrauber mit Leidenschaft und Herz

Von: Sandra Kinkel
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Schrauber und leidenschaftlicher Radler mit großem Herz: Michael Wolf. Foto: Sandra Kinkel

Langerwehe. Frühlingszeit ist Fahrradzeit. Spätestens am Sonntag war der perfekte Tag für eine Radtour – entlang der Rur, rund um den Dürener Badesee oder von Langerwehe zum Lucherberger See und wieder zurück. Einer, der jeden Tag mit seinem Fahrrad unterwegs ist, ist Michael Wolf.

„Ich habe einen sehr lauffreudigen Hund“, sagt er. „Und bin selbst leicht gehbehindert. Das lässt sich nur mit einem Fahrrad vereinbaren. Aber auch ohne Hund und ohne Behinderung wäre ich sicher ein begeisterter Radfahrer. Es ist einfach schön, in der Natur zu sein und sich den Fahrtwind um die Ohren blasen zu lassen. Und umweltfreundlich ist es obendrein.“ Michael Wolff ist von Beruf Schulbusfahrer, und er ist ein sehr freundlicher Mann, der gerne und viel lacht. Und er engagiert sich ehrenamtlich – und natürlich hat sein Ehrenamt ganz viel mit Fahrrädern zu tun.

Seit Ende März gibt es auf Initiative des Asylkreises Langerwehe an der Luchemer Straße eine kleine Fahrradwerkstatt, genauer gesagt einen kleinen Fahrradschuppen. „Fahrbereit“ steht auf dem Schild über der Tür, und dieser Name ist Programm. Michael Wolf und seine Mitstreiter wollen die Menschen mobil, eben fahrbereit, machen. Und zwar nicht nur Asylbewerber, sondern alle, die nur ein geringes Einkommen haben. „Ich schraube gerne“, sagt Wolf. „Ich habe mir auch schon einmal aus mehreren alten Rädern selbst ein neues zusammengebaut. Wenn man ein bisschen handwerkliches Geschick hat, geht das.“

Am wichtigsten, betont der Fahrradexperte, sei natürlich, dass die Räder verkehrssicher seien. „Bremsen und Licht müssen perfekt funktionieren. Die Reifen sollten ein gutes Profil haben. Und bei Reifen, die keine Luft mehr haben, sollte man vielleicht in einen neuen Schlauch investieren.“ Zumindest diese drei Dinge, ergänzt Wolf, sollten auch Saison-Radfahrer überprüfen, wenn sie ihren Drahtesel nach der Winterpause wieder aus dem Keller oder aus der Garage holen. „Die Kette sollte geschmiert werden. Und grundsätzlich kann ich sagen: Lose Teile an einem Fahrrad sind in der Regel nicht so gut. Es kann also nicht schaden, auch die Schrauben zu kontrollieren.“ Vor der ersten Tour, sagt Wolf schmunzelnd, sollte das Rad dann nur noch geputzt werden. „Eigentlich braucht so ein Fahrrad gar nicht viel.“

In vielen Fahrradwerkstätten, so Wolf weiter, würden auch professionelle Fahrradinspektionen angeboten. Wolf: „Das ist bestimmt auch eine gute Möglichkeit, um sein Rad wieder fit zu machen. Gerade auch bei Fahrrädern mit modernen Scheibenbremssystemen.“

Die neue Werkstatt an der Luchemer Straße ist eine Selbsthilfewerkstatt. Während der Öffnungszeiten können dort Menschen mit geringem Einkommen (ein Nachweis zum Beispiel in Form von einem Berechtigungsschein für die Tafel oder einem Bescheid von der Job-com ist erforderlich) ihr Fahrrad reparieren lassen. „Wir möchten keinen Fahrradgeschäften oder Werkstätten Konkurrenz machen“, sagt Wolf. „Die Leute, die zu uns kommen, würden aber aus finanziellen Gründen nie zu einem Profi gehen.“

Falls Ersatzteile gebraucht würden, werden die in Fachgeschäften der Region eingekauft. Michael Wolf: „Viele Leute spenden uns alte Fahrräder. Die machen wir hier wieder flott und verkaufen sie gegen kleines Geld.“ Mindestpreis für ein Rad sind 15 Euro. „Aber manche Räder sind auch teurer. Das hängt von der Qualität ab.“ Der Verkaufserlös fließt dann in die Anschaffung von Ersatzteilen. „Ein Fahrrad zu haben“, sagt Michael Wolf, „bedeutet für die Menschen ein Stück Freiheit. Und unsere Gegend ist zum Fahrradfahren wirklich ideal.“ Wolf ist am liebsten entlang von Rur oder Inde unterwegs. „Das gefällt meinem Hund am besten“, sagt er. „Da kann der rennen und planschen.“

Wer es etwas anspruchsvoller mag, dem empfiehlt der Fahrrad-Kenner einen Ausflug in Richtung Heistern. „Da geht es dann aber schon richtig hoch. Wer da fahren möchte, sollte schon ein bisschen fit sein.“ Grundsätzlich schätzt Wolf die Situation für Radfahrer in der Region schon als ziemlich gut ein. „Natürlich sind wir hier von der wirklich großartigen Situation für Radfahrer in den Niederlanden noch weit entfernt. Aber es hat sich auch bei uns viel getan. Ich denke, die Region ist radfahrtechnisch auf einem guten Weg.“

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