Düren - Ex-Sparkassen-Chef steht als Kabarettist auf der Bühne

Ex-Sparkassen-Chef steht als Kabarettist auf der Bühne

Von: Sandra Kinkel
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Kompliment für die Premiere: Professor Herbert Schmidt. Foto: kin

Düren. Wissen Sie, was Wellness-Jammerer sind? Oder warum der Kampfmittelräumdienst im Kreishaus war? Und wieso Bürgermeisterkandidatin Liesel Kochorreck mit einer Herde Ackergäule kein Polo-Turnier gewinnen kann?

Professor Herbert Schmidt, Ex-Vorstandschef der Sparkasse Düren, Vollblut-Karnevalist und seit Neuestem auch Kabarettist, beantwortet in seinem neuen Soloprogramm „Freunde, Verwandte und Typen, die ich gar nicht mag“ all diese Fragen. Und – so viel sei gleich vorab verraten: Er hat seinen Giftzahn frisch gefüllt.

Zweimal ausverkauft

Gleich zwei Mal war der große Saal von „Düren’s Posthotel“ am Wochenende ausverkauft. Insgesamt 160 Leute erleben einen kurzweiligen Abend mit geistreichem Kabarett. Schmidt plaudert zwischen gebratenen Riesengarnelen, Rindfleischsuppe, Schweinefilet und Mango-Jogurt-Mousse. Es geht um das Leben, Freundschaften und liebe Verwandte, Vereine, das Bankwesen und schließlich kurz vor dem Nachtisch auch um die Dürener Lokalpolitik: „Jetzt brauche ich kein Blatt mehr vor den Mund zu nehmen. Sie haben Hauptgang intus, Ihnen kann nicht mehr schlecht werden.“

Herbert Schmidt legt den Finger in die Wunde – auch in die Wunde der Dürener: „Der Dürener beherrscht perfekt das Jammern. Und er weiß immer schon im Voraus, was nicht geht.“ Er hat „Beamte, Lehrer und RWE-Mitarbeiter im Visier, denn „die sind mit 50 Jahren ausgebrannt und von allem gestresst, was nicht Kaffeepause heißt“. Verwaltungen sind für ihn „Irrenhäuser, wo die Patienten die Leitung übernommen haben“. Banker bekommen genauso ihr Fett weg („In den Führungsetagen der Geldhäuser gibt es mehr Nieten als in den Losbuden der Annakirmes“) und auch der Papst darf in Schmidts Programm nicht fehlen: „Der sagt, was er denkt, und wir können auch irgendwann hoffen, dass er tut, was er sagt.“

Herbert Schmidts liebstes Thema aber ist die Dürener Lokalpolitik, allen voran die „Ampel plus“. „Das klingt nach Mehrwert, und ich habe lange überlegt, was das ‚plus‘ bedeutet.“ Eines Morgens, als die Lichtsignalanlage an der Dürener Tivolistraße defekt gewesen sei. „Das ‚plus’ ist das hektische gelbe Blinken, wenn die Ampel ausgefallen ist. ‚Plus’ bedeutet Ampel kamputt.“ Hubert Cremer wird als „Fred Bertelmann, der lachende Vagabund“ der FDP bezeichnet. Und Bürgermeisterkandidatin Liesel Koschorreck als Gutsbesitzerin, die „aus einer Riesenherde Ackergäule die besten aussuchen muss, um mit denen ein Poloturnier zu gewinnen. Das funktioniert aber nicht.“ Am Ende ist Schmidts Fazit einfach und ziemlich bissig: „Würde der Ampel plus die Verantwortung für die Sahara übertragen, hätten wir bald Sandknappheit.“ Auch auf Landrat Wolfgang Spelthahn hat der Professor es abgesehen. „Ich könnte Kommentare für die Dürener Zeitungen schreiben. Mit Überschriften wie: „Kampfmittelräumdienst im Kreishaus. Blindgänger erfolgreich entfernt’ oder zum Thema Stadthalle ‚Gut gegackert. Das Ei ist gelegt, hoffentlich wird es ausgebrütet.“

Den Menschen in „Düren’s Posthotel“ hat der Abend mit Herbert Schmidt gefallen, auch wenn manch Themen, die er aufs Korn genommen hat wie beispielsweise der frühere Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst längst nicht mehr aktuell sind.

Sprachlich war das Programm fein ausformuliert, es fehlte ihm allerdings ein bisschen die Spontaneität, die so ein Kabarettprogramm braucht, um wirklich zu begeistern . So richtig ist der Funke zwischen Herbert Schmidt und dem Publikum nicht übergesprungen – das kann aber ja noch kommen. Fürs erste Mal hat der 61-Jährige jedenfalls ein dickes Kompliment verdient.

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