Düren - Facebook: „Hobbyfahnder“ bewegen sich auf dünnem Eis

Facebook: „Hobbyfahnder“ bewegen sich auf dünnem Eis

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
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2544 Personen haben die „Vermisstmeldung“ einer Dürenerin bei Facebook bis gestern Abend geteilt.

Düren. 2544 Personen haben den Facebook-Eintrag bislang geteilt, 170 haben ihn kommentiert: Eine junge Dürenerin wird darin als vermisst gemeldet. Schwarze Schuhe, weißer Mantel, rosa Rucksack. Dazu ein Foto. Sie sei nicht auf der Arbeit erschienen. Die „Facebook-Fahndung“ ist nicht die erste dieser Art. Vermisst – was heißt das?

Für die Polizei gilt eine Person als vermisst, wenn sie „ihren gewohnten Lebenskreis verlassen hat, ihr Aufenthalt unbekannt ist und für sie eine Gefahr für Leib oder Leben angenommen werden kann“. Das ist zum Beispiel bei Opfern einer Straftat, bei einem Unglücksfall, bei Hilflosigkeit oder Selbsttötungsabsicht der Fall.

Seit dem 2. März liegt der Polizei in Düren auch die Angabe von Familienangehörigen darüber vor, „dass sich eine 24-jährige Dürenerin nicht mehr gemeldet habe“, heißt es auf Anfrage der DZ. Da die Gesuchte sich den Mitteilungen zufolge dem üblichen Lebenskreis entzogen habe und der aktuelle Aufenthaltsort nicht bekannt sei, ermittle die Polizei – „auch ohne konkreten Hinweis auf eine Gefahr für Leib oder Leben“. Dabei gehe es insbesondere darum festzustellen, ob für die Frau irgendeine Gefahr besteht.

„Aus den bisherigen Ermittlungen haben sich keine aktuellen Hinweise auf den derzeitigen Aufenthaltsort ergeben; aber auch keine Hinweise darauf, dass der Frau etwas zugestoßen sein könnte. Die Ermittlungen dauern an“, sagt Polizeisprecher Ralf Meurer.

Vermisstenfälle gehörten zum polizeilichen Alltag. Insofern habe die Polizei große Erfahrung im Umgang mit der Suche nach vermissten Personen. „Je größer die Wahrscheinlichkeit einer Gefahr für die gesuchte Person, desto schneller, intensiver und umfangreicher muss auch die Suche nach ihr sein“, heißt es aus der Pressestelle. Dass bei einer Suche die Öffentlichkeit eine wichtige Rolle spiele – und „ die überaus schnelle Kommunikation in Sozialen Netzwerken“ erfolgreicher Bestandteil einer polizeilichen Fahndung sein könne – sei unstrittig.

Ralf Meurer macht auf Nachfrage der DZ aber auf eine weitere Seite dieses Themas aufmerksam, das Aufenthaltsbestimmungsrecht: „Freiheit der Person bedeutet grundsätzlich auch, dass sich jede erwachsene Person bewegen und aufhalten kann, wo sie möchte.“ Wer sich auf eine „private Vermisstenfahndung“, zum Beispiel in Sozialen Netzwerken als Betreiber oder „Teiler“ einlasse, wenn noch keine polizeiliche Öffentlichkeitsfahndung bestehe, müsse sich selbstständig über die damit einhergehenden rechtlichen Risiken informieren.

„Die Polizei selbst muss in jedem Fall eine gesetzliche Grundlage haben und prüfen, um mit einem Bild oder einem Namen nach einer bestimmten Person in der Öffentlichkeit fahnden zu dürfen“, erklärt Ralf Meurer und rät: „‚Hobbyfahnder‘ sollten bedenken, dass sie bei der Nutzung von Bildern und Namen von bestimmten Personen in deren Rechte eingreifen könnten, was eine zivil- oder auch strafrechtliche Konsequenz nach sich ziehen könnte.“

Konsequenzen haben kann auch eine Vermisstenanzeige bei der Polizei. Grundsätzlich kann jede Person eine Anzeige erstatten, die Angaben über die vermisste Person machen kann. „Sie sind als mögliche Kostenpflichtige aber darauf hinzuweisen, dass sie bei Nichtbeachtung beziehungsweise wissentlich falschen Angaben oder bewusstem Verschweigen wichtiger Informationen zur Erstattung aller zusätzlichen Kosten herangezogen werden können“, erklärt Meurer. Dies werde auch dokumentiert.

Seriosität lautet ein wichtiges Stichwort auch für das Internet. Der Polizeisprecher weist darauf hin, dass ‚Hobbyfahnder‘ die Seriosität der Fahndungsquelle und deren Motivlage kaum überprüfen könnten.

„Es besteht die Gefahr, instrumentalisiert zu werden“, warnt Meurer. Auch gut gemeinte Internetfahndungen könnten für Kinder und Jugendliche nachhaltige Wirkungen haben. „Hat sich zum Beispiel eine 15-Jährige ‚aus Protest‘ dem Elternhaus kurzfristig selbst entzogen, so sind die Spuren der tausendfach ‚geteilten‘ Interneteintragungen kaum zu beseitigen.“ Wenn sich Arbeitgeber Jahre später bei einer Bewerbung über die Person durch eine Abfrage im Internet informieren würden, so tauchten „Sozialdaten auf, die zur Meinungsbildung auch negative Einflüsse ausüben könnten“.

Meurer: „Die Polizei lässt sich nicht zur Personensuche ‚instrumentalisieren‘ wenn zum Beispiel eine volljährige Frau ihren bisherigen Lebenspartner verlassen hat und für diesen unauffindbar ist.“ Jeder Einzelfall müsse genau geprüft werden. Die Dürener Polizei veröffentlicht ihre Vermisstenmeldungen als Pressemeldungen, „die immer den Charakter einer amtlichen Bekanntmachung haben“, auf www.polizei-dueren.de.

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