Facebook als Visitenkarte: Parteien und Jugendliche

Von: Valerie Barsig
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Gerade die Jugendorganisationen der großen Parteien versuchen, Jugendliche über das Internet anzusprechen. Eine große Rolle dabei spielt die Kommunikation über das soziale Netzwerk Facebook. Foto: dpa
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Berthold Becker, Abteilungsleiter des sozialpädagogischen Dienstes vom Jugendamt. Foto: Valerie Barsig

Düren. Facebook, Twitter und Instagram sind bei Jugendlichen nicht mehr wegzudenkende Kommunikationskanäle. Es sind die Kanäle, über die gerade junge Menschen auch von Parteien angesprochen werden können, die vor allem ein Problem haben: Ihnen fehlt der Nachwuchs. Wie sie junge Menschen ansprechen können, darüber zerbrechen sich viele Parteien den Kopf. Meist setzen sie dabei auf ihre Jugendorganisationen.

„Jugend steht auf Politik. Aber eben nicht auf Parteien“, sagt Berthold Becker, Abteilungsleiter des sozialpädagogischen Dienstes beim Jugendamt Düren. Er ist der Meinung, dass Jugend, Internet und Politik einen Dreiklang bilden. Denn: Jugendliche seien nicht politikverdrossen, ihnen sei es aber eben nicht so wichtig, ob sie den Jusos oder den Grünen angehörten. „Sie interessieren sich für Projekte. Und projektbezogen sollten auch die jungen Organisationen der Parteien arbeiten.“

Wie aber sind diese jungen Parteiorganisationen in Düren aufgestellt? Auf welchen Kanälen versuchen sie, Jugendliche zu erreichen? Ein Überblick über die Internetauftritte der Jugendorganisationen der Dürener Parteienlandschaft:

Die Jusos: Multimedial aufgebaut ist die Homepage der Jusos in Düren. Ein Video läuft im Hintergrund, übersichtlich ist in mehreren Punkten mit verschiedenen Bildern dargestellt, wofür die Jungen Sozialisten in Düren stehen. Der Twitter-Account der Jusos scheint eingeschlafen: Der letzte Eintrag ist von 2009. Auf Facebook sind die Jusos hingegen gut vertreten – ihr letzter Post ist sehr aktuell.

Er datiert vom Montagabend und zeigt ein Bild von der Wahl des neuen Stadtverbandsvorstands. Fleißig posten die Jungsozialisten Fotos ihrer Aktionen in dem sozialen Netzwerk, 1380 Leute (Stand: 5. Juli) haben die Seite mit „Gefällt mir“ markiert. „Die jungen Parteien sollten bei der Akzentuierung von Jugendinteressen eine wesentliche Rolle spielen“, sagt auch Berthold Becker vom sozialpädagogischen Dienst. Weil sie auf Facebook Interessen bündeln, können sie als eine Art Motor fungieren und Engagement übernehmen.

Die Junge Union: Googelt man die „Junge Union Düren“, wird es erstmal unübersichtlich, denn Google spuckt sowohl die Homepage der Jungen Union Düren-Jülich als Ergebnis aus, als auch die Junge Union Kreis Düren. Die erste Seite führt auf die Homepage der Jungen Union Deutschlands, bei der zweiten liegt man richtig, denn hier wird man zum Stadtverband der Jungen Union Düren geleitet.

Auf der Homepage finden sich generelle Informationen. Bilder oder Termine sind keine vorhanden. Die Homepage leitet auf die Seite der JU Kreis Düren weiter. Unter einem qualitativ eher schlechten Foto kann man sich dort Termine anschauen oder Mitglied werden. Darunter eingebunden in die Seite ist der Facebookauftritt der Jungen Union – letzter Post zum JugendLandtag in Düsseldorf. Darunter stellt sich die Junge Union vor. Für die Facebookseite der Jung-CDU‘ler des Kreises Düren haben 641 Personen auf „Gefällt mir“ geklickt – für den Stadtverband nur 151. Auf Instagram oder Twitter sind die JU-Dürener nicht zu finden.

Die Jungen Liberalen: Die Homepage der Jungen Liberalen Dürens ist zwar leicht bei Google zu finden, allerdings befindet sich die Seite schon seit einiger Zeit im Umbau. Kurz gesagt: Sie ist nicht existent. „Natürlich sollten sie das ändern“, sagt Berthold Becker. „Aber Homepages werden überbewertet.“ Denn gerade bei Facebook könnten junge Parteiflügel Jugendliche niederschwellig erreichen und einfach mit ihnen kommunizieren.

Auf Facebook sind immerhin die Jungen Liberalen Kreis Düren zu finden – die Seite gefällt allerdings nur 261 Leuten. Auch Parteipolitik sei letztlich Netzwerkarbeit, sagt Berthold Becker. „Und Jugendliche sind gerade bei Facebook unheimlich gut vernetzt.“ Das sollten Parteien nutzen. Auch die Stadtverwaltung habe so viele Jugendliche zur Konferenz „Jugend macht Stadt“ Ende April erreichen können, an der auch alle jungen Parteiorganisationen in Düren beteiligt gewesen sind. Auch projektbezogen wurde gearbeitet. Lernen zu debattieren und Kompromisse zu schließen sei die Aufgabe der Parteien – das sei bei der Konferenz umgesetzt worden.

Die Jungen Grünen: Unter „Jung. Grün. Stachelig.“ findet man die Jungen Grünen, wenn man sie googelt. Die Homepage sieht aus wie ein Internetblog, der letzte Eintrag ist von 2013. Unter der Rubrik „Fotos“ finden sich einige Bilder von Ausflügen und Aktionen, allerdings ohne Erklärung. Plus der Seite: Die Struktur der Grünen Jugend ist in einfacher Sprache erklärt, so dass man sich nicht durch die Satzung der Partei quälen muss. „Es ist wichtig, dass die jungen Flügel der Parteien Jugendliche möglichst früh ansprechen“, sagt Berthold Becker. Dazu gehöre auch eine einfache Sprache.

Auf Facebook sind die Jungen Grünen ebenfalls aktiv. Der letzte Eintrag ist vom 26. Juni: Bei der Gay Pride in Istanbul sind der Sprecher der Grünen Jugend NRW und der Vorsitzende der Grünen Duisburg vorübergehend festgenommen worden. 977 Leute haben die Seite mit „Gefällt mir“ markiert. Damit liegt die Grüne Jugend bei den „Gefällt-mir“-Angaben auf Platz zwei hinter den Jusos. Auch auf Twitter (@GJDueren) ist die Grüne Jugend aktiv. Über Google findet man den Account allerdings nicht unter den ersten Suchergebnissen, wenn man „Grüne Jugend Düren Twitter“ eingibt.

Das Internet biete alle Möglichkeiten, Jugendliche anzusprechen, sagt Berthold Becker. „Die Frage ist die nach der Qualität.“ Deshalb sei es wesentlich, Jugendliche schon sehr früh im Umgang mit dem Internet zu schulen. „Die Formen, wie man Jugendliche ansprechen kann, sind sehr vielfältig“, sagt er. Und das Potenzial gelte es zu nutzen, um sich für die Jugend stark zu machen.

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