Düren - Ex-Volleyball-Profi Dennis Barthel: „Ich bin viel selbstbewusster geworden“

Ex-Volleyball-Profi Dennis Barthel: „Ich bin viel selbstbewusster geworden“

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Dennis Barthel hat fünf Jahre bei den Powervolleys gespielt – jetzt hängt er seine Vollyballschuhe an den Nagel. Foto: Guido Jansen

Düren. Es ist ein schöner Tag in der Dürener City, und Dennis Barthel sitzt entspannt in einem Straßencafé am Markt. Der 21-jährige Volleyball-Profi hat seine Karriere nach fünf Jahren bei den SWD Powervolleys beendet, um sich jetzt ganz seiner beruflichen Zukunft zu widmen.

Im Gespräch mit unserer Mitarbeiterin Sandra Kinkel lässt er seine Zeit als Profisportler Revue passieren und erzählt, warum er schon mit 21 Jahren seine Volleyballschuhe an den Nagel hängt.

 

Ihr Lebensmotto ist „Alles kann, nichts muss.“ Passt das auch zu Ihrem Rückzug aus dem Profisport?

Dennis Barthel: Ja, irgendwie schon. Ich habe die Zeit als Volleyball-Profi wirklich sehr genossen, aber ich musste mir natürlich auch Gedanken um meine Zukunft machen und abwägen, wie es weiter gehen kann.

Welche Alternativen hatten Sie denn?

Barthel: Na ja, ich hätte noch weiter Volleyball spielen können, es gab Angebote von anderen Bundesliga-Klubs. Daneben gab es natürlich noch die berufs- und vor allen Dingen zukunftsorientierte Variante.

Für die Sie sich ja jetzt auch entschieden haben.

Barthel: Ja genau.

Was genau werden Sie machen?

Barthel: Ich habe bisher ein Fernstudium in Betriebswirtschaftslehre gemacht und beginne jetzt ein duales Studium im öffentlichen Dienst. Am 1. September geht es los.

Was heißt das genau?

Barthel: Ich hoffe, nach drei Jahren meinen Abschluss als Diplom-Finanzwirt zu haben. Aber Spaß beiseite: Es ist wie gesagt eine duale Ausbildung, das heißt, es wird abwechselnd gearbeitet und studiert. Das Studium findet auf Schloss Nordkirchen im Münsterland statt, die Arbeit beim Finanzamt Köln-Süd.

Vom Volleyball-Profi zum Finanzbeamten – das klingt nach einem ziemlichen Kontrast.

Barthel: Ich habe mein Abitur auf einer Schule mit Wirtschaftszweig gemacht, Mathematik und Betriebswirtschaftslehre waren meine Leistungskurse. Was ich damit sagen möchte, ist, dass ich schon einen ziemlich guten Draht zu Zahlen habe. Natürlich ist das ein Kontrast zum Leben als Sportler, für mich aber absolut kein Widerspruch.

Sie sind erst 21 Jahre alt. Warum kommt die Entscheidung für eine berufliche Karriere so früh?

Barthel: Mich hat es immer schon gestört, dass die Verträge im Sport oft nur von sehr kurzer Laufzeit sind. Wenn man einen Zwei-Jahres-Vertrag bekommt, ist das schon viel. Das bedeutet, dass man jedes Jahr wieder neu verhandeln muss, einen Umbruch im Verein erlebt. Das ist nicht so mein Ding. Ich mag eher einen geregelten Alltag und Sicherheit.

Welche Rolle hat die Tatsache gespielt, dass Sie nie wirklich Stammspieler bei den Powervolleys waren?

Barthel: Ich weiß schon sehr genau, welche Qualitäten ich auf dem Volleyballfeld habe. Und wie gesagt, ich hatte Angebote von anderen Vereinen, wo ich durchaus die Chance gehabt hätte, Stammspieler zu werden.

Sie haben bisher ein Fernstudium in Betriebswirtschaftslehre gemacht. Wie schwer war es, Profisport und Uni unter einen Hut zu bringen?

Barthel: Ich habe das als sehr kräftezehrend empfunden. Wir hatten im Schnitt zweimal am Tag Training, das heißt, dass ich oft schon vor der ersten Trainingseinheit am Schreibtisch gesessen habe, um meine Aufgaben zu erledigen. Auch die spielfreien Wochenenden sind quasi komplett für das Studium draufgegangen. Viel Zeit, zum Beispiel für meine Freunde, ist da nicht geblieben.

Können Sie heute schon sagen, wie sich das Leben ohne Profisport anfühlt?

Barthel: Im Augenblick eigentlich wie Urlaub. Ich denke aber, wenn bei den Powervolleys am 1. August offizieller Trainingsbeginn ist, wird das Gefühl schon ein bisschen wehmütiger. Ich werde den Profisport sicher sehr vermissen, aber ich habe mir meine Entscheidung auch sehr gründlich überlegt.

Was werden Sie am meisten vermissen?

Barthel: Wissen Sie, ich habe meine Tätigkeit bei den Powervolleys nie wirklich als Arbeitsverhältnis, sondern fast schon als familiäres Verhältnis empfunden. Sportler aus unterschiedlichen Ländern und mit unterschiedlichen Kulturen haben unglaublich viel zusammen erlebt und mannschaftliche Geschlossenheit bewiesen. Das wird mir fehlen, genauso wie das tägliche Training auf sehr hohem Niveau. Das hat mir immer großen Spaß gemacht.

Was war Ihr schönstes, was Ihr traurigstes Erlebnis mit den Powervolleys?

Barthel: Mein schönstes Erlebnis war ohne Zweifel unser erster Sieg in Friedrichshafen. Der Tiefpunkt war für mich, als wir in der Saison 2015/16 im Viertelfinale gegen Lüneburg ausgeschieden sind. Zum Glück haben wir aber in der vergangenen Saison gegen Lüneburg im Viertelfinale gewonnen.

Wie hat der Profisport Sie für Ihr Leben geprägt?

Barthel: Ich hab sicherlich gelernt, auf Leute zuzugehen, bin viel selbstbewusster und disziplinierter geworden.

Glauben Sie, dass Ihnen das Vorteile im Beruf oder bei Bewerbungen bringt?

Barthel: Das weiß ich nicht. Entscheidend ist sicherlich zunächst einmal, dass ich einen möglichst guten Abschluss mache.

Wie geht es sportlich in Ihrem Leben weiter?

Barthel: Ein Leben ganz ohne Sport ist für mich natürlich undenkbar, genauso übrigens ein Leben ohne Ball. Ich werde in der zweiten Mannschaft des DTV weiter Volleyball spielen. Da war ich früher schon aktiv und kenne viele Leute. Ich glaube, das wird mir großen Spaß machen.

Das heißt, Volleyball wird jetzt Ihr Hobby?

Barthel: Ja genau. Und ich freue mich, endlich Zeit für meine Freundin, meine Freunde und meine Familie zu haben.

Wie werden Sie sich beim ersten Heimspiel als Zuschauer in der Arena fühlen? Immerhin hat der Fanclub „Moskitos“ Ihnen ja einen Platz in der Fankurve angeboten.

Barthel: Ja, und den werde ich auch annehmen. Ich denke, ich werde schon ein mulmiges Gefühl bei meinem ersten Spiel als Zuschauer haben, aber ich freue mich auch darauf. Meine Verbindung zu den Powervolleys und der ersten Volleyballbundesliga wird immer sehr eng sein.

Wie bewerten Sie das Potenzial der Mannschaft für die nächste Saison?

Barthel: Ich bin sehr froh, dass einige Spieler ihren Vertrag verlängert haben, und ich glaube auch, dass das Team mit Stefan Falter einen hervorragenden Chef-Trainer bekommt. Der Mann hat ein riesiges Volleyball-Fachwissen, das mir schon in den vergangenen Jahren enorm geholfen hat, mich zu verbessern. Ich glaube, da geht was.

Und wo sehen Sie sich selbst in zehn, fünfzehn Jahren?

Barthel: So weit im Voraus möchte ich gar nicht planen. Mir ist es wichtig, in drei Jahren meine Ausbildung beendet zu haben. Dann sehen wir weiter.

Wie verbringen Sie die Zeit bis zum Beginn Ihrer Ausbildung?

Barthel: Ich mache Urlaub auf Kreta und am Bodensee. Die meiste Zeit werde ich aber in Düren sein und hoffe auf einen super Sommer am Badesee und im DTV-Sommerbad.

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